Borgmann's Olympia Blog #26: Immer Ärger mit den Fünfkämpfern

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Vor Ort in Tokio, aber auch in den Medien hier daheim, schlagen die Wogen seit gut einer Stunde hoch: Die deutsche Fünfkämpferin Annika Schleu, der man wohl eine Medaille zugetraut hatte, kam mit ihrem widersetzlichen Pferd überhaupt nicht klar, worauf ihre Bundestrainerin Kim Raisner von außen gerufen haben soll „Hau richtig drauf!“ – mit der Peitsche, versteht sich. Davon kursieren offenbar bewegte Bilder im Internet. Annika Schleu erlitt, so wird es kolportiert, einen Heulkrampf!

 

Aus meiner Sicht, als jemand, der 1971/72 mit dem Journalismus rund um die Pferde begonnen hat, möchte ich folgendes in aller Sachlichkeit anmerken: Die Aktiven vom Modernen Fünfkampf sind in aller Regel keine versierten oder gar guten Reiter – leider. Den meisten von ihnen fehlt schlicht das Geld, um neben dem Laufen, Schwimmen, Fechten, Schießen das Reiten so gründlich zu trainieren, dass sie international bestehen können. Ein altes Problem, das bis heute nicht behoben ist.

 

Dazu muss man wissen: Die Pferde im Fünfkampf stellt der Veranstalter! Sie werden unter den Aktiven ausgelost – in der Praxis bedeutet das mitunter eine Art von russischem Roulette! Hinzu kommt, dass man den Fünfkämpfern nachsagt, sie besäßen durch das Fechten und das Schießen quasi „eiserne Hände“, hielten sich gerne an den Zügeln fest, fielen den Pferden in den Rücken. Den meisten fehle es an Erfahrung, sich binnen weniger Minuten, die ihnen nur bleiben, auf völlig fremde Pferde einzustellen, die sie nie zuvor gesehen, geschweige denn geritten hätten. Ich erinnere mich noch sehr gut, um nicht zu sagen sehr schlecht, an folgende Manipulation der ZDF-Sportredaktion: Man verkaufte vor Jahren Schreckensbilder aus dem Parcours der Fünfkämpfer als negative Beispiele und Beweise für das Martyrium gegen die Springpferde im großen Sport!

 

Anders gesagt, es dauert bestimmt auch diesmal nicht lange, bis sich die vereinigten Gegner des Pferdesports mit den Bildern von Annika Schleu und Kim Raisner aus Tokio gegen die Reiterei positionieren werden. Julia Basic, die FN-Pressesprecherin, hat kurz und knapp richtig reagiert: „Der Moderne Fünfkampf steht nicht unter dem Dach der Deutschen Reiterlichen Vereinigung oder des DOKR!“.

 

Thomas Borgmann für reitturniere.de             

Was suchen Sie?

Suchformular