Borgmann's Blog vom 19. November: Die gute alte Schleyerhalle…

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Nur nicht nervös werden! Aus den bewegten Tiefen der Stuttgarter Kommunalpolitik schallen Töne, die nicht nur die Reiter aufhorchen lassen: Am Tag nach den 35. German Masters liest man in der örtlichen Presse, die Hanns-Martin-Schleyer-Halle habe „bald ausgedient, ein Neubau ist notwendig“. Sofort gibt’s die drängendste Frage: „Ja, was wird denn dann aus unserem Reitturnier? Wo reiten wir denn dann? Müssen die German Masters womöglich eine jahrelange Pause einlegen? Und wie wird das Turnier daraus hervorgehen?“ Fragen über Fragen.

 

Gemach, gemach – keine Hektik, keine Panik! So schnell schießen auch die Schwaben nicht. Und die wundersame Geldvermehrung hat man selbst in schwäbischen Gefilden noch nie erlebt. Es gibt noch nicht mal eine politische Debatte über solch ein Projekt, von Entscheidungen des Gemeinderates ganz zu schweigen. Bis klar wird, wohin die Reise geht, werden wir noch einige German Masters erleben.

 

Tatsache ist allerdings: Die Schleyerhalle, Baujahr 1983, ist in die Jahre gekommen. Das sieht auch der Laie, wenn er mal nicht auf Isabell Werth, Lisa Müller oder Ludger Beerbaum schaut, sondern in die Ecken, in die Katakomben, auf die Umgänge. Der Komfort auf den Rängen hält sich buchstäblich in engen Grenzen. Eine moderne Sport- und Veranstaltungsarena des 21. Jahrhunderts sieht anders aus. Wobei anzumerken wäre, dass wir Pferdesportfreunde auch andernorts nicht verwöhnt sind: Die legendäre Westfalenhalle in Dortmund ist längst nicht mehr, was sie einmal war. Die Messehallen in Leipzig versprühen den Charme einer großen Garage. Die alte Olympiahalle von München stammt aus dem Jahr 1972 – steil und zugig.

 

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Gotthilf Riexinger, der Stuttgarter Turnierleiter von 1985 bis 2016 hat folgende Idee intern immer wieder geäußert: „Wir sollten mit unseren German Masters raus gehen aus der Schleyerhalle, hinauf in die Messehallen am Flughafen. Dort wäre genügend Platz für alle – für Reiter und Pferde, für Zuschauer und Autos, für An- und Abreise der internationalen Gäste, eine unmittelbare Anbindung an die Autobahn besteht dort, ebenso an den öffentlichen Nahverkehr.“ Übrigens halten dort in ein paar Jahren auch die ICE’s der Bahn.

 

Allerdings steckt, wie meist in solchen Fällen, der Teufel im Detail: Veranstalter des Turniers in der Schleyerhalle ist die Gesellschaft in.Stuttgart, ein Tochterunternehmen der Landeshauptstadt. Die Messehallen am Flughafen gehören dem Land Baden-Württemberg. Weshalb ich das erwähne? Ganz einfach: Es ist finanziell ein gewaltiger Unterschied, ob ich im eigenen Haus etwas veranstalte oder ob ich mich anderswo für teures Geld einmieten muss. Was man auch tut – niemals darf man die Grundrechenarten außer Acht lassen. Adam Riese lässt grüßen.

 

Thomas Borgmann für reitturniere.de

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