75 Jahre VR CLASSICS – Wie sich ein Turnier neu erfindet und doch immer es selbst bleibt

Foto: In Norddeutschland gilt der Handschlag: Paul Schockemöhle und August Christian Horn - Fotograf: Jörg Lühn

Foto: In Norddeutschland gilt der Handschlag: Paul Schockemöhle und August Christian Horn - Fotograf: Jörg Lühn

(Neumünster) Seit 1951 stehen die VR CLASSICS Neumünster für Reitsport, der bewegt – für Momente, die in Erinnerung bleiben, und für eine Nähe zwischen Pferd, Reiter und Publikum, wie man sie weltweit kaum ein zweites Mal findet. Zum 75-jährigen Bestehen lohnt sich der Blick zurück: Was hat sich im Laufe der Jahrzehnte verändert? Was ist geblieben? Und was macht den Mythos bis heute aus?

 

Von Zigarrennebel und Soldaten im Parcours

 

Wer heute die Holstenhallen betritt, ahnt kaum, wie viel Wandel hinter den Kulissen stattgefunden hat. Die Zeitnahme erfolgte einst per Handstoppung, und während der Prüfung zogen blaue Rauchschwaden durch die Halle – Zigarren und Pfeifen gehörten zum guten Ton, ein Rauchverbot gab es noch nicht. Reitmeister und Olympiasieger Karsten Huck erinnert sich: „Man konnte oft nicht bis zur kurzen Seite durchsehen – der Rauch hing tief. Aber die Atmosphäre war trotzdem unvergleichlich.“

 

Auch die Abläufe waren andere: Soldaten der Bundeswehr bauten die Hindernisse auf und halfen dem Parcoursteam. Die Noten in der Dressur wurden handschriftlich erfasst und die Richterprotokolle per Obstkorb zum Richterturm hochgezogen, in dem sich auch die Rechenstelle befand. Das Ergebnis kam mit einem Reiter Verzögerung. Heute werden die Noten digital erfasst und ermöglichen Sofortergebnisse. Der Wandel hin zur Paperless-Variante machte später auch das Spectator Judging möglich.

 

Der „Bodenpapst“ hilft

 

Der Hallenboden bestand ursprünglich aus einer schwarzen, schweren Mischung aus Kohle- und Erdresten – ein ständiges Sorgenkind. Mal war er zu hart und trocken, dann wieder nass und rutschig. „Das müssen wir ändern, es ist nicht unser Anspruch, in jedem Jahr wieder Sorgen mit dem Boden zu haben“, räumte der damalige Turnierchef August-Christian Horn einst gegenüber einem Journalisten ein. Seither wurde kontinuierlich investiert, denn die Qualität des Bodens ist ein entscheidender Faktor für Sicherheit und sportliche Leistung. Horn engagierte sogar den international gefeierten Reitbodenspezialisten Hermann Duckek – den „Bodenpapst“ –, der als Olympiaplatzbauer und Trainer genau wusste, was Pferdebeine brauchen. Seine Verpflichtung galt als visionäre Entscheidung, die den Weg für spätere Modernisierungen ebnete.

 

2016 erfolgte eine umfassende Erneuerung: Das niedersächsische Unternehmen fair ground ersetzte den Untergrund durch 450 Tonnen hochwertigen Quarzsand aus der Ostsee. 2021 folgte die nächste Modernisierung – eine besonders belastbare Kombination aus Quarzsand und Vlieshäckseln. 2025 erhielt auch die Abreitehalle (Halle 3) eine neue Tretschicht. Damit bieten die Holstenhallen heute eine Bodenqualität, die internationalen Ansprüchen entspricht – ein deutlicher Kontrast zu den Jahren, in denen der Untergrund regelmäßig Thema in überregionalen Zeitungen war.

 

Vom Wagenpferd zum modernen Athleten

 

Auch die Pferde haben sich im Laufe der Jahrzehnte gewandelt. „Früher waren das Wagenpferde“, erklärt Züchter und Springreiter-Legende Paul Schockemöhle. „Heute sind es echte Sportpferde – athletisch, blutgeprägt und mit hoher Rittigkeit.“ Holstein nahm bei dieser Entwicklung eine Vorreiterrolle ein: Die Umzüchtung vom Arbeitspferd zum modernen Reitpferd begann hier früher als anderswo. Meteor, Deister, Corrado I, Donnerhall, Damon Hill oder TSF Dalera BB – viele Pferde, die den internationalen Reitsport geprägt haben, erlebten in Neumünster bedeutende Momente ihrer Karriere.

