Borgmann's Olympia Blog #2: Kurztrip zu Michael Jung

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Das Reiterstüble im Stall der Familie Jung ist längst eine Schatzkammer – über und über voll mit Pokalen, Medaillen und Schärpen aller Art, dazu Fotos, Plakate und Urkunden, natürlich auch Titelbilder, allerhand Kuriositäten und Raritäten. (Ein bissle Hippo-Kitsch findet sich auch.) Doch die Olympia-Medaillen sucht man dort vergebens. Topsecret !-) Reitmeister Michael Jung, frisch amtierender deutscher Meister, biegt zum Gespräch vor Olympia in Tokio heiter um die Ecke, präsentiert stolz sein kleines Menschenkind auf dem Arm: Söhnchen Lio, der halb wacht und halb schläft.

 

Der Olympiasieger von London und Rio strahlt Ruhe und Zuversicht aus: „Ich hatte noch nie eine so gute Vorbereitung, die Pandemie ist mir zugutegekommen: Ich hatte ein Jahr mehr Zeit, mich auf fischerChipmunk einzustellen.“

 

Auf die obligate Frage, wie er sich sehe, so wenige Wochen vor dem Wettkampf in Tokio: „Ich weiß, dass ich als Favorit gelte – doch das lasse ich gar nicht so nah an mich heran! Wir sind ein gutes Team. Jeder reitet um eine Medaille. Ich denke, die Tagesform entscheidet,  natürlich auch das Glück, das man braucht. Ich bin mit mir im Reinen. Die Besten sollen gewinnen.“

 

Wer diesen Michael Jung kennt, der weiß, dass sein Plan schlicht und einfach lautet: Reiten um Gold! Wir erinnern uns: Vor London und seinem Bergauf-Bergab-Geländeritt durch den Park von Greenwich sagte der damals 30-Jährige: „Ich glaube nicht, dass jemand das knapp gesetzte Zeitlimit schaffen kann.“ Damals ging’s um zehn Minuten. Michael Jung blieb unter dem Limit. In Tokio, wo er 2019 auf fischerWild Wave den Testevent gewann, liegt das Zeitlimit im Gelände so um die acht  Minuten: „Bis jetzt kennt niemand von uns den Kurs in Tokio. Ich erinnere mich allerdings genau, dass die Teststrecke vom Start weg eine Minute lang steil bergauf führte! Oben wird’s dann flacher.“ Ob’s wieder so sein wird – offene Frage.

 

Geklärt ist indessen, dass die übliche Quarantäne für „unsere“ Buschreiter am kommenden Wochenende beginnt. Michael Jung sagt: „fischerChipmunk und fischerWild Wave werden am Samstag nach Warendorf gebracht, ich fahre am Sonntag.“ Das mögliche Ersatzpferd, so betont er, müsse mit in die Quarantäne: „Nur Pferde, die in der Quarantäne waren, dürfen nach Tokio anreisen!“ Diese Quarantäne in Warendorf dauert für die Buschreiter bis zum 18. Juli, tags darauf startet das Transportflugzeug vom belgischen Lüttich aus.

 

Apropos Quarantäne. Vater Joachim Jung sagt: „Unsere Pferde sind bereits bei uns hier mehrfach getestet und geprüft: 14 Tage täglich Temperatur gemessen, Nasenprobe, Blutprobe, Dopingprobe genommen – und anderes mehr. Wir sind geimpft, in Warendorf werden zwei Coronatests gemacht. Allerdings gilt die Quarantäne dort wie üblich nur den Pferden, nicht den Reitern.“

 

Am 31. Juli feiert Michael Jung in Tokio seinen 39. Geburtstag. Das ist der zweite Dressurtag, wahrscheinlich mit seinem Start auf fischerChipmunk. (Wettkampf nach unserer Zeit: 1.30 bis 4 Uhr früh. Aufsein ist Ehrensache!) Der Geländeritt findet am 1. August statt, die abschließenden Springen für Team- und Einzelwertung laufen am 2. August. Bereits am Tag darauf plant Michael Jung seinen Heimflug, die deutschen Pferde werden am 5. August zurück nach Lüttich geflogen.

 

Und was kommt dann? Michael Jung freut sich schon: „Ich fahr‘ auf jeden Fall zum Turnier nach Donaueschingen! Und zur EM nach Avenches.“ Die Frage nach der Siegesfeier nach Tokio hat er geschickt überhört. Mit einem Lächeln.

 

Thomas Borgmann für reitturniere.de

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