„Die WM ist für den Reitsport ein starkes Signal“

Daniel Deußer im WM-Interview

Daniel Deußer gehört zum deutschen Olympiakader Springen und ist einer der erfolgreichsten Reiter der Welt. Zu seinen größten Karrierehöhepunkten gehören die Mannschafts-Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (2016), der Weltcup-Sieg (2014) sowie prestigeträchtige Einzelsiege wie in Aachen, Calgary oder s’Hertogenbosch. Aktuell belegt er Rang 18 der Weltrangliste. Im Interview schaut er auf seine Ziele, die besondere Atmosphäre bei den Weltmeisterschaften in Aachen 2026 und die Rolle seines Erfolgspartners Otello de Guldenboom. 

 

Die WM ist jetzt nur noch gut zweieinhalb Monate entfernt und ist das große Ziel für die deutschen Top-Reiter. Für dich auch?

 

Daniel Deußer: Auf jeden Fall. Es wäre ein großes Ziel, 2026 in Aachen bei der Weltmeisterschaft an den Start gehen zu dürfen. Bis dahin müssen wir uns natürlich auch noch entsprechend beweisen. Aber Otello hat in der vergangenen Hallensaison sehr, sehr gute Platzierungen erzielt, er hat sich beim Weltcupfinale stark präsentiert und war schon im letzten Jahr in Aachen völlig unbeeindruckt von der besonderen Kulisse. Wenn er sich in dieser Saison ähnlich zeigt und wir über das Jahr verteilt einige gute Ergebnisse liefern können, dann wird diese Weltmeisterschaft ganz sicher zu einem meiner Hauptziele.

 

Wie groß ist deine Vorfreude – ganz unabhängig davon, ob du letztlich zum Team gehörst oder nicht?

 

Daniel Deußer: Die Vorfreude ist auf jeden Fall schon jetzt sehr groß – ob ich am Ende dabei bin oder nicht. Ein Championat im eigenen Land ist immer etwas Besonderes. Und wenn es dann noch in Aachen stattfindet, auf diesem weltberühmten Turnierplatz, dann kann man sicher sein, dass es ein großartiges Championat wird. Die Erwartungen sind hoch, aber Aachen hat in der Vergangenheit oft genug bewiesen, dass sie solche Events auf absolutem Topniveau veranstalten können.

 

Du hast es bereits angesprochen: Otello wäre ein mögliches WM-Pferd für Aachen. Wie bereitest du ihn auf Aufgaben dieses Niveaus vor?

 

Daniel Deußer: Momentan trainiere ich nicht grundsätzlich anders, nur weil eine Weltmeisterschaft ansteht. Otello ist ein Pferd, das ausdauertechnisch sehr gut trainiert ist und sowohl Gras- als auch Sandplätze hervorragend meistert. In meinem täglichen Training geht es vor allem darum, ihn mental frisch zu halten, damit er interessiert und motiviert bleibt. Natürlich reite ich ihn immer wieder auch auf dem Grasplatz, mache gymnastizierende Arbeit, gehe mal auf die Rennbahn – insgesamt versuche ich einfach, möglichst viel Abwechslung in seinen Alltag zu bringen. Das ist für ein Pferd wie ihn enorm wichtig.

 

Ein besonderes Merkmal der FEI World Championships Aachen 2026 ist, dass alle sechs Disziplinen an einem Ort ausgetragen werden. Was bedeutet das aus deiner Sicht für den Reitsport?

 

Daniel Deußer: Das ist für unseren Sport eigentlich etwas sehr Ungewöhnliches, weil es heutzutage kaum noch Veranstaltungsorte gibt, an denen sich alle sechs Disziplinen gleichzeitig realisieren lassen. Gerade deshalb hat es einen enormen Wert, wenn ein Organisator das möglich macht. Es kommen viel mehr Menschen zusammen, sehr unterschiedliche Disziplinen treffen aufeinander, und damit entsteht auch eine ganz besondere gemeinsame Atmosphäre. Für den Reitsport insgesamt ist das ein starkes Signal.

 

Was macht diese Atmosphäre in Aachen für dich ganz persönlich so einzigartig?

 

Daniel Deußer: Es ist zum einen natürlich die unglaubliche Masse an Menschen, die nach Aachen kommt. Und es ist die Tatsache, dass die Zuschauer mehrere Disziplinen an einem Ort verfolgen können. Normalerweise muss man für verschiedene Disziplinen reisen, teilweise sogar in andere Städte oder Länder. In Aachen dagegen kann man an einem Tag Springen schauen, am nächsten Tag Dressur, Vielseitigkeit oder eine andere Disziplin – und alles auf engstem Raum. Das ist nicht nur für die Zuschauer ein großