Borgmann's Olympia Blog #11: Das 14. Teamgold seit 1928 – Dreimal Chapeau!

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

„Auf die Statistik achte ich nicht, Rekorde sind mir nicht wichtig!“ Isabell Werth sagt das immer wieder, auch heute wieder am Rande des Vierecks im Equestrian Park von Tokio. Aber nach dem Grand Prix Spezial an diesem denkwürdigen 27. Juli 2021 geht’s nicht ohne die Statistik und ohne den neuen Rekord. Wer die überragende Reitkunst von Isabell Werth angemessen würdigen will, der muss sich dies vor Augen führen: seit 1989, seit ihrem EM-Debüt in Luxemburg, damals auf dem mächtigen Weingart, zählt die seit wenigen Tagen 52-Jährige zur Weltelite ihres Sports. Das sind mehr als 30 Jahre! Sie hat 1992 bei Olympia in Barcelona debütiert, holte 1996 in Atlanta Einzelgold auf Gigolo. Morgen kann sie in Tokio ihr zweites Einzelgold gewinnen. Heute, bei ihren sechsten olympischen Spielen,  zeigte sie auf Bella Rose perfekte Reitkunst – ihre siebte Goldmedaille ist hochverdient! Es ist, alles in allem, ihre elfte olympische Medaille! Chapeau!

 

Blicken wir auf die Fakten dieses Teamfinals: Jessica von Bredow-Werndl sichert dieses Gold auf ihrer Dalera mit 84,5 Prozent – die Tagesbestnote wie bereits im Grand Prix. Dabei hätte sie rein rechnerisch nur 72 Prozent liefern müssen. Isabell Werth und Bella Rose folgen mit 83,2, dahinter Sabine Schut-Kerry aus den USA auf Sanceo mit 81,5. Nur diese drei kommen über die „magische Marke“ von 80 Prozent. Die Amerikaner gewinnen Silber, haben zwei gebürtige Deutsche im Team, beide übrigens aus Krefeld: neben Sabine Schut-Kerry den liebenswerten Steffen Peters. Die Briten verlieren das erhoffte Silber buchstäblich auf den letzten Metern, die Charlotte Dujardin auf ihrem kleinen Fuchs Gio leider nicht fehlerlos meistern kann. Sie müssen mit Bronze zufrieden sein. Auch die Dänen können mit ihrem vierten Platz nicht zufrieden sein, ihre Catherine Dufour auf Bohemian vermochte heute nicht restlos zu überzeugen – Wohlgemerkt auf diesem olympischen Niveau.

 

Dieser Triumpf der klassischen Reiterei in Deutschland besitzt ohne Zweifel eine historische Dimension: Bei den Spielen von 1964 in Tokio gewannen Harry Boldt auf Remus, Josef Neckermann auf Antionette und Reiner Klimke auf Dux die Goldmedaille. Lang ist’s her, aber unvergessen. Da fällt mir noch etwas Historisches ein: 2004 bei den Spielen in Athen standen mit dem Schwaben Martin Schaudt und dem Reitmeister Hubertus Schmidt zum bisher letzten Male zwei Männer im deutschen Goldteam – seitdem ist die olympische Dressur hierzulande eine reine Frauensache!

 

Und wie geht es weiter? Morgen ist in Tokio nicht nur ein neuer Tag, der Schlusstag der Dressurwettkämpfe. Morgen geht’s im Kürfinale wieder bei null los für die 18 Reiter und Pferde aus acht Nationen. Wie’s ausschaut, könnte es ein Duell zwischen dem deutschen Trio und dem Rest der Welt geben – ohne Überheblichkeit, versteht sich. Isabell Werth sagt: „Morgen werde ich wieder versuchen, alles das zu zeigen, was wir können. Und dann sehen wir, was dabei herauskommt!“ Wie auch immer: Isabell Werth kann morgen Sportgeschichte schreiben! Es wäre nicht das erste Mal.

 

Thomas Borgmann für reitturniere.de

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