Borgmann's Blog vom 3. Juni: Jetzt geht’s ans Eingemachte

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Gerade in diesen Tagen, an denen sich der Turniersport hierzulande so langsam wieder aufrappelt im lokalen und regionalen Bereich – eine Hiobsbotschaft, deren Tragweite sich noch nicht abschätzen lässt. Aber so viel steht schon fest: Die 2016 kreierte „Longines Masters Serie“ für die weltbesten Springreiter mit Stationen in Hongkong, Lausanne, Paris und New York gibt es nicht mehr. Der Vertrag mit dem Schweizer Uhrenhersteller, der zur Swatch Group gehört, und dem belgischen Veranstalter EEM (Equestrian Events Management) läuft aus! Verlängerung ausgeschlossen.  EEM-Boss Christophe Ameeuw hält im  Moment ein kleines Trostpflaster parat, indem er für den Herbst ein neues Konzept in Aussicht stellt, sofern es die weltweite Pandemie bis dahin zulasse. Kurz und knapp: Der Mann sucht einen neuen Sponsor, wozu man ihm durchaus Erfolg wünschen möchte. Wer jedoch realistisch denkt in diesen Zeiten, der ahnt: Kein Sponsor wagt es gegenwärtig, mit Millionensummen die Nachfolge von Longines anzutreten. Apropos Longines. Seit Jahren liefert sich diese Uhrenmarke einen knallharten Prestigekampf mit der Konkurrenz von Rolex, deren Grand Slam in der Saison 2020 auch nichts wird – der CHIO in Aachen als Leuchtturm dieser Serie kommt erst 2021 wieder, was wir alle inständig hoffen. Eine Antwort auf die Frage, ob’s den Rolex Grand Slam auch im nächsten Jahr wieder gibt, steht aus. Anders gefragt: Neigt sich unter dem ökonomischen Druck der Pandemie der Prestigekampf zwischen Longines und Rolex seinem Ende zu? Die Lage wird jedenfalls kritisch – jetzt geht’s wirklich ans Eingemachte! Ganz aktuell hören wir aus Helsinki die Absage des traditionsreichen Weltcup-Turniers. Die benachbarten Norweger mit ihrem Weltcupturnier in Oslo werden wohl bald nachziehen, denn beide Turniere hängen terminlich aneinander. Welchen Sinn hätte es, in Oslo reiten zu lassen, wenn die Aktiven, die normalerweise von Helsinki her anreisen, 2020 nicht kommen? Nächste Frage: Was wird aus dem Longines Weltcup der Springreiter 2020/21? Das Finale 2021 im Scandinavium von Göteburg mag es womöglich geben, denn die Schweden gehen in der Pandemie bekanntlich ihren Sonderweg, nehmen dafür weit mehr Todesfälle in Kauf als alle ihre Nachbarn. Sagen wir mal so: Wie es bis zum Jahreswechsel sportpolitisch in Schweden aussieht, weiß heute niemand zu sagen. Zurück ins eigene Land: Die Weltcupstationen Stuttgart und Leipzig agieren seit Wochen nach dem Prinzip Hoffnung. Das erscheint vernünftig, aber den Erfolg kann keiner garantieren. Im  Schweizer Hauptquartier der Swatch-Group bzw. bei Longines beobachtet man die Entwicklung genau. Womöglich sieht sich das Management gezwungen, als Sponsor auch beim Weltcup auf die Bremse zu treten, nur wenige Turniere zu unterstützen – oder gar einen Schlussstrich zu ziehen? Die Situation bleibt spannend bis dramatisch. Was vermag den passionierten Pferdefreund angesichts all dieser Unwägbarkeiten zu trösten? Ein Foto, das dieser Tage um die Welt geht: Die Queen mit ihren 94 Jahren im Sattel ihres 14jährigen Ponys Balmoral Fern auf den Ausritt durch den Park von Schloss Windsor. Einfach grandios!

 

Thomas Borgmann für reitturniere.de

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