Borgmann's Blog vom 15. September: Im Gedenken an Frigga und Günter Kraut

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Die traurige Nachricht dieser Tage  kommt aus Balingen: Im Alter von 80 Jahren ist Frigga Kraut gestorben – nach schwerer Krankheit. In der Traueranzeige schreiben ihre Kinder Nicole, Angela und Andreas über ihre Mutter „Fest im Sattel, egal bei welchem Hindernis!“ Das gilt in mehrfachem Sinn: Für die erfolgreiche Springreiterin der sechziger und siebziger Jahre, für ihre Ehe mit dem Bizerba-Chef Günter Kraut, die im Sommer 1995 so jäh endete, für ihre mutige Standhaftigkeit an der Spitze des Weltunternehmens, nicht zuletzt für ihre Rolle als Mutter und Großmutter – als Mittelpunkt ihrer Familie.

 

Wer die frühen Jahre miterlebt hat, der erinnert sich lebhaft an die sportliche Phalanx der Ulmer Reiter in den Sechzigern: Mit dem unvergessenen Reimer Ballerstedt an der Spitze, der bei Frigga Schwarz, wie sie damals noch hieß, angestellt war, aber auch mit der schneidigen Illona Bühl, mit Karl Anich, dem Ehepaar Mühlen, mit Evi Hensel und vielen anderen. Die Ulmer Reiter waren eine Macht zu jener Zeit, als die Württembergischen Mannschaftsmeisterschaften für viele mehr bedeuteten als die Einzeltitel.
Natürlich hatten sich Günter Kraut und seine spätere Frau Frigga auf den Turnieren dieser Jahre kennengelernt und 1970 geheiratet. Die Passion ihres Mannes gehörte über Jahrzehnte der Zucht des Holsteiner Pferdes – und das auf der Schwäbischen Alb! Das Gestüt Ancole der Familie Kraut war eine der besten Adressen. Frigga und Günter Kraut handelten auch mäzenatisch: nicht nur im sozialen Bereich von Balingen und seiner Umgebung, sondern ebenso in Reitsport und Pferdezucht. Angela Kraut und ihre Schwester Nicole Hofmeister-Kraut, heute die Wirtschaftsministerin von Baden-Württemberg, zählten lange zum erfolgreichen Dressurnachwuchs des Landes; Nicole Hofmeister-Krauts Tochter Viktoria reitet Springpferde, folgt also der Leidenschaft ihrer am 10. September gestorbenen Großmutter.

 

Und unvergessen bleibt diese ganz besondere Geschichte: Anfang der achtziger Jahre kaufte Günter Kraut den englischen Vollbluthengst Stan the Man xx, gab den Fuchs später ins Haupt- und Landgestüt nach Marbach. Dort sah ihn der Züchter Günter Seitter, paarte ihn an mit seiner Stute Halla von Heraldik xx  – das Ergebnis ist Sam, der unter Michael Jung weltberühmt geworden ist.

 

Frigga und Günter Kraut leben nicht mehr – die Ära, die beide geprägt haben für ihre Familie, für ihr Unternehmen und nicht zuletzt für Pferdezucht und Reitsport im Südwesten, ist zu ende. Ihr Engagement jedoch wirkt weiter, sie bleiben uns unvergessen.

 

Thomas Borgmann für reitturniere.de

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