Borgmann's Olympia Blog #33: Kleine Begegnung mit David Will

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Auf die Frage, seit wann er denn wisse, dass er von Otto Becker nominiert ist für die deutsche EM-Equipe in Riesenbeck, strahlt David Will übers ganze Gesicht und antwortet: „Seit gestern!“ Meine  nächste Frage schließt sich logisch an: „Wie haben Sie heute Nacht geschlafen?“ Spontane Antwort: „Offensichtlich zu gut, denn ich hab‘ soeben im Zweiphasenspringen mit Concordia die Qualifikation für die mittlere Tour morgen verpasst.“ Dann zieht er das unvermeidliche Smartphone  aus der Tasche und schaltet auf „Bundeschampionat Warendorf“. Was täte die Reiterszene eigentlich, wenn’s diese Alleskönner im Format einer Tafel Schockolade gar nicht gäbe?

 

Hat David Will geahnt, dass Otto Becker ihn für die EM nominieren, ihm diese Chance vor heimischem Publikum bieten würde? Der 33-Jährige sagt: „Ich wusste, dass ich in der engeren Auswahl bin, ich stand ja für Tokio auf der Longlist! Jetzt freue ich mich natürlich sehr darüber, dass ich dabei bin!“ Sein Brauner „C4“, den er erst seit einem Jahr unter dem Sattel hat, habe ja doch bewiesen, welche Klasse er besitzt. „Mein Sieg im Großen Preis von Rom ist für mich etwas ganz Besonderes, wenn man bedenkt, welche Tradition hinter diesem Springen steht!“ (Einfach mal googeln – Premiere 1926).

 

Irgendwie hat man das Gefühl, dieser David Will besitze ein besonderes Händchen und Gespür für die Großen Preise mit der Geschichte, die ihre Sieger unsterblich macht. Das gilt auch für seinen Sieg von 2019 im „King Georges V. Gold Cup“ in Hickstead. David Will sagt: „Es ist schon toll, auf der langen Namensliste mit den Größen unseres Sports zu stehen!“

 

Zurück in die Gegenwart: „Ein Trainingslager vor der EM gibt es für uns nicht“, sagt Will. Jeder bereite sich selbst vor. „Deshalb hab‘ ich meinen C4 hierher nach Donaueschingen gebracht. Ich werde ihn morgen reiten im Großen Preis.“ Dann werde er weiter sehen. Auf meine Frage, wie alt sein C4 eigentlich sei, gibt er eine Antwort, die über diesen Samstag im Schlosspark an der Donauquelle hinausreicht: „Mein Pferd ist 13-jährig.“ Kurz clever kombiniert: Bei den nächsten olympischen Spielen 2024 in Paris wäre David Wills bestes Pferd erst 16 Jahre alt. Das könnte klappen, wenn er’s weiterhin mit Augenmaß und Klugheit anstellt. Da lächelt David Will wieder wie am Anfang unserer kurzen Begegnung im Schlosspark.

 

Thomas Borgmann für reitturniere.de

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