„Auf den Parkplatz passt kein Lkw mehr“

Foto: Die Sportchefs von Hohen Wieschendorf: Holger Wulschner und Christoph Lanske - Fotograf: spring-reiter.de

Foto: Die Sportchefs von Hohen Wieschendorf: Holger Wulschner und Christoph Lanske - Fotograf: spring-reiter.de

­Über das Konzept der DKB Pferdewoche Hohen Wieschendorf – im Gespräch mit den Sportchefs, Holger Wulschner und Christoph Lanske:

 

Die letzten Tage und Wochen vor dem Turnier beschreiben Sie als ‚krass‘. Warum?
C. Lanske: Wir hatten so unglaublich viele Anfragen. Eigentlich waren schon alle Startplätze vergeben und wir hatten trotzdem noch 100 Leute auf der Warteliste – und zwar gleichermaßen für die Zwei- und die Vier-Sterne-Tour. Wir haben dann unser Kontingent für beide Touren erhöht, aber mehr geht auch nicht. Auf den Parkplatz passt kein Lkw mehr (lacht).

 

Wie sind die Entscheidungen gefallen, wer kommen darf und wer nicht?
H. Wulschner: Wir versuchen immer, es sportlich zu lösen. Die 19-jährige Tomma Thiesen hat beispielsweise zwei top Runden im Drei-Sterne-Nationenpreis in Matofte gezeigt. Wir haben unser 60-Reiter-Kontingent für die Vier-Sterne-Tour um zehn Reiter erweitert und sie war dann bei den Nachrückern dabei. Genau wie Simon Heineke, der Zweiter beim Derby in Hamburg war.

 

Dieser Riesenandrang ist natürlich auch ein Kompliment an Ihre Ausschreibung und das ganze Turnier. Haben Sie sich eventuell schon Gedanken gemacht, wie man darauf reagieren könnte? Eventuell mit einem zweiten Turnierwochenende?

 

C. Lanske: Darüber haben wir tatsächlich auch schon gesprochen, aber das können wir nicht stemmen. Hier sind rund 30 ehrenamtliche Helfer über die Turniertage im Einsatz. Sie helfen mit den Radladern beim Abladen, wenn die Reiter anreisen, sie sind im Parcours, in den Stallungen, einfach überall. Ich glaube, das ist auch ein Grund, warum wir so viele Nennungen haben und noch mehr Interessenten. Ich kenne keine Veranstaltung, bei der so ein Service geboten wird. Diese Menschen brennen für das Event und nehmen sich extra Urlaub dafür, das kriegen wir über zwei Wochenende nicht hin.

 

Der Andrang auf die Startplätze war riesig, aber auch der auf die VIP-Tische, auch das ist selten.
H. Wulschner: Ich denke, auch das ist eine Wertschätzung des Turniers durch die Reiter und Pferdebesitzer. Das ist ihre Art, das Turnier zu unterstützen. Zudem kenne ich kaum einen VIP-Bereich, der so schön ist wie hier – kein Schickimicki, aber rustikal schön gemacht. Da gibt es keine Hummer für die Gäste oder ähnlich abgefahrenes Essen, aber es schmeckt erstklassig und der ganze Bereich ist detailverliebt gestaltet.

 

Die Zwei-Sterne-Tour beinhaltet sechs Prüfungen, drei davon sind für sieben- und achtjährige Youngster ausgeschrieben. Welche Philosophie steckt dahinter?
H. Wulschner: Das hat mehrere Gründe. Wir wollen den Vier-Sterne-Reiter, die vielleicht ein Pferd haben, das Nachholbedarf hat oder noch nicht die ganz schwere Tour gehen soll, eine Möglichkeit geben. In den Youngster-Prüfungen können außerdem alle mit zwei Pferden antreten und in der Vier-Sterne-Tour auch, so dass jeder Reiter am Ende fünf Pferde mitbringen kann. Und um ganz ehrlich zu sein, durch das Integrieren der Youngster-Prüfungen in die Zwei-Sterne-Tour sparen wir am Ende etwas Geld. Hätten wir die Youngster-Tour separat ausgeschrieben, hätten wir die Zwei-Sterne-Tour aufstocken müssen und das hätte unseren Rahmen komplett gesprengt. Ganz wichtig ist auch die Region, die Reiter der Region müssen immer mit einbezogen werden. Und für diese Reiter brauchen wir auch genug Startmöglichkeiten

 

Die Springen der Youngster-Tour sind ohne Qualifikation ausgeschrieben, sprich alle Youngster können wirklich drei Prüfungen gehen. Das ist eher selten der Fall.
C. Lanske: Wir bilden beide selbst auch Pferde aus. Wir wissen, wie wichtig es mal sein kann, zwei Ausbildungsrunden zu drehen und dann eine dritte Prüfung reiten zu können. Das ist unsere tägliche Arbeit.
H. Wulschner: Und wir haben auch ganz bewusst einen Tag Pause eingebaut. Gerade für die Siebenjährigen kann es gut sein, einen Tag Pause zu haben, an dem sie ein bisschen bummeln oder joggen können, bevor sie dann in den Finaltag starten.  

