Borgmann's Olympia Blog #7: Erinnerungen an Fritz Ligges

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Bevor die olympischen Spiele 2020, wie sie offiziell noch immer heißen, am Freitag eröffnet werden, möchte ich nach Kurt Jarasinski heute an Fritz Ligges erinnern, der bei den Tokioter Spielen 1964 und 1972 in München historische Erfolge erritten hat. Fritz Ligges, Jahrgang 1938, war ein Sonnyboy, stets lächelnd und gut gelaunt, mit trockenem Humor und unerschütterlichem Optimismus gesegnet. Ein Skatspieler von Gnaden, zumeist mit Hartwig Steenken und Paul Schockemöhle.

 

Fritz Ligges stammte aus Unna, war Landwirt und Pferdezüchter; mit neun Jahren begann er in Dortmund-Asseln auf Großpferden zu reiten. Sein Reiterherz brannte für die Military, 1960 sattelte er zum ersten Mal in Badminton. Zu dieser Zeit ritt er bereits am DOKR in Warendorf, wurde 1961 und 1963 deutscher Meister. Sein Pferd war der Hannoveraner Donkosak. Mit ihm startete er für Deutschland bei den olympischen Spielen 1964 in Tokio. 48 Reiter aus zwölf Nationen nahmen an dieser Military teil. Der Kurs hatte 31 Hindernisse, der Schlussparcours lediglich zwölf. Bei der Dressuraufgabe konnten die Reiter wählen –Trense oder Kandare; die meisten wählten Trense. Ligges ritt die beste Dressur (- 32 Punkte, allerdings nicht vergleichbar mit der heutigen Zählweise). Am Ende holte er mit 49,20 Pluspunkten die Bronzemedaille, ebenso sein Team, zu dem Horst Karsten mit Condora gehörte. 

 

Der seinerzeit bekannte Sportjournalist Helmut Sohre schrieb später „Als Fritz Ligges‘ Donkosak einen Herzfehler bekam, wechselte sein Reiter zu den Springreitern und das mit viel Erfolg.“ Stimmt genau. Mit Pferden wie Zuckerpuppe, Genius, Ramiro und vor allem Robin feierte er nationale und internationale Erfolge, bestritt 48 Nationenpreise für Deutschland. 1972 in München stand er auf dem Höhepunkt seiner Karriere: Mannschaftsgold auf Robin mit HG Winkler/Torphy, Gerd Wiltfang/Askan und Hartwig Steenken/Simona. Ligges hatte das beste Resultat beigesteuert. Leider brach sich sein Robin kurz nach den Spielen ein Bein, musste eingeschläfert werden. 1984 bei den Spielen von Los Angeles gab’s nochmal Teambronze für Fritz Ligges/Ramzes, Paul Schockemöhle/Deister, Peter Luther/Livius und Franke Sloothaak/Farmer. 1986 beendete Fritz Ligges seine reiterliche Laufbahn, wurde Bundestrainer der Junioren und Jungen Reiter, erhielt 1990 den Ehrentitel „Reitmeister“. Über die Jahre engagierte er sich in der westfälischen Zucht als Ratgeber, wurde selbst ein erfolgreicher Züchter; seine Familie setzt diese Zucht- und Reitertradition bis heute fort. 

 

Am 21. Mai 1996 erlitt Fritz Ligges einen Herzinfarkt, starb viel zu früh im Alter von 58 Jahren. Fritz Ligges hatte für jeden ein gutes Wort. Es war ein Vergnügen, ihn gekannt zu haben.

 

Thomas Borgmann für reitturniere.de

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