***Finale - Teil III unserer Interviewreihe mit Anne-Mette Binder und Christian Steiner (auf unserem Titelbild gemeinsam in Burghley/GBR im Einsatz): Heute dreht sich alles um alternative Prüfungsformate und die Nachwuchssorgen von Offiziellen***
CWM 2025: Der britische Verband (British Eventing Official) hat dieses Jahr das Pilotprojekt XC+ gestartet, ein verkürztes Prüfungsformat, bei dem man aus den drei Teildisziplinen zwei auswählen kann (Gelände plus Dressur oder Springen). Wie schätzt Ihr das ein – hat es den Vorteil, Springtalent zu fördern oder besteht eher die Gefahr, dass die dressurmäßige Ausbildung in den Hintergrund tritt? Gibt es auf nationaler Ebene ähnliche Prüfungen in Euren Heimatländern Dänemark und Österreich?
Anne-Mette Binder: Dieses Prüfungskonzept gibt es auch in Dänemark, allerdings hauptsächlich, um Veranstaltern entgegenzukommen, denen z.B. die Logistik oder die Helfer für eine komplette Vielseitigkeit fehlen. Dass diese Prüfungen auf Dauer das bisherige Konzept mit drei Teilprüfungen ersetzen, sehe ich nicht. Das, denke ich, ist auch die Meinung der Reiter. Aber es kann sicher in bestimmten Situationen eine sinnvolle Ergänzung des Prüfungskonzepts sein und vielleicht auch dazu beitragen, neue Reiter für unseren Sport zu interessieren. Es könnte ja auch sein, dass sich viele Reiter für die Kombination Dressur/Gelände entscheiden.
Christian Steiner: In Österreich gibt es dieses Format nicht. Wenn es hilft, Menschen für die Vielseitigkeit zu begeistern, dann finde ich es in Ordnung - es kann aber nie die eigentliche Vielseitigkeit ersetzen. Wenn mich ein Laie fragt, was eine Vielseitigkeit ist, so antworte ich, dass diese mit einem Triathlon zu vergleichen ist und ein Triathlon besteht nun eben aus drei Disziplinen, wie die Vielseitigkeit auch. Die Dressurarbeit ist für mich ein unverzichtbarer Bestandteil der Ausbildung, egal für welche Reitsportsparte man sich entscheidet. In der Vielseitigkeit wird auch der Ausbildungsstand in der Dressur im Rahmen der Prüfung am Turnier abgefragt. Nicht nur in der Teilprüfung Dressur, sondern auch im Gelände. Im Sinne des Pferdewohls und um erfolgreich im Gelände zu sein, muss das Pferd der Klasse entsprechend in der Dressur ausgebildet sein, um z.B. Wendungen, schmale Sprünge, Distanzen, etc. sicher und ausbalanciert bewältigen oder unaufwändig Aufnehmen und Beschleunigen zu können!
CWM 2025: Um abschließend auf den Beginn unserer Interviewreihe zurückzukommen; eine Veranstaltung wie die Internationale Marbacher Vielseitigkeit lebt neben den Sponsoren auch von ihren engagierten ehrenamtlichen Helfern sowie den Offiziellen. Seht Ihr in Euren jeweiligen Fachbereichen „Nachwuchssorgen“ und falls ja, was könnten sowohl nationale Verbände als auch Fédération Equestre Internationale dafür tun, um solche Ämter attraktiver zu machen?
Anne-Mette Binder: Nationale Verbände und die FEI sollten darauf achten, den Einstieg in eine Karriere als Official im Vielseitigkeitssport nicht zu kompliziert zu machen. Der Verlauf sollte zugänglich, transparent und klar sein. Im Zusammenhang mit meinen Aufgaben als Mitglied des Vielseitigkeitsausschusses der FEI und als Ausbildungsleiterin für die Eventing Officials der FEI sehen wir eine Tendenz, es für Officials noch attraktiver zu machen, eine internationale Ausbildung zu beginnen und fortzusetzen. Es ist wichtig, dass sich unser großartiger Sport weiterentwickelt. Um z.B. die Ausbildung zum Course Designer noch attraktiver zu machen, haben wir für diese Gruppe gerade ein FEI-Mentorenprogramm eingeführt.
Als langjähriges Mitglied des Veranstaltungsteams eines FEI CCI 1-3* habe ich die Herausforderungen der hohen Kosten erlebt, die mit der Durchführung eines CCI verbunden sind. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir weiterhin ehrenamtliche Helfer für den Sport gewinnen und halten können. Danke an alle, die sich in der Vorbereitung und Durchführung dieses tollen Events darum bemühen, dass Reiter, Pferde, Pferdebesitzer, Zuschauer und Officials eine wunderschöne Woche in Marbach erleben können.
Christian Steiner: Ja, es wird immer schwieriger, v.a. junge Menschen für die Funktionärstätigkeit zu begeistern, das Ehrenamt ist für die meisten nicht erstrebenswert und die Ausbildung ist zeitaufwändig. Wichtig ist auch auf nationaler Ebene einen transparenten und nachvollziehbaren Ausbildungsweg zu haben. Ein Team von erfahren FEI-Funktionären haben unter der Leitung von Anne-Mette das für FEI in den letzten Jahren sehr gut erarbeitet. Zusätzlich liegt es an uns „alten“, erfahrenen FEI-Funktionären, Menschen für diese Funktion zu begeistern, diese auf ihrem Ausbildungsweg zu unterstützen, ihnen auch gemeinsam mit den Veranstaltern Chancen zu geben und sie weiter zu empfehlen, wie hier in Marbach meine TD-Assistentin aus Amerika, die ich im Rahmen eines FEI-Courses kennen gelernt habe.
,,Tak, Anne-Mette & Danke, Christian – wir freuen uns mit Euch auf eine gelungene Veranstaltung!"
Quelle: Offizielle facebook-Seite der Internationalen Marbacher Vielseitigkeit