Borgmann's Blog vom vom 5. Juni: Tränen der Freude…

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Als Kristin Otto, die Moderatorin des ZDF, Tobi Meyer fragt, wie er sich denn gerade fühle – da stockt dem sonst so abgebrüht erscheinenden Profi der Atem, er weint und stammelt etwas von seinem tollen Pferd, seinem tollen Sponsor, seinem tollen Trainer, seiner tollen Familie. Mittendrin in diesem herrlichen Interview nennt er sich „einen coolen Hund“, wovon man im Augenblick seines größten sportlichen Erfolges allerdings nicht viel spürt. Er hat wohl doch ziemlich nah am Wasser gebaut;  harte Schale, weicher Kern, so  könnte man da sagen. Als sich der neue Deutsche Meister der Springreiter wieder etwas gefangen hat, freut er sich schon darauf, von Otto Becker die Starterlaubnis für den CHIO in Aachen zu bekommen. Ein Mann mit Weitblick. Dann ist plötzlich seine kleine Tochter da – wieder Tränen der Freude. Man mag sie in diesem Augenblick auch werten für so viele, die sich freuen, dass endlich wieder geritten wird, dass es endlich wieder Turniere gibt und dass die verdammte Pandemie hoffentlich bald vorüber geht.

 

Tränen der Freude gab’s an diesem Samstag, dem Haupttag des Balve Optimum 2021, nicht nur auf dem Abreiteplatz der Springreiter, sondern auch im nahegelegenen Dressurstadion: Jessica von Bredow-Werndl gewann nach dem klassischen Meistertitel am Freitag heute auch ihren ersten Deutschen Meistertitel in der Kür – die Emotionen ließen nicht lange auf sich warten. Was für ein Wochenende für die 35-Jährige! Ganz dickes Kompliment! Sieben Wochen vor Olympia in Tokio hat die 14-jährige Trakehnerin TSF Dalera einen Wink an die Konkurrenz gegeben: Hallo, hier bin ich! Ich will in Tokio eine Medaille, am besten zwei! Gegen zweimal Gold hätte ich nichts einzuwenden!

 

Schauen wir auf die reinen Fakten, so zeigt sich ganz klar: Jessica von Bredow-Werndl besitzt durchaus die Chance, in Tokio das Einzelgold zu gewinnen. Kann sie die überragende Form ihrer Stute aus diesen Tagen halten, quasi konservieren, muss sich die internationale Konkurrenz warm anziehen. Isabell Werth gab sich nach den zwei zweiten Plätzen bei dieser DM 2021 heiter wie immer. Doch es führt kein Weg daran vorbei: Zwei zweite Plätze sind zwei Niederlagen! Und das kurz vor Olympia. Nur wenn es die „Dressurkönigin“ schafft, am Tage X in Tokio ihre überragende Erfahrung aus fast 35 Jahren Weltspitze auszuspielen, hat sie die Chance, ihr zweites Einzelgold nach 1996 zu gewinnen.

 

Dickes Kompliment für Dorothee Schneider, die nach ihrem schweren Unfall in Pforzheim auf dem besten Weg ist zu alter Form. Stark verbessert übrigens zeigte sich Benjamin Werndl mit seinem Daily Mirror. Ich kann mir gut vorstellen, dass er der passende Reservereiter für Tokio wäre, um vor Ort seine Schwester zu unterstützen. Doch ganz gleich, wie alles kommt – Balve 2021 war ein Lichtblick. Dass die Elite unserer Springreiter in St. Gallen und in Valkenswaard am Start war, sei’s drum! Mit diesem Manko lebt man in Balve schon seit vielen Jahren ganz gut.

 

Thomas Borgmann für reitturniere.de

Was suchen Sie?

Suchformular