Borgmann's Blog vom 21. Februar: Der Fall Weihegold

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Vor Gericht und auf hoher See sind wir in Gottes Hand! Trotz dieser uralten Volksweisheit hat sich die Züchterin Christine Arns-Krogmann aus dem Münsterland nicht davon abhalten lassen, durch alle ihr möglichen Instanzen zu gehen: Vom Landgericht in Münster zum Oberlandesgericht in Hamm und schließlich zum Bundesgerichtshof nach Karlsruhe. Drei gerichtliche Ebenen – am Ende drei Niederlagen! Der Laie staunt und die Fachwelt wundert sich. Gleichwohl bleibt am Anfang festzuhalten: Der juristische Streit zwischen zwei renommierten Pferdezüchtern, nämlich der Weihegold-Besitzerin Christine Arns-Krogmann und dem Ehepaar Hinnemann aus Voerde, behandelt einen Einzelfall. Ein Grundsatzurteil etwa darüber, was beim Embryotransfer allseits zu beachten wäre, hat der Bundesgerichtshof als höchste Instanz nicht gefällt. Vereinfacht gesagt: Gisela und Jo Hinnemann haben sich ihr Geschäft mit dem Züchterehepaar Arns-Krogmann von Anfang an juristisch abgesichert. Das erscheint den Gerichten angemessen, schließlich hatten sie ja auch sämtliche Kosten bei der Zucht und Aufzucht der Weihegold-Tochter Aweih zu tragen. Mit welch harten Bandagen in diesem Streit gekämpft wurde, belegt die Tatsache, dass Christine Arns-Krogmann sogar den Vorwurf des Betruges erhoben hatte. Starker Tobak.  

 

Betrachten wir den Fall einmal in aller Sachlichkeit: Hier geht es ums Geld, ums sonst gar nichts! Christine Arns-Krogmann hat gegenüber der Deutschen Presseagentur erklärt, sie habe „kaum ein Fohlen von Weihegold unter 90 000 Euro verkauft“. 14 Fohlen seien durch den Embryotransfer gewonnen worden. Wichtig zu wissen: Pro Zuchtsaison hat die Züchterin aus ihrer Stute zwei Fohlen. Und noch etwas ist wichtig zu wissen: Isabell Werth hat mit dieser gerichtlichen Auseinandersetzung rein gar nichts zu tun! Der strittige, jetzt letztinstanzlich entschiedene Fall stammt aus dem Jahr 2011, also aus einer Zeit als Weihegold noch gar nicht in ihrem Beritt war. Der begann erst 2016.

 

Wer Isabell Werth kennt, der weiß, dass sie dem Embryotransfer skeptisch bis ablehnend gegenübersteht. Das hat sie auch öffentlich mehrfach bekundet. Und es ist kein Geheimnis, dass Madeleine Winter-Schulze diese Stute vom Ehepaar Arns-Krogmann bis Ende 2020 für Isabell Werth geleast hat – übrigens zu einem Preis im hohen sechsstelligen Bereich. Vermutlich endet dieser Kontrakt nach den olympischen Spielen, wobei noch zu betonen wäre, dass – anders als in diversen Medien jetzt gemeldet – nicht Weihegold das Nummer-eins-Pferd für Olympia ist, sondern nach wie vor Bella Rose.

 

Was lernen wir aus dem Fall Weihegold? Zunächst einmal kann man nur staunen, welche Kräfte dieser Stute zu Gebote stehen, denn der Embryotransfer ist für die Stuten ja keine Kleinigkeit; ihre Leistungsbereitschaft und ihre Klasse auf dem Viereck verdienen höchsten Respekt. Man darf gespannt sein, wie Weihegolds Weg nach dem Ende dieser olympischen Saison 2020 weitergeht. Und man darf zum Schluss die kritische Frage stellen: Geht’s in Sport und Zucht mit den Pferden wirklich immer nur ums Geld? 

 

Thomas Borgmann für reitturniere.de

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