Borgmann's Blog vom 15. August: Notizen aus dem Schlosspark

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

So manches Bleichgesicht reist als Rothaut von der hohen Baar hinunter in die Niederungen – Gerben Morsink zum Beispiel, der gestern die Qualifikation zum großen Preis gewonnen hat und mit staunenden Augen zur Kenntnis nimmt, dass der Schlosspark an der Donauquelle knapp 700 Meter höher liegt als seine Heimat, die Niederlande! Wer in diesen Tagen von Donaueschingen nicht heftig eingecremt ist, der riskiert einen Sonnenbrand oder gar einen Hitzschlag – die Schnaken von der nahen Brigach tun ein Übriges. Es herrscht in diesen Augusttagen schönstes Badewetter und der Bodensee ist nicht weit. So kamen ins Stadion unter den alten Eichen weit weniger als die von den Behörden erlaubten 5000 Zuschauer. Die Atmosphäre stimmte gleichwohl – mit Wehmut erinnern sich die alten Kämpen an die glorreichen Tage dieses so traditionsreichen Turnierplatzes. Etwa 2003, als Christian Ahlmann hier Europameister wurde, als Ludger Beerbaum und Marcus Ehning Silber und Bronze holten.

 

Apropos EM. Wenige Wochen vor der EM bei Ludger Beerbaum in Riesenbeck gewann Steve Guerdat zum zweiten Male nach 2010 den Großen Preis – mit 56 Pferden, davon sieben im Stechen, recht umfänglich. Steve, der in Tokio recht glücklos agiert hatte, ritt sich auf Albführens Maddox quasi den Olympiafrust aus den Stiefeln – sein Landsmann Edwin Smits auf Farezzo sicherte sich das zweite Geld, dahinter die stark agierende Jörne Sprehe auf Hot Easy. Steve Guerdat sagt: „Maddox ist mein EM-Pferd – ich komme sehr  gerne nach Donaueschingen, weil es sich auf dem großen Grasplatz wunderbar reiten lässt. Schade, dass das Turnier nicht noch ein paar mehr Sponsoren hat.“ Der Olympiasieger von 2012 bekommt 16 863 Euro Siegprämie – früher mal gab’s einen nagelneuen Wagen mit Stern! Lang ist’s her. David Will pilotierte seinen Braunen „C4“ mit Ruhe und Augenmaß auf zwei Nullrunden – guter Test, wenige Wochen vor der EM in Riesenbeck, für die er nominiert ist. Will wird Fünfter. Seine Ritte sind ein gutes Omen für die EM.

 

Auf dem Dressurviereck dominiert in Grand Prix und Spezial die in England beheimatete, gebürtige Mainzerin Laura Tomlinson mit Rose of Bavaria. Im Grand Prix gibt’s für sie 74,152 Prozent, im Spezial 77,27 Prozent. Kompliment! Laura Tomlinson sagt später, das seien wohl für einige Monate ihre letzten Ritte im Sport gewesen – sie erwartet ihr viertes Kind! Da kann man für Mutter und Kind nur alles Gute wünschen!

 

Wer den unermüdlichen Macher Kasper Funke kennt, der weiß, dass der in diesen Zeiten nach der Pandemie möglichst vielen Aktiven üppige  Startchancen bieten möchte. Das hat 2021 funktioniert – leider kamen die Zuschauer nicht so zahlreich wie erhofft. Das Badewetter auf der Baar mag viele abgehalten haben, aber wohl auch die Tatsache, dass es vor wenigen Wochen auf den Immenhöfen, nur wenige Kilometer vom Schlosspark entfernt, das familiäre Turnier der Familie Freese auf deren Immenhöfen gegeben hat. Im Wirtschaftsleben verweist man ja gerne darauf, dass die Konkurrenz das Geschäft belebe – in diesem Fall jedoch, beschleicht mich ein mulmiges Gefühl. Die Fürstenfamilie ließ sich – wie schon 2019 – beim Turnier nicht blicken. Die politische Prominenz von der Baar auch nicht. Das Interesse der Medien war so gering wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Muss man sich Sorgen machen um das Traditionsturnier im Schlosspark? Hoffentlich nicht!

 

Thomas Borgmann für reitturniere.de

Was suchen Sie?

Suchformular