Borgmann's Blog vom 9. Mai: Geschichte(n) von der rauen Alb

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Der Kollege aus Westfalen, zum ersten Mal in Marbach, staunt nicht schlecht: Erst mal Nachtfrost und am Freitagfrüh dann ein heftiges Schneetreiben, dafür am Samstag und Sonntag herrliches Frühlings- ja Sommerwetter – nicht zu glauben. Ach was, dieses Marbach liegt exakt 693 Meter über dem Meeresspiegel. Alle Achtung, das Haupt- und Landgestüt ist mehr als fünfhundert Jahre alt, seine erste urkundliche Erwähnung stammt von 1514. Kein Wunder, dass das Wasser des Dauerregens so schnell im Boden versunken war – der Untergrund besteht aus Kalkstein, es gibt sogar eine Vielzahl von Höhlen. Nicht zu glauben! Mal wieder was gelernt.

 

Tja, im Mai 2021, einer Zeit der (hoffentlich) ausklingenden Pandemie, trifft sich die große und bunte Familie der Buschreiterei auf den malerisch gelegenen Wiesen und Weiden im Tal der Lauter. Gastgeberin und Hausherrin ist Astrid von Velsen-Zerweck, seit 2005 die Landoberstallmeisterin. Ausrichter und Organisator ist die IGV Baden-Württemberg mit Dieter Aldinger an der Spitze und seinem versierten Team. Rüdiger Schwarz aus Warendorf hat nach dem tragischen Unfalltod von Gerd Haiber die Gestaltung der Geländeritte übernommen, ein starkes Bauteam zur Seite. Hans Melzer, der Bundestrainer, verteilt viel Lob: „Wir sind froh und dankbar, dass wir in diesen vorolympischen Wochen hier sein dürfen, um uns vorzubereiten.“

 

Apropos Kollegen. Auch Dirk Alexander Lude, den man von Eurosport kennt, eigentlich ein alter Hase, kann am Mikrofon mal nervös und ärgerlich werden: Die britische Firma „Horse & Country“ gab in Marbach ihre Visitenkarte ab, übertrug zum ersten Male live von der Schwäbischen Alb. Als es heute gegen 13.30 Uhr in der Vier-Sterne um die Wurst ging, rief Lude plötzlich: „Wir haben die Regie nicht im Griff! Ich muss mich entschuldigen.“ Er wollte unbedingt die Kameraführung bei Felix Vogg haben – derweil blieb die Bildregie bei Michael Jung. Zu recht übrigens, denn dessen perfekter Glanzritt zum Sieg auf fischerChipmunk taugt (mal wieder) als Lehrfilm! Allerdings gibt’s auch beim Reitmeister mal einen Aussetzer: Mit fischerWild Wave vergas er, weshalb auch immer, den breit und einladend gebauten Wegesprung – ausgeschieden!

 

Die Marbacher Erkenntnisse für Hans Melzer und den Ausschuss Vielseitigkeit? Sagen wir mal so: Michael Jung dürfte gesetzt sein, sein Chipmunk machte im Parcours einen unnötigen Fehler – das würde in Tokio teuer werden! Sandra Auffarth stellte ihren Viamant du Matz deutlich verbessert vor gegenüber dem Aufgalopp auf dem Weiherhof am Bodensee. Ingrid Klimke und ihr Hale Bob vermochten auf der Alb nicht zu überzeugen: Zwei Abwürfe im Springen nach guter Dressur, dazu etwas Zeitfehler im Gelände – am Ende Rang elf! Schade, dass ihre talentierte Stute SAP Asha verletzt ist, auch ihr Dressurpferd Franziskus ist nicht fit. Offenkundig eine Pechsträhne in diesen wichtigen Wochen auf dem Weg in Richtung Tokio.

 

Kein Zweifel, wenn es im Juni in Luhmühlen um die letzte Sichtung geht, sind die Funktionäre, wenn sie nominieren müssen, nicht zu beneiden: Nur drei Reiter bilden das Team, das Streichresultat gibt’s nicht mehr! Der Druck auf jeden einzelnen liegt so hoch wie noch nie! Und die Erwartungen der „Buschgemeinde“ daheim orientieren sich an der glanzvollen Vergangenheit: Zweimal Gold 2008 in Hongkong, zweimal Gold 2012 in London, einmal Gold und einmal Silber in Rio. Noch Fragen?

 

Thomas Borgmann für reitturniere.de

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