Borgmann's Blog vom 19. April: Michael Jung setzt ein starkes Zeichen

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Ehre, wem Ehre gebührt! Das erste dicke Kompliment geht an Daniele Vogg und ihr Team vom idyllischen Weiherhof in Radolfzell! Die Zeiten mit Corona-Pandemie und Herpes-Virus könnten schwieriger kaum sein – da nehmen eine Reiterfamilie, ihre Freunde und Helfer allen Mut und alle Passion zusammen, um nach quälend langer Zwangspause ein internationales Event für die Buschreiter auszurichten. Eine historische Tat nenne ich das, sie wird gewiss im Gedächtnis haften bleiben, selbst wenn wir, hoffentlich bald, wieder normale Verhältnisse bekommen. Die nächste Tat dieser Art rückt bereits näher: Marbach auf der Schwäbischen Alb folgt, wenn nix dazwischen kommt, am Wochenende 6. bis 9. Mai. Dort weht ein Hauch von Tokio, denn Hans Melzer, der Bundestrainer, hat die Drei-Sterne-Prüfung zum Pflichtstart für den Kader hochgestuft. Auf der Alb wie auch am Bodensee müssen die Zuschauer leider draußen bleiben. Das tut weh, ist aber vernünftig und alternativlos! Am Weiherhof versuchten einige, trotz klarer Ansagen, Einlass zu bekommen – Daniele Vogg aber blieb hart, sicherlich nicht gerne, aber konsequent.

 

Zum Sport. Auch Topstars wie ein  Michael Jung brauchen, salopp gesagt, ein positives Karma – Erfolg, Zuspruch, Aufmunterung in kritischer Zeit. Als sein hochverdienter Doppelsieg in der CCI3*-S feststand, sah man sein zufriedenes Lachen. Das tat dem Reitmeister gut, aber auch seiner Familie und seinen Fans. Drei Monate vor Tokio setzte der Olympiasieger von London und Rio ein starkes Zeichen – nach innen wie nach außen. Soll heißen, die Ansage aus Horb lautet klipp und klar: Mein Ziel ist die Goldmedaille!

 

FischerChipmunk FRH blieb auf dem Dressurviereck mit 18,8 Punkten als einziger im Feld der 94 Pferde unter der magischen 20-Punkte-Marke. Joachim Jung sagte tags darauf: „Sein Auftritt war sehr erfreulich. Aber ich denke, er kann in der olympischen Aufgabe, in der ja fliegende Galoppwechsel gefordert sind, noch etwas mehr punkten.“

 

Auf dem mittelschweren Geländekurs, einmal mehr gesetzt vom Altensteiger Rüdiger Rau, blieben nur 14 Pferde innerhalb der erlaubten Zeit, nur vier Pferde schieden aus. Der Kurs verlangte, zu recht am Saisonbeginn, flottes Vorwärtsreiten, was allen Pferden nach der langen Wettkampfpause sichtlich gut tat.

 

Im finalen Springen fiel der Blick zunächst einmal auf Julia Krajewski und die elfjährige Stute Amande de B’Neville – spektakuläre Bewegungen, zumal im Galopp, ein enormes Springvermögen, kurzum ein Pferd mit Zukunft! Am Ende Rang drei, Kompliment! Michael Jung steuerte den von Julia Krajewski ausgebildeten FischerChipmunk souverän zum Gesamtsieg mit dem Dressurresultat. Platz zwei, ebenfalls mit dem Dressurergebnis, für FischerWild Wave unter dem Doppelolympiasieger. Vergessen wir nicht: Der jetzt neunjährige Holsteiner hat vor knapp zwei Jahren in Tokio den vorolympischen Testevent gewonnen.

 

Ein kritischer Blick auf Ingrid Klimke, die diesen Sonntag auf dem Weiherhof wohl rasch aus ihrem Gedächtnis streichen wird: In der Zwei-Sterne-Prüfung am Vormittag patzte Cascamara am letzten Hindernis, was die Goldene Schleife kostete – die blieb gleichwohl in der Familie: Tochter Greta Busacker siegte auf Scrabble, zeigte einmal mehr erfreulich solides Reiten. Ein Jungtalent mit Zukunft! Im Finalparcours der Drei-Sterne-Prüfung patzte der jetzt 17-jährige SAP Hale Bob, fiel vom zweiten auf den fünften Rang zurück. Schade, dass man – entgegen der Nennungsliste – Klimkes Stute SAP Asha P am Bodensee nicht zu sehen bekam. Sandra Auffarth und ihr Viamant du Matz zeigten Trainingsrückstand, mussten sich mit Rang acht zufrieden geben – da ist noch Luft nach oben. In Marbach, wie gesagt, müssen die Tokio-Aspiranten ihre Karten auf den Tisch legen. Dort wird sich zeigen, ob Bundestrainer Hans Melzer sein Wunschtrio für Tokio zusammenbekommt: Ingrid Klimke, Sandra Auffarth und Michael Jung. Vater Jung sagt: „Chipmunk und Wild Wave gehen in Marbach!“

 

Thomas Borgmann für reitturniere.de

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