Borgmann's Blog vom 22. April: Letzter Gruß für Hein Bollow!

Foto: Hein Bollow im Jahr 2014 im Interview mit SportWelt TV - Fotograf: Screenshot YouTube-Video SportWelt TV

Foto: Hein Bollow im Jahr 2014 im Interview mit SportWelt TV - Fotograf: Screenshot YouTube-Video SportWelt TV

Am 5. Dezember wäre er hundert geworden. Das ist ihm nun leider nicht vergönnt. Schade. Am Montag ist Hein Bollow nach einem Schlaganfall gestorben, eine Legende im internationalen Rennsport, mehr noch, ein Publikumsliebling, ein kleiner Mann, zugleich einer der ganz Großen im deutschen Sport. Wer seinen letzten öffentlichen Auftritt sehen möchte, erst vor wenigen Wochen aufgezeichnet, dem sei Stern.TV empfohlen. Anrührend und typisch Hein Bollow. (Video auch unten!)

 

Der sein Leben lang persönlich bescheidene Sohn eines Fuhrunternehmers aus dem noblen Hamburger Stadtbezirk Nienstedten, geboren am 5. Dezember 1920, ist weltweit der einzige, der als Jockey mehr als tausend Sieger geritten und der als Trainer mehr als tausend Sieger an den Start gebracht hat. Die Zahlen sagen vieles, wenn auch nicht alles: In 26 Rennsaisons hat Hein, der eigentlich Heinrich hieß, genau 5477 Ritte absolviert, 1622mal ritt er als Sieger von den Bahnen im In- und Ausland. 13mal wurde er deutscher Jockeychampion, von 1955 bis 1961 in Serie. Viermal siegte er im deutschen Derby auf der Rennbahn in seiner Heimatstadt Hamburg. 1937, mit siebzehn, hatte seine Karriere begonnen, von der er sagte: „Ich habe im Leben sehr viel Glück gehabt.“ 1964 stieg er aus dem Rennsattel, nicht zuletzt, weil er mehr und mehr Mühe hatte, sein Renngewicht zu halten – so etwas wie die Berufskrankheit der Jockeys. 1663 Rennen gewannen die von ihm trainierten Pferde, darunter 163 Hindernisrennen. Nicht zu vergessen: Hein Bollow hat als Trainer 50 Lehrlinge ausgebildet – heute nennt man das „Azubis“. Kein Zweifel, Hein Bollow gehört zu den erfolgreichsten Berufsreitern der Welt. Nicht mehr und nicht weniger. Seinen Lebensabend hat er unweit der Rennbahn in Köln-Weidenpesch verbracht, zumeist gut gelaunt, obwohl er fast nichts mehr hören konnte. Ehe ihn die Corona-Krise vor Wochen ins Haus band, war er ständiger Gast im Kölner Rennstall Asterblüte.

 

Wer das Leben von Hein Bollow Revue passieren lässt, der stößt unweigerlich auf die deutsche Geschichte im zwanzigsten Jahrhundert: Heinrich Bollow musste als Jugendlicher Soldat werden, kehrte erst 1947 aus der Gefangenschaft zurück. In den Fünfzigern zählte er als erfolgreicher Jockey zu den Helden der Wochenschau. Später holte ihn der unvergessene Addi Furler oft in die Sportschau des WDR. Die jährliche Wahl zum „Galopper des Jahres“ machte den Rennsport bekannt und populär – Hein Bollow, nur um die 1,50 Meter groß, verkörperte den im doppelten Sinne kleinen Mann, der immer wieder über sich hinauswächst. Als er 1953 mit Allasch das deutsche Derby gewann, jubelten ihm 60 000 Menschen zu. Wer das schwarz-weiß noch einmal sehen möchte, dem sei auf galopponline.de die Wochenschau von damals empfohlen. Der Galopprennsport, dem es hierzulande leider nicht gut geht, hat seinen Besten verloren. Hut ab und letzter Gruß für Hein Bollow!

 

Thomas Borgmann für reitturniere.de

 

Video aus der stern TV - Sendung vom 15. April 2020

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