 

Ein ganz wichtiger Punkt für Sie beide sind auch die Pfleger…
H. Wulschner: Mit einem Pfleger fällt und steigt eine Veranstaltung. Wenn der Pfleger nächstes Jahr zum Reiter sagt: Da kriegst du mich nicht mehr hin, dann hat es der Reiter schwer. Das haben wir uns gleich auf die Fahne geschrieben: Wir wollen einen Abend für die Pfleger machen. Und dann haben wir mit Enno (Glantz) natürlich auch spendablen Gastgeber. Für ihn war sofort klar, dass alle Pfleger mit zum Welcome-Abend geladen werden. Das ist uns wichtig.

 

Wir sind ungefähr bei der Halbzeit des Turniers – gab es schon so etwas wie einen ‚schönsten Moment‘?
C. Lanske: Für mich war bisher der beste Moment, als ich mit Steve Guerdat zusammengesessen habe und er zu mir sagte, wie froh er sei, dass er sich für dieses Turnier entschieden habe. Dass er sich richtig wohlfühlt und nächstes Jahr wiederkommen möchte.

 

Ahlmann siegt mit Cimarosa
Hannes Ahlmann hat die internationale Vier-Sterne-Springprüfung in Hohen Wieschendorf am Freitagnachmittag, den Preis der ZMB Meisterbetrieb GmbH, gewonnen. Im Sattel der neunjährigen Comme Il Faut-Tochter Cimarosa blieb der 25-Jährige in dem 1,45-Meter-Springen fehlerfrei und galoppierte in 61,36 Sekunden durch den Parcours von Marco Hese und Ralf Stehr. Platz zwei ging an die US-Amerikanerin Emily Dehoff mit der 14-jährigen belgischen Stute Manou de Muze in 65,18 Sekunden. Dritter wurde Stefan Engbers im Sattel von Be Gledis (65,78 Sekunden).

 

Insgesamt gingen 50 Reiter aus 14 Nationen in dieser Prüfung an den Start, 18 von ihnen blieben fehlerfrei. „Das war ein sehr flüssiger, schöner Parcours“, resümierte der Sieger und erklärt weiter: „Ich habe eine neue Trense für Cimarosa ausprobiert und hatte damit draußen schon ein unheimlich gutes Gefühl. Ich hatte von Sprung eins auf zwei sogar einen Galoppsprung mehr als die anderen alle und habe dann nur meinen Grundrhythmus gehalten. Das Pferd ist unheimlich schnell.“ Seit drei Jahren sitzt der Springprofi im Sattel der schnellen Stute. Was sie ausmacht? „Sie hat einen eigenen Charakter“, kommt es prompt und Hannes lacht. „Man muss wissen, wie man sie zu nehmen hat. Sie hat sehr viel Temperament. Am Anfang war es nicht immer ganz einfach, aber mit der Zeit haben wir uns gut gefunden. Ihr fällt es etwas schwer, sich selbst zu tragen, aber sie bekommt immer mehr Kraft und es wird immer besser.“

 

Zwei Damen, superschnell, zwei Siege
Bereits am Vormittag hatten zwei Damen für eine ungewöhnliche Siegerehrung gesorgt. In dem 1,40-Meter Springen der Zwei-Sterne-Tour, im Preis von Allspan German Horse, blieb die Uhr für zwei Paare auf die Hundertstelsekunde an gleicher Stelle stehen: 56,33 Sekunden! Das bedeutete: Duo-Sieg für Miriam Schneider mit der neunjährigen Holsteiner Stute Querida und für Annika Axelsson (SWE) mit der ebenfalls neunjährigen Zangersheide-Stute Comme Picobello Z.

 

„Ich bin das erste Mal hier und ich liebe dieses Turnier“, erklärt die Siegerin Annika Axelsson. „Meine Stute ist das liebste Pferd in der Box, aber sie hat unglaublich viel Energie, wenn es in den Parcours geht. Ich bin manchmal nicht die schnellste Reiterin, aber sie ist immer sehr schnell (lacht).“  Ebenso strahlend schwärmte die andere Siegerin, Miriam Schneider: „Ich freue mich richtig, dass ich heute mit Querida gewonnen habe. Sie ist ein richtig schnelles Pferd und war hier schon in beiden Springen bisher super.“ Bereits am Donnerstag hatte sich das Paar im ersten Springen der großen Zwei-Sterne-Tour Platz zwei gesichert. Ebenso so voll des Lobes war sie mit Blick auf die Veranstaltung: „Das Turnier hier kann man nicht genug loben, der Veranstalter kümmert sich wirklich um alles.“

 

Weitere Informationen unter:
https://www.glantz-reitsportevents.de/

Link zur Kollektion:

https://auction.glantz-reitsportevents.de/auctions/7798e4bf-1e49-4c92-da5a-08dea4fab884

Mehr Informationen zur Veranstaltung:
Weitere Info: Glantz-Equestrian
Instagramm: @dkb_pferdewoche_hw

 

Alle Ergebnisse der DKB-Pferdewoche finden Sie hier:
ERGEBNISSE

 

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