Bundestrainer und Athletin geben Einblick in den Stand der Vorbereitungen
Im Jahr 2026 finden die Weltmeisterschaften in sechs Pferdesportdisziplinen gemeinsam in der Aachener Soers statt – an einem Ort, der wie kaum ein anderer für Pferdesportgeschichte steht. Auf dem traditionsreichen Turniergelände des Aachen-Laurensberger Rennvereins wurden bereits sechs Welt- und neun Europameisterschaften ausgetragen. Unvergessen sind die Weltreiterspiele 2006, die bis heute als eines der bedeutendsten Championate in der Geschichte des Pferdesports gelten. Vom 11. bis 23. August 2026 heißt es nun erneut: „Welcome home“.Im Rahmen einer Pressekonferenz auf der spoga horse in Köln gaben Bundestrainer Springen Otto Becker, Bundestrainerin Dressur Monica Theodorescu, Dressurreiterin und Mannschafts-Europameisterin 2025 Katharina Hemmer sowie FN-Vorstandsvorsitzender Dr. Dennis Peiler einen Ausblick auf die laufenden Vorbereitungen und die Bedeutung der Weltmeisterschaften in Aachen.Bundestrainer Otto Becker ordnete die aktuellen Leistungen der deutschen Springreiter im internationalen Vergleich ein. „In Aachen werden am Ende die Teams erfolgreich sein, denen es gelingt, möglichst wenig Fehler zu machen. Auf diesem Level entscheidet jeder Fehler“, so der Bundestrainer. Einen festen Sichtungsweg gebe es im Springen nicht, vielmehr planten die Reiterinnen und Reiter ihre Saison individuell. Bei der Zusammenstellung des Teams für Aachen spiele neben sportlicher Leistung insbesondere die Konstanz und die Pferdegesundheit eine entscheidende Rolle. Zum Stellenwert von Pferdewohl und sportlicher Verantwortung sagte er: „Wir wollen Erfolg haben – aber nicht um jeden Preis. Die Verantwortung gegenüber dem Pferd steht für uns immer an erster Stelle. Wir haben auch schon viele Situationen erlebt, in denen sich Reiter bewusst gegen eine sportliche Chance entschieden haben, um das Pferd zu schützen.“Auch Dressur-Bundestrainerin Monica Theodorescu blickt mit großer Vorfreude auf die Weltmeisterschaften im eigenen Land. Aachen sei immer eine ganz besondere Kulisse. „Aachen ist jedes Mal ein Gänsehautmoment. Das Publikum, die Stadien, die Atmosphäre – das ist weltweit einzigartig“, sagte die Bundestrainerin. Zur Ausgangslage der Dressur in der WM-Saison sagte sie: „Wir stehen sportlich sehr gut da. Die Mischung aus erfahrenen Paaren und jungen, aufstrebenden Talenten macht unser Team stark.“ In der Dressur ist die Deutsche Meisterschaft in Balve vom 4. bis 7. Juni eine feste Sichtung für die WM. Wer sich Chancen auf einen Start in Aachen ausrechnet, sollte dort antreten. Eine weitere Sichtung ist der Nationenpreis im Rahmen der „Covalliero Dressage Days“ vom 1. bis 5. Juli auf dem Hof Kasselmann in Hagen a.T.W.. „Unser Ziel ist es immer, das Pferd gesund, losgelassen und mit Vertrauen durch die Saison zu führen. Nur so können Pferde Spitzenleistungen zeigen“, sagte die Bundestrainerin zur Verantwortung gegenüber dem Pferd. Grundlage für das Pferdewohl sei immer eine gute Ausbildung: „Gute Dressurarbeit entsteht durch gute Ausbildung. Sie ist wie eine Schule – alles baut aufeinander auf. Wenn ein Pferd richtig gymnastiziert ist, sieht der Sport harmonisch aus und fühlt sich auch so an“, erklärte Theodorescu."Dieser Ort hat eine besondere Magie"Für Dressurreiterin Katharina Hemmer war das Jahr 2025 ein ganz besonderes: Erstmals gehörte sie zum deutschen Dressurteam und feierte bei den Europameisterschaften in Crozet (Frankreich) mit der Mannschaft den Gewinn der Goldmedaille. Sie berichtete, wie emotional und prägend es für sie gewesen sei, im Team Deutschland an den Start zu gehen. „Die Europameisterschaft war ein unvergessliches Erlebnis. Wir waren ein unglaublich harmonisches Team und haben uns gegenseitig getragen“, schwärmte sie von der EM im vergangenen Jahr. Auch in dieser Saison arbeitet sie daraufhin, gemeinsam mit Denoix PCH wieder Teil des WM-Teams zu sein. „Eine Weltmeisterschaft im eigenen Land zu reiten – noch dazu in Aachen – wäre ein Traum. Dieser Ort hat eine besondere Magie“, so Katharina Hemmer. Zu ihrer Arbeit mit Denoix PCH und den Pferden erzählte sie: „Das Pferd steht in allem, was wir tun, im Mittelpunkt. Nur ein Pferd, das sich wohlfühlt, kann sportliche Leistung bringen. Aber im Sport geht es nie nur bergauf. Man muss offen bleiben, sich hinterfragen und manchmal auch einen Schritt zurückgehen – immer im Sinne des Pferdes.“FN-Vorstandsvorsitzender Dr. Dennis Peiler gab schließlich einen Einblick in die Bedeutung der Weltmeisterschaften über den sportlichen Rahmen hinaus. Eine WM mit sechs Disziplinen an einem Standort sei nicht nur organisatorisch ein Mammutprojekt, sondern auch eine große Chance für den gesamten Pferdesport. „Die Weltmeisterschaften in Aachen bieten uns die Möglichkeit, den Pferdesport in der Mitte der Gesellschaft zu positionieren. Wir wollen zeigen, dass sportliche Leistung und Pferdewohl untrennbar zusammengehören – und wie verantwortungsvoller Pferdesport heute gelebt wird“, erklärte Peiler. „Ich wünsche mir ein Pferdesportmärchen, das in Aachen geschrieben wird – ein Funke, der von der Spitze in die breite Basis überspringt und viele Kinder für Pferde begeistert.“Zur neuen Initiative Pferdsport Deutschland sagte er: „Die Verschmelzung unserer beiden historischen Verbände ist ein wichtiger Schritt in die Zukunft. Mit Pferdesport Deutschland wollen wir sichtbar machen, wofür wir stehen: Pferdewohl, Fachwissen und Fairness.“ Weiter erklärte er auch die Verantwortung es Verbandes: „Pferdewohl ist keine Floskel, sondern unser zentraler Maßstab. Wir wollen transparenter erklären, was wir tun, und Regeln so gestalten, dass sie Pferde schützen und Wettbewerbsgleichheit sichern. Deutschland ist weltweit der einzige Verband, der Pferde im Training von der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) beproben lässt. Allein das zeigt, welchen Anspruch wir an Fairness und Pferdeschutz haben.“Er wies aber auch darauf hin, dass Verbesserungen in der Ausrüstung notwendig sind: „Wir brauchen klare Regeln, was erlaubt ist. Nur Verbotslisten zu führen, reicht nicht – wir müssen definieren, was pferdegerecht ist. In einigen Bereichen haben wir noch Luft nach oben." fn-press




























