Borgmann's Blog vom 24. Oktober: Wenigstens ein schmaler Lichtblick…

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch! In diesem verdammten Corona-Jahr 2020 kann man den vor 250 Jahren geborenen Friedrich Hölderlin gar nicht oft genug zitieren. Es ist wirklich zum Verzweifeln, wenn man sich die aktuelle Entwicklung der Pandemie hierzulande und in Europa anschaut. Die Unvernunft und die Rücksichtslosigkeit vieler Einzelner, dazu die schlichte Gläubigkeit gegenüber den Rattenfängern und ihren kruden Theorien, dazu das Gemisch aus heiliger Einfalt – dies alles lässt die Zahl der Infizierten steil nach oben springen. Viele zittern vor den Folgen: nicht nur die Wirtschaft und die Kultur, natürlich auch der Sport!

 

Ein klares Bild über die aktuelle Lage der Reiterei in Deutschland lässt sich momentan nur schwer gewinnen. Der Handel mit den Pferden scheint besser zu laufen als befürchtet – das Internet  erweist sich auf diesem Feld als segensreich. Viele Reitervereine, kleine bis mittlere Betriebe, bangen um ihre Existenz; im Frühjahr 2021 wird man sehen, wie gut oder wie schlecht sie über den Winter gekommen sind. Dem Handel mit Zubehör aller Art rund ums Pferd scheint es leidlich gut zu gehen – je nach Branche und Produktgruppe.

 

Der Turniersport indessen liegt darnieder, wahrscheinlich bis ins nächste Jahr hinein. Es wird, soviel steht fest, noch weitere Absagen geben – machen wir uns da mal nix vor. Immerhin, in diesen Tagen sehen wir einen schmalen Lichtblick, der weniger mit sicheren Fakten zu tun hat, als mehr mit dem Mut einzelner Exponenten unseres Sports: Ludger Beerbaum und Ulli Kasselmann sind gemeint und lobend zu erwähnen! Der eine hat sich vorgenommen, die Springreiter-EM auszurichten (30. August bis 4. September 2021), der andere plant die Dressur-EM genau ein Wochenende später (7. bis 12. September). Ludger Beerbaum ist im Begriff, das Reitzentrum „Riesenbeck International“ zu einer weltweiten Marke zu machen. Ulli Kasselmann zählt zu den wenigen Turniermachern weit und breit, die anno 2020 in schwierigster Zeit nationale und internationale Dressurevents ausrichteten. An diese beiden hat der zögerliche Weltverband nach mancherlei Hin und Her nun (endlich) das Vertrauen ausgesprochen und die Ausrichtung der zwei Europameisterschaften vergeben. Nein, am deutschen Wesen soll die Welt nie wieder genesen – aber die europäische Reiterfamilie kann sich glücklich schätzen, einen Ludger Beerbaum und einen Ulli Kasselmann zu haben. Nicht mehr und nicht weniger! Bleibt zu hoffen, dass beide genügend Sponsoren und Gönner finden, damit sie ihre guten Konzepte in die Tat umsetzen können. Vieles hängt freilich davon ab, ob wir es mit Vernunft und Augenmaß schaffen, die Pandemie wirksam einzudämmen. Jeder einzelne muss seinen Beitrag dazu leisten. Nicht nur Beerbaum und Kasselmann.

 

Thomas Borgmann für reitturniere.de

 

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