München: Krimi auf dem Dressurviereck

Charlott-Maria Schürmann und Dante’s Pearl gewinnen den Grand Prix Special

Wer den Grand Prix Special beim Mammutturnier Pferd International auf dem Münchner Olympiagelände beobachtet hat, muss zu der Erkenntnis gelangen, dass der deutsche Dressursport selten mit so herausragenden, noch jungen Pferden glänzen konnte. Jessica von Bredow-Werndl gewann in der Fünf-Sterne-Tour mit ihrer elfjährigen niederländischen Stute Times Kismet den Grand Prix und Charlott-Maria Schürmann belegte im Grand Prix Special mit der Oldenburgerin Dante’s Pearl den ersten Platz.

 

Dieser Grand Prix Special entwickelte sich zu einem Krimi. Zwar traten nur sechs Paare an, aber die boten herausragenden Dressursport, obwohl die unruhige Münchner Kulisse mit dicht am Viereck sitzenden und stehenden Zuschauern für die Aktiven wie für ihre Pferde nicht einfach ist. Es war vor allem eine fantastische Demonstration von allerfeinstem Reiten und vollendeter Harmonie zwischen Mensch und Pferd. Dressurrichterin Katrina hatte schon nach dem Grand Prix-Sieg geschwärmt: „Das war absolut spannender Topsport! Und ich bin mir sicher, dass wir hier heute zukünftige Mannschaftspferde gesehen haben!“ Dieser Eindruck dürfte sich im Special noch verstärkt haben. Jessica von Bredow-Werndl schickte ihre KWPN-Stute Times Kismet v. Ampère in ihrem ersten gemeinsamen CDI5* an den Start. Die braune Pferdelady war früher von der Britin Charlotte Dujardin geritten worden und ist mit „Jessi“ inzwischen perfekt zusammengewachsen. Trotz kleiner Macken reichte die Vorstellung für den Sieg im Grand Prix (74,522 Prozent), klar vor ihrem einstigen Schüler und Angestellten Raphael Netz, der sich mit dem Niederländer Great Escape Camelot an zweiter Stelle einreihte (73,793). Bruder Benjamin Werndl komplettierte mit seinem Youngster Quick Decision FRH das Podium (72,652). Im Special wurde die Rangierung durcheinander gewirbelt. Wieder verzauberten Jessica von Bredow-Werndl und Times Kismet das Publikum mit ihrer Ausstrahlung. Die Führung musste das Paar zwischenzeitlich abgeben, konnte aber in den letzten Sekunden Platz eins zurückerobern. Fehler in den Einerwechseln und nicht ganz saubere Übergänge drückten auf die Noten, mit 73,489 Prozent setzte sie sich aber an die Spitze des Feldes. Sieg Nummer zwei für die Olympiasiegerin aus Aubenhausen, so dachten wohl die meisten Zuschauer, aber sie sollten sich irren. Als vorletzter Starter ritt Raphael Netz mit Great Escape Camelot ein. Kraftvoll piaffierte und passagiert der Johnson-Sohn durch die Prüfung und wurde trotz kleiner Schwächen (schwankende Wechsel) zurecht mit hohen Noten belohnt. Mit 74,298 Prozent hatte er seine frühere Chefin überholt. Über den vermeintlichen Sieg konnte er sich aber nur knappe zehn Minuten lang freuen, denn Charlott-Maria Schürmann setzte dem Special die Krone auf. Die 33-Jährige aus Gehrde bei Osnabrück stellte eines der schönsten Pferde vor, von dem die Dressurszene schon seit langem schwärmt: Dante‘s Pearl OLD, die weibliche Ausgabe ihres Vaters Dante Weltino (Muttervater: San Amour), ist nun elf Jahre alt und stark in ihre erste internationale Grand Prix-Saison gestartet. Im Grand Prix hatten sich Fehler eingeschlichen (Platz vier). Vergangenen Dezember hatten die beiden Platz zwei im Louidor-Preis-Finale belegt. Zwischenzeitlich schnellte im Special die Prozentzahl auf über 80 hoch. Aber da die Piaffe noch mit etwas zu viel Vorwärtstendenz ausfällt, wurden es letztlich 77,191 Prozent. Wie sagte Katarina Wüst: „…künftige Mannschaftspferde…“ Im Special an vierter Stelle behauptete sich Benjamin Werndl mit seinem Quaterhall-Sohn Quick Decision FRH, der sich ebenfalls im Fünf-Sterne-Sport zu etablieren beginnt (73,064). Der zehnjährige bunte Fuchs beeindruckte mit wunderschönen Galoppwechseln, Übergängen und viel Ausdruck. Werndls gewohnt feine und elegante Reitweise macht auch dieses perspektivreiche Pferd zu einem Hingucker. Auf Platz fünf folgte Katarina Hemmer auf dem zehn Jahre alten Oldenburger Special Gold PCH (71,362) vor Carina Harnisch mit dem elf Jahre alten Sezuan-Sohn DSP Sheldon Cooper, Gewinner des Louisdor-Preis-Finales 2024 (70,319). Die Kür der Fünf-Sterne-Tour wird am Sonntagnachmittag ausgetragen. Dressursport Deutschland / hen

 

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