Borgmann's Blog vom 14. November: Loblied auf drei Reiterfamilien

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Wenn die Töchter reiten vor großer Kulisse, gleichen ihre Mütter einem Nervenbündel. Als Victoria Hoffmeister gestern versuchte, auf ihrem Skip den Sieg vom letzten Jahr im Springen um den Burg-Pokal zu wiederholen, sah man Nicole Hoffmeister-Kraut auf der Tribüne zittern, ein Wechselbad der Gefühle zwischen Hoffen und Bangen. Denn nichts ist süßer als der Erfolg. Die 47-Jährige war in diesen Minuten nur noch der größte Fan ihrer Tochter, keine Politikerin mehr, keine Ministerin mehr. Schade, dass es diesjahr „nur“ zu Rang sieben reichte – wie heißt es so schön: Aus der Niederlage lernt man mehr als aus dem Sieg! Ein schwacher Trost für diejenigen, die sich nichts sehnlicher wünschen als einen Triumpf, gerade vor großem Publikum.

 

Beim Betrachter allerdings werden vielerlei gute Erinnerungen wach, wenn er den Namen der Reiterfamilie Kraut aus Balingen hört. Nicole Hoffmeister-Kraut zählte in den Neunzigern zur Elite der jungen Dressurreiter im Südwesten; 1990 (wenn mich nicht alles täuscht) bekam sie das „Goldene“. Ihre Schwester Angela ist nach wie vor im Dressursport aktiv. Die Mutter der beiden, Frigga Kraut, heute 79 Jahre alt, erlebte man in den Sechzigern als „schneidige Amazone“ aus Ulm, wo damals eine Hochburg der Springreiterei lag.

 

Unvergessen ist Günter Kraut, der 1995 plötzlich starb, erst 58 Jahre alt. Er hat Geschichte geschrieben in der Pferdezucht, war ein passionierter, höchst sachkundiger Züchter von Holsteinern. Vor allem aber dies: In den Achtzigern importierte Günter Kraut den englischen Vollblüter Stan the Man, gab ihn später weiter an das Gestüt in Marbach, wo dieser Fuchs der Vater von Sam wurde, der lebenden Legende, mit der Michael Jung zum Weltstar wurde. Schade, dass Günter Kraut dies nicht mehr erleben durfte.

 

Zwei weitere, tolle Reiterfamilien aus dem Musterländle sollen hier und heute belobigt sein: Die Caspers aus Donzdorf, deren Tochter Anna gestern den Auftakt zum Hallenchampionat der Dressurreiter gewann – und heute Nachmittag als Favoritin auf den Titel ins Finale startet. Schön zu sehen, wie die nächste Generation dieser Züchter- und Reiterfamilie in den Sport hineinwachsen. Gleiches gilt für die Reiterfamilie Krieg aus Nordstetten. Niklas Krieg siegte gestern im Aufgalopp zum Hallenchampionat, Vater Andreas Krieg musste ihm hochoffiziell gratulieren, denn er gehört zum Trio der Turnierleitung, trägt die sportfachliche Verantwortung für den Springteil beim 35. German Masters. Was täte der Sport mit den Pferden hierzulande, gäbe es nicht Familien wie die Krauts, die Caspers und die Kriegs?

 

Thomas Borgmann für reitturniere.de

Was suchen Sie?

Suchformular