Borgmann's Blog vom 1. Mai: Vier Starts, vier Siege…

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Was täten wir turnieraffine Zeitgenossen ohne Peter Hofmann?! 1964 hat dieser „mannhemmer Bub“ als Schleifenjunge angefangen – an diesem Wochenende macht er das, was er mit Abstand am liebsten tut und wohl auch am besten kann: Er macht Turnier! Da ist er in seinem Element! Wahrscheinlich freut sich Peter Hofmann am allermeisten darüber, dass wieder sportlich geritten wird, dass Reitersleute, die er mag und die ihn mögen, aufs Mühlfeld vor den Toren seiner Heimatstadt gekommen sind. Wer ihn dieser Tage dort antrifft oder via Internet sieht und hört, der begegnet einem Menschen, der sprüht vor Tatkraft und Zuversicht: Pandemie! Na und? Wir lassen uns nicht unterkriegen!

 

Vor allem sein Stargast hat es Peter Hofmann angetan: Isabell Werth. Mit stolzgeschwellter Brust sagt der Turnierchef in die SWR-Kamera: „Die Nummer eins und die Nummer zwei der aktuellen Weltrangliste – das hatten wir hier noch nie!“ Der Laie staunt und der Fachmann weiß: es handelt sich um die 17-jährige Bella Rose und um die 16-jährige Weihegold. Zugegeben, nach einem Jahr Pandemie, nach der  ausgefallenen Saison 2020, sagt die Weltrangliste der Dressurreiter so gut wie nix oder nur wenig. In dem verständlichen Bemühen, sein Maimarktturnier so positiv wie möglich zu verkaufen, sieht der Gastgeber über derlei Details großzügig hinweg.

 

Vier Starts, vier Siege – das hat Isabell Werth schon häufiger geschafft. Doch knapp drei Monate vor den Olympischen Spielen lohnt es sich, genauer hinzuschauen, denn diese Situation ist neu, auch für die beste Reiterin des modernen Dressursports. Dabei geht’s nicht darum, dass Isabell Werth in Mannheim viermal gewonnen hat, sondern darum, wie sie gewonnen hat. Natürlich clever wie immer: „Bella Rose hatte ich eigentlich nur zum Training nach Mannheim mitgebracht.“ Aber angesichts des verschärften Lockdowns habe sie sich spontan dazu entschlossen, die Stute nach zwei Jahren Turnierpause im Grand Prix und im Spezial zu starten. Man wisse in diesen Corona-Zeiten ja nicht, ob und wo sich weitere Startchancen böten. Richtig gedacht, wenngleich jedermann sehen konnte, dass es für Bella Rose zur olympischen Form noch ein Stück Weges ist. Fehler in den Einer-Galoppwechseln und ein verkorkstes Angaloppieren – beides ging auf die Kappe der Reiterin. Dass der dänische Olympiarichter Hans-Christian Matthiesen am Richtertisch saß – hoffentlich kein schlechtes Omen.

 

Während also Bella Rose noch im vorolympischen Aufbau steht, muss man sich über ihre Stallkollegin Weihegold wirklich wundern, im positiven Sinne: Noch selten habe ich ein Dressurpferd gesehen mit dieser Leistungsbereitschaft, dieser Zuverlässigkeit, dieser Robustheit. Nicht zu vergessen: Seit Jahren steht Weihegold im Embryo-Transfer, wobei es kein Geheimnis ist, dass ihre Reiterin davon wenig begeistert ist. Es bleibt spannend zu sehen, wie sich beide Pferde in den verbleibenden Wochen bis zur Tokio-Nominierung Anfang Juli entwickeln. Klar, Bella Rose ist die Nummer eins für Isabell Werth. Aber im 32. Jahr ihrer internationalen Glanzkarriere weiß sie ganz genau: Sie muss sich steigern mit ihrer Fuchsstute, um das unausgesprochene Ziel zu erreichen – Einzelgold! Wahrscheinlich, und ohne zu unken, wird es ihre letzte Chance sein, mit Bella Rose oder Weihegold zum zweiten Male nach 1996 Olympiasiegerin zu werden. Die Konkurrenz ist hellwach, denken wir etwa an Charlotte Dujardin oder an Jessica von Bredow-Werndl und ihre Dalera.

 

So oder so. Tokio wird besonders. Erstens wegen der Pandemie und ihren Umständen, zweitens wegen des neuen Reglements: Nur noch drei Aktive pro Team, alle Noten zählen – das Streichergebnis ist Vergangenheit. Der sportliche Anspruch aus deutscher Sicht ist klar: Wieder Gold mit der Mannschaft! Dazu zwei Medaillen im Einzelwettkampf! Noch Fragen?

 

Thomas Borgmann für reitturniere.de

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