Neumünster: Traditionsturnier feiert 75. Geburtstag

Raphael Netz und Moritz Treffinger liefern die besten Ergebnisse für Deutschland

Den 75. Geburtstag des Dressur- und Springturniers in den Holstenhallen von Neumünster haben die Veranstalter und Besucher mit einer großen Galaaschau gefeiert. Hier entstand im Jahr 1987 auch die älteste Station des zwei Jahre zuvor ins Leben gerufenen Dressur-Weltcups. Bei der jüngsten Auflage der Serie mussten die deutschen Gastgeber den ausländischen Paaren den Vortritt lassen. Die beiden Belgier Justin Verboomen und Larissa Pauluis belegten die Plätze eins und zwei, der Portugiese Joao Pedro Moreira folgte auf Rang drei. Raphael Netz und Moritz Treffinger reihten sich an vierter und fünfter Stelle ein.

 

Ein Novum in Neumünster: Zwei Belgier belegen im Dressur-Weltcup die Spitzenplätze. Der Weltranglisten-Erste und Doppel-Europameister Justin Verboomen startete nicht mit seinem Toppferd, dem Hannoveraner Hengst Zonik Plus, sondern stellte den elfjährigen Oldenburger Djembé de Hus vor. Der Sohn des Damon Hill ist seit gut einem Jahr bei ihm und wurde zuvor von der Französin Jessica Michel Botton geritten. Im Grand Prix hatte das Paar mit über 76 Prozent deutlich in Führung gelegen. Ein zweiter Sieg in der Kür sollte allerdings nicht gelingen (81,85). Der Hengst, der erst sein drittes internationales Turnier mit Verboomen bestritt, schien von der Atmosphäre in der dicht besetzten Halle etwas beeindruckt, ließ sich im Schritt nicht ganz los und verpatzte die Gruß- und Schlussaufstellung. Ansonsten eine tolle Prüfung, in der wieder allesfeinstes Reiten zelebriert wurde. Die Grand Prix-Zweite Larissa Pauluis wuchs mit ihrem 16 Jahre alten niederländischen Ampere-Sohn Flambeau regelrecht über sich hinaus. Insbesondere dank der ausdrucksstarken Trabtour erzielte das Paar mit 84,01 Prozent ein neues persönliches Bestergebnis. Auf dem Bronzerang behaupteten sich der im Münsterland lebende Portugiese Joao Pedro Moreira und Drosa Fürst Kennedy OLD. Auch bei dem Fürsten-Look-Sohn und seinem Reiter hieß es: „personal best“ (81,08).Die deutsche Dressur-Garde war mit zwei jungen Männern vertreten, die sich auf der Weltcup-Bühne zu Hause fühlen: Raphael Netz (26), der 2024 beim Weltcup-Finale in Riad Fünfter geworden war, und der Weltcup-Senkrechtstarter Moritz Treffinger (22). Netz ging mit seinem niederländischen Wallach Great Escape Camelot an den Start. Zur Musik des Films „Drachenzähmen leicht gemacht“ steuerte er den Johnson-Sohn präzise und feinfühlig durch die Prüfung. Eine etwas matte Piaffe und ein Fehler in den Einerwechseln verhinderten einen Podestplatz. Immerhin: Die 80 Prozent-Marke war übersprungen (80,94, Platz vier). Sein Ticket für das Weltcup-Finale Anfang April in Forth Worth (Texas/USA) hat Netz in der Tasche. „Punkte sammeln muss ich nicht mehr unbedingt, aber wir wollen uns natürlich weiter verbessern. Nun geht es vor allem um Feinschliff“, sagte er. Youngster Moritz Treffinger stellte sich in seiner ersten Weltcup-Saison mit Cadeau Noir und Fiderdance schon fünfmal der Konkurrenz. Diesmal mit dem 17-jährigen Oldenburger Hengst Fiderdance v. Don Schufro am Start, erzielte der U25-Europameister in der Kür 78,365 Prozent (Platz 5). Ingrid Klimke belegte mit der hannoverschen Fürstenball-Tochter First Class in der Kür 76,25 Prozent (Platz acht). Die deutsche Chefrichterin Elke Ebert war angetan von der Qualität und Vielfalt des Starterfeldes, immerhin ein Viertel gehörte zur U25-Gruppe. „Es waren ausgesprochen interessante Reiter-Pferd-Kombinationen am Start und besonders erfreulich ist, dass immer mehr junge Reiter im Grand Prix Sport nachrücken. Das ist in einer Halle wie hier in Neumünster eine echte Herausforderung. Viele erfahrene Reiter sagen im Vorfeld: ‚Seid vorsichtig in dieser Halle’. Umso beeindruckender ist es, wie selbstbewusst und stark die Nachwuchsreiter hier auftreten. Wir waren uns in der Richtergruppe über die Rangierung einig und insgesamt sehr beeindruckt von der Qualität des Feldes.“Noch zwei Stationen (Göteborg und s’Hertogenbosch) stehen vor dem Weltcup-Finale auf dem Programm. Das Ranking führt Larissa Pauluis mit 67 Punkten. Ihr folgen Raphael Netz (60), Becky Moody und Justin Verboomen (beide 54), Marieke van der Putten (49), Patrik Kittel (47), Thamar Zweistra (46), Bettina Kendlbacher und Fie Skarsö (beide 44) und als Zehnter Moritz Treffinger (42). An zwölfter Position schließt sich Isabell Werth (40 Punkte) an.   fn-press / hen

 

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