Borgmanns Blog aus Tryon: Abbruch des Distanzrittes

Foto: Thomas Borgmann in Tryon - Fotograf: Stefan Lafrentz

Foto: Thomas Borgmann in Tryon - Fotograf: Stefan Lafrentz

Auch im Reitsport gibt es nix, was es nicht gibt. Gut, US-Präsident Donald Trump ist entgegen der Gerüchte nicht zur WEG-Eröffnung nach North Carolina gekommen. Und bei dieser Eröffnung wurde kein einziges Pferd gezeigt! Schwamm drüber. Nach wie vor ist das 650 Hektar große Tryon Equestrian Center des Mark Belissimo eine riesige Baustelle, auf der Bagger fahren und eifrige Helfer bemüht sind, im internationalen Pressezentrum Toiletten einzubauen. Die US-Wetterfrösche haben den Hurrikan "Florence" weiter nach hinten geschoben, seine Ankunft über dem Turniergelände nun auf Montag prognostiziert. Die deutschen Westernreiter haben uns Freude gemacht und in der vergangnenen Nacht Bronze gewonnen. Die erste Medaille für die deutsche Mannschaft bei dieser WM. Und unsere Dressurstars besitzen heute, am Donnerstag, die Chance, ihren Titel von Caen 2014 zu verteidigen. Schön wär's! Apropos Westernreiter. Als gebürtiger und bekennender Schwabe darf ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass mit Grischa Ludwig, Julia Schumacher und dem in den USA lebenden Robin Schöller drei Schwaben im Team standen. Wir Schwaben können eben alles - außer Hochdeutsch.

 

Aber wo Licht ist, da gibt's auch Schatten. Den ersten Eklat hatten diese achten Weltreiterspiele gestern abend so gegen 18 Uhr Ortszeit: Abbruch des Distanzrittes über 120 Kilometer! Im Interesse des Wohls der Pferde, so bekundete es die FEI, habe man das Rennen bei 30 Grad Hitze und höchster Luftfeuchtigkeit für beendet erklärt. Das gab's noch nie.

 

Überhaupt gab's ein Chaos wie das bei der Distanz-WM noch nie und nirgendwo. Ein klares Versagen des Veranstalters und der Verantwortlichen vor Ort. Am Morgen, 45 Minuten nach dem ersten Start, war das auf 160 Kilometer angelegte "Rennen" schon einmal gestoppt und auf "Neustart" gestellt worden. Am Ende blieb nur die maßlose Enttäuschung für viele Aktiven und ihren Tross. Zwischendrin hatte der Scheich von Dubai für den Fall des Abbruchs alle Aktiven kostenfrei zu sich eingeladen, um die WM dort auszureiten. Jetzt will und muss die FEI untersuchen, wie es zu dem einmaligen Chaos kommen konnte. Schon machen Gerüchte die Runde, einige Reiter hätten am frühen Morgen absichtlich einen anderen, fünf Kilometer kürzeren Kurs eingeschlagen. Da stockt einem der Atem. Am Abend wiedrum hieß es, die Reiter aus dem fernen Osten hätte das "Aus!" provoziert, weil sie keine Chance auf einen Sieg für sich sahen.  Auf eine lückenlose Aufklärung brauchen wir indessen nicht zu hoffen, alles wird einmal mehr im Sand verlaufen. Meine Meinung ist klipp und klar: Das Distanzreiten hat im Programm der WEG keinen Platz! Die immer wieder aufkeimenden Probleme schaden dem Ansehen des Pferdesports schwer! Ich weiß, dass die Freunde dieses Sports hierzulande das nicht gerne hören. Aber es führt kein Weg daran vorbei.

 

Thomas Borgmann für reitturniere.de

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