 

Auch die Stallungen spiegeln den Wandel wider. Früher standen die Pferde dicht an dicht in schmalen Ständern, wie sie aus der Landwirtschaft bekannt waren. Doppelweltmeister Franke Sloothaak erinnert sich: „Allein der Weg durch den Stall war damals sehr besonders, weil natürlich alle Pferde in der Reihe standen. Die Ständer waren eigentlich nur für Kühe gebaut, für die Pferde waren sie ein bisschen kurz.“

 

Heute ist das Bild ein anderes: In den Holstenhallen stehen 212 feste Boxen bereit, ergänzt durch 60 Boxen in Stallzelten – notwendig, weil die Nachfrage so groß ist, dass die festen Stallungen jedes Jahr ausgebucht sind. 2025 kamen über 550 Pferde zu den VR CLASSICS. Beheizbare Stallzelte und über 800 Ballen Späne sorgen für optimalen Komfort für die vierbeinigen Athleten.

 

Vom regionalen Turnier zum internationalen Schauplatz

 

Was einst ein holsteinisches Reit- und Fahrturnier war, ist heute ein internationaler Treffpunkt. Der 39. FEI Dressage World Cup™, vier Weltranglistenprüfungen im Springen, die internationale Youngster-Tour, das Indoor-Eventing und zahlreiche nationale Prüfungen zeigen die ganze Bandbreite des modernen Pferdesports. 45.000 Besucher kamen zuletzt – eine erstaunliche Konstanz über Jahrzehnte hinweg. Die Begeisterung ist in all den Jahren immer dieselbe geblieben, ihr Grund auch: die Pferdesportkultur im Land zwischen den Meeren. „Wort und Handschlag gelten hier noch“, weiß Veranstalter Ullrich Kasselmann. Norddeutsche Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Bodenständigkeit prägen das Turnier ebenso wie sein sportliches Profil.

 

Nachwuchsförderung – ein Fundament für die Zukunft

 

Wer auch in den kommenden Jahrzehnten Spitzensport erleben möchte, muss in die Grundlage investieren: den Nachwuchs. Die VR CLASSICS tun dies seit vielen Jahren. Die Championate der Pferdestadt Neumünster für Ponyreiter, Junioren und Junge Reiter, die  "Team Trophy” oder das Stafetten-Springen für Ponys und Großpferde sind etablierte Formate. Neu hinzugekommen ist seit 2025 das HGW Bundesnachwuchschampionat der Springreiter, gefördert durch die Horst-Gebers-Stiftung. Dort treffen die besten U19-Reiter Deutschlands aufeinander und küren ihren Sieger in einem anspruchsvollen Finale mit Pferdewechsel.

 

VR CLASSICS 2026 – ein Jubiläum, das feiert, was war, und zeigt, was kommt

 

Die große Jubiläumsshow am Mittwochabend eröffnet ein Wochenende voller Höhepunkte – vom FEI Dressage World Cup™ über den Großen Preis der Volksbanken Raiffeisenbanken bis hin zum legendären Schauwettbewerb der Reitvereine. Dabei sein ist alles – und dafür braucht man Tickets. Die gibt es aktuell online bei RESERVIX (https://vr-classics.reservix.de/) sowie auch telefonisch und mit persönlicher Beratung unter der Hotline 04321-755421 oder Email tickets@vr-classics.de. Sollte der Wunschplatz online ausverkauft sein, kontaktieren Sie alternativ gerne die Hotline oder Email.

 

Die Ausstellung war früher ausschließlich in Halle 2 und im Foyer beheimatet, heute findet sie in den großzügigen Hallen 4 und 5 statt. Der Charakter blieb derselbe: ein Ort zum Treffen, Klönen und Verweilen. Besonders attraktiv: Sitz-/Stehplatzkarten können am jeweiligen Veranstaltungstag auch als Flanierkarten für die vorangehenden und nachfolgenden Abschnitte genutzt werden. Und am Mittwoch ist das Shopping von 16:30 bis etwa 20:00 Uhr sogar kostenfrei geöffnet (ohne Show-Übertragung). Aktuelle Informationen finden Sie unter vr-classics.de sowie auf unseren Social Media Kanälen.

 

Sendezeiten in TV & Livestream
 
Der NDR überträgt sowohl das Championat von Neumünster am Samstag, den 14.02.26 von 16:30-17:15 Uhr als auch den Großen Preis der Volksbanken und Raiffeisenbanken am Sonntag, den 15.02.26 von 16:00-17:00 Uhr.
  

 

  

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