Borgmann's Blog vom 31. Mai: Siege fürs Geschichtsbuch…

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Foto: Thomas Borgmann - Fotograf: Stefan Lafrentz

Unser heißgeliebter Pferdesport ist nur noch Tagesgeschäft. Wissen Sie, wer vor einer Woche den Großen Preis von Dingsda gewonnen hat? Oder erinnern Sie sich an das Pferd, das im Parcours den Sattel verlor (nebst Reiter), weil dieser vergessen hatte, beim Einreiten nochmal nachzugurten? Vielleicht wissen Sie auf Anhieb, wer 2012 in London am letzten Hindernis einen Abwurf hatte, sodass unser aller Michi Jung zum Helden avancierte.

 

Tja, mit dem Erinnern ist das so eine Sache. Im Zeitalter des Internets und der (un)sozialen Medien rauschen Infos im Höllentempo an uns vorbei – Wissenschaftler sagen uns schon lange: Ihr informiert euch zu Tode!

 

Ausnahmen bestätigen auch in diesem Fall die Regel. Denn es gibt Tage – wie etwa den vergangenen Sonntag – da reitet sich jemand in die hippologischen Geschichtsbücher: David Will heißt der Mann, der am 30. Mai anno 2021 auf der legendären Piazza di Siena in Rom den Großen Preis gewann, und zwar auf dem Holsteiner Wallach „C Vier“. Bereits um 17.38 Uhr hat irgend ein geschichtsbewusster Mensch die entsprechende Wikipedia-Seite auf den neuesten Stand gebracht – das beweist, worum es hier geht.

 

Seit 1922 gibt’s das Reitturnier in der ewigen Stadt, seit 1926 ist es international. Das sind Aachener Dimensionen. Der erste deutsche Sieger im Großen Preis hieß „Micky“ Brinkmann auf Wotansbruder, das war 1937; damit jeder sieht, welche Zeit damals herrschte, wird der schöngeistige Hans-Heinrich Brinkmann auf der ewigen Bestenliste mit einer Hakenkreuzfahne geführt. 1959 siegte HG Winkler auf der wunderbaren Halla. Erst 1977 folgte als nächster deutscher Gewinner der unvergessene, im Sattel hochbegabte Hendrik Schulze Siehoff auf Sarto. 1986 trug sich Bernhard Kamps mit Argonaut in die römische Siegerliste ein, 1988 Helena (damals noch) Weinberg auf Just Malone. Franke Sloothaak gewann 1995 und 1996 mit Joly Coeur, 2005 folgte Christian Ahlmann auf Cöster. Ludger Beerbaum gewann 2012 auf Gotha und nun also David Will auf C Vier.

 

Für den 33-Jährigen ist der Sieg von Rom übrigens sein zweiter ganz großer Erfolg für die Geschichtsbücher, denn 2019 gewann er auf „Never walk alone“ den King George V. Gold Cup in Hickstaed. Es scheint, als wäre David Will ein Reiter für die besonderen magischen Momente – fernab von allem Tagesgeschäft, das wir achtlos an uns vorbeiziehen lassen. Chapeau!

 

Apropos. Der Reiter, der vergessen hatte, seinen Sattelgurt anzuziehen und deshalb samt Sattel im Sand landete  – sein Name liegt mir auf der Zunge, aber er will partout nicht heraus.

 

Thomas Borgmann für reitturniere.de

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