Borgmann's Blog vom 13. Juli: Drei Muster ohne Wert

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Monat für Monat warten wir mit Interesse darauf, dass die drei per Mail bei uns eintrudeln: die aktuellen Weltranglisten der Springreiter, der Dressurreiter und der Buschreiter. Doch in diesen Coronazeiten ist alles anders. Die drei normalerweise so bedeutsamen Listen sind, streng betrachtet, drei Muster ohne Wert. Auch jetzt wieder, im Juli 2020, wenige Tage, bevor die Olympischen Spiele in Tokio hätten beginnen sollen. Konjunktiv also, wobei man aus Tokio, ein Jahr vor den Spielen 2021, Meldungen hört wie etwa diese: 70 Prozent der Japaner haben aktuell die Lust an Olympia verloren! Das verwundert nicht, wenn man sieht, wie Corona und heftige Stürme dieses Land beuteln.

 

Bei den Springreitern führen die Eidgenossen Steve Guerdat und Martin Fuchs oben auf der Weltrangliste. Beide tragen wieder ihre Turnierstiefel, ebenso der fleißige Daniel Deusser auf Platz drei. Was Topstars wie Beezie Madden Platz 8), McLain Ward (10) oder Kent Farrington (11) im von Corona (und einem furchtbaren Präsidenten) schwer gebeutelten Amerika gerade tun, weiß man nicht so genau. Ob wir sie anno 2020 nochmal leibhaftig zu Gesicht bekommen, ist fraglich. Weltmeisterin Simone Blum (27) gibt tapfer Interviews, in denen sie sich auf Tokio in zwölf Monaten freut – die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

 

Was täten wir ohne Isabell Werth? Sie führt die Weltrangliste nach wie vor an mit Bella Rose und Weihegold. Kürzlich in Achleiten siegte sie bei vier Starts viermal – ein Vorbild an Fleiß und Kontinuität. Ihr Don Johnson, 2019 aus dem Sport verabschiedet, steht als Nummer 24 auf der Weltrangliste. Vielleicht kommen die so gewissenhaften Buchhalter bei der FEI eines Tages doch auf den Gedanken, Pferde, die nicht mehr im Wettbewerb stehen, von der Liste zu nehmen. Dass Dorothee Schneider/Showtime und Jessica von Bredow-Werndl/Dalera die Ränge drei und vier belegen, darf hier durchaus betont werden – gleichwohl ist die Frage, wann wir sie und all die anderen mal wieder treffen, gleichfalls offen. Die Verantwortlichen für die (zu Teilen bereits abgesagte) Weltcupsaison 2020/21 hüllen sich in Schweigen. Etwas mehr Offenheit wäre prima!

 

Zu denen, die gewiss froh sind, dass Olympia erst in zwölf Monaten stattfindet, wenn überhaupt, zählt gewiss Ingrid Klimke. Vor Wochen in der Arbeit gestürzt, verletzt und zum Pausieren gezwungen, hätte sie womöglich auf Tokio 2020 verzichten müssen. Die Weltrangliste führt sie auf Platz 32, Sandra Auffarth auf Platz 46;  Michael Jung, der „Goldjunge“ von London und Rio, rangiert nach wie vor als bester deutscher Buschreiter auf Platz acht.

 

Wer heute die Hoffnung hegt, dass Corona bald überwunden ist und nur als lästige Episode in die Geschichte eingeht, der wird wahrscheinlich enttäuscht werden. In vielen Ländern breitet sich leider die Unvernunft aus, dazu kommen ökonomische Zwänge und allzu viele Politiker, die den Menschen eifrig nach dem Mund reden. Eine brisante Mischung. Und wir Pferdeleute erkennen, dass wir nicht der Nabel der Welt sind.

 

Thomas Borgmann für reitturniere.de

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