Borgmann's Blog vom 14. Mai: Historischer Tag für Marbach…

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Peter Hauk, der alte und neue Landwirtschaftsminister von Baden-Württemberg, erlaubte einen Blick in sein Innerstes: „Ich bin kein Reiter, aber wenn ich diese Pferde sehe, geht mir das Herz auf!“ Auch Astrid von Velsen-Zerweck, seit 2005 die Chefin des Haupt- und Landgestüts, zeigte sich aufgekratzt und in Feierlaune: „Wir hatten bisher 20 Stuten und vier Hengste aus der arabischen Zucht – jetzt bekommen wir die seit langem notwendige Blutauffrischung. Heute ist ein guter Tag für uns!“

 

Die Historie zuerst, kurz und knapp: Das älteste deutsche Staatsgestüt wird 1514 erstmals urkundlich erwähnt. Seither werden im Lautertal auf der rauen Alb Pferde gezüchtet – ohne Unterbrechung, selbst in schwierigster Zeit. 1817 begründet König Wilhelm I. von Württemberg seine private Araberzucht auf Domänen in und um Stuttgart. Der legendäre Bayraktar wird sein Reitpferd. Als die Monarchie 1918/19 zu Ende geht, übernimmt Wilhelms Tochter Pauline zu Wied die Araber, übergibt sie 1932 an das Land Württemberg, weil ihr die Kosten über den Kopf wachsen. Bis heute hält sich das „Musterländle“ an König Wilhelms Testament, das verlangt, die Zucht arabischer Pferde auf immer und ewig zu pflegen.

 

Zurück in die Gegenwart: Der aus einer griechischen Familie stammende Ägypter Philippe Paraskevas, international renommierter Züchter von Arabern, Autor diverser Fachbücher und erfolgreicher Unternehmer, erweist sich als nobler Mäzen: Fünf seiner Hengste übergibt er dem Haupt- und Landgestüt zu einem symbolischen Preis – an diesem 14. Mai 2021 haben sie Minister Hauk und Astrid von Velsen-Zerweck  offiziell in Empfang genommen. Seit dem 19. April werden die neun Pferde aus dem Orient im Gestütshof St. Johann, nahe am Albtrauf, an ihre neue Heimat gewöhnt. Die Gestütschefin sagt: „Aus Kairo kannten die Pferde kein Gras, dort, am Rand der Wüste, gibt’s ja nur Sand. Bei uns fressen sie auf der Weide manchmal das Gras mit den Wurzeln, aber sie lernen schnell, sich anzupassen.“

 

Die Hengste sind: Der zehnjährige Nasheed Al Amal Hoor, der fünfjährige Tag Al Ola Hoor, der ebenfalls fünfjährige Day Al Kamar Hoor, der vierjährige Kaf Al Kadar Hoor sowie der vierjährige Fuchs Lesa Faker Hoor. Die Gestütschefin sagt: „Unsere Hengste brauchen noch einige Zeit, um sich einzugewöhnen. Sie sollen in unserer Herde eingesetzt werden, später aber auch den interessierten Züchtern zur Verfügung stehen!“

 

Die Stuten sind: Die vierjährige Set El Kol Hoor, tragend vom Hengst Ghallab, die dreijährige Shahd Al Radab Hoor, die dreijährige Saherat Alehwerar Hoor sowie die dreijährige Zahret Al Eid Hoor.

 

In seinem Grußwort schreibt Philippe Paraskevas: „Außerhalb Ägyptens, im Herzen Europas, ist das Haupt- und Landgestüt Marbach der älteste und beste Zufluchtsort des Wüstenarabers. Aufgrund seiner reichen Historie, seiner Mission und Zuchtphilosophie gebührt Marbach die höchste Anerkennung. Es ist mir eine Ehre, diese neun Pferde aus der Paraskevas-Zucht dem Marbacher Gestüt zu übergeben.“

 

Zum historischen Tag kurz der aktuelle Schlenker in die Tagespolitik: Auf die Frage, ob das politische Stichwort „Finanzierungsvorbehalt“, das die neue Landesregierung so stark betont, die Investitionspläne des Gestüts tangiert, antwortet der Minister: „Wir stehen zu den Umbauplänen und Investitionen, die nicht zuletzt aus Gründen des Tierschutzes notwendig sind. Wir stellen jetzt nicht alles auf null!“ Dieser 14. Mai 2021 ist wirklich ein guter Tag für das Landesgestüt im Lautertal.

 

Thomas Borgmann für reitturniere.de

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