Borgmann's Olympia Blog #28: Daniel Deusser sagt: „Abhaken und nach vorne schauen!“

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Die Goldmedaille im Preis der Nationen von Tokio 2021 geht an die glänzend reitenden Schweden Malin Baryard auf Indiana, Henrik von Eckermann auf King Edward und Peter Fredricson auf All In. Damit hat dieses Trio Sportgeschichte geschrieben, denn ihre Vorfahren siegten bei Olympia 1912, 1920 und 1924! Im dramatischen Stechen gegen die US-Equipe mit Laura Kraut auf Baloutinue, Jessica Springsteen auf Don Juan und McLain Ward auf Contagious hatten die Schweden am Ende etwa zwei bis drei Galoppsprünge weniger – alle Pferde im Stechen ohne Fehler! Chapeau! Und dickes Kompliment! Wenn man bedenkt, dass diese drei Amerikaner im Einzelfinale auf der Tribüne saßen – nicht zu glauben. Die von Peter Weinberg geführten Belgier holten die Bronzemedaille, profitierten von wachsenden Problemen ihrer Konkurrenz. Aber das Glück hat am Ende eben nur der Tüchtige!

 

Aus deutscher Sicht waren die Springwettkämpfe bei diesen Spielen von Tokio alles in allem eine Enttäuschung – da reden wir nicht lange drum herum! Die Fans von Otto Becker  und seinem Trio hatten zu recht mehr erwartet, möglichst eine Medaille. Jetzt erinnert dieser neunte Rang von heute an die Probleme im Teamspringen von 1992 in Barcelona. Bleiben wir trotzdem realistisch: Den Ausfall von Simone Blum und ihrer WM-Siegerin Alice sowie die Tatsache, dass Christian Ahlmann und auch Marcus Ehning im Moment keine Pferde haben, die auf olympischem Parcours bestehen könnten – das alles konnte Otto Becker mit seiner Truppe nicht kompensieren. Schade, dass Andre Thieme die Klasse seiner Stute DSP Chakaria nicht wirklich zeigen konnte. Daniel Deusser hatte im Finale mit seiner Killer Queen sogar eine Verweigerung in der Dreifachen, gab hernach vernünftigerweise auf. Kurz darauf sagte er zerknirscht: „Das hat sie noch nie gemacht. Für uns heißt es jetzt: Abhaken und nach vorne schauen!“

 

Blicken wir auf das Gute: Christian Kukuk hat sich auf Mumbai wacker geschlagen – die Erfahrung, bei Olympia gestartet zu sein, wird ihn voranbringen und sich bald als nützlich erweisen. Ich meine, er hat demnächst eine neue Chance verdient bei der EM in Riesenbeck! Acht Reiter stehen auf Otto Beckers verkündeter Longlist für diese EM: Marcus Ehning steht mit drauf – Christian Ahlmann nicht. Wie wär’s denn, wenn der Bundestrainer mal die Jungen an den Start schicken würde: Also Kukuk, Stühlmeyer, Will und  Philipp Weishaupt. Das wär‘ doch mal was!

 

Blicken wir noch kurz auf das Tableau von heute: Die Schweizer stürzten tief ab, weil ihr neuer Hoffnungsträger Bryan Balsiger dem Druck nicht standhalten konnte, mit 16 Strafpunkten ins Ziel kam. Nach dem Ausfall von Scott Brash konnte auch Holly Smith auf Denver die Erwartungen nicht erfüllen – Ben Maher, der Olympiasieger, zog seinen Explosion zu recht zurück. Er wird gleichwohl mit seiner Goldmedaille in die Annalen eingehen. Schau’n wir mal, welches Team die Briten im September nach Riesenbeck schicken. Eine tragische Heldin ist Penelope Leprevost, die es in der Hand hatte, frühzeitig das Gold zu sichern und den Sieg von Rio 2016 zu wiederholen – tragisch, dass daraus nichts wurde, nur ein bitterer Absturz.

 

Otto Becker zum Schluss: „Manchmal gibt’s so Tage, an denen nichts läuft! Maurice will ich ausdrücklich loben! Die Enttäuschung ist jetzt da – aber wir müssen wieder nach vorne blicken!“

 

Thomas Borgmann für reitturniere.de             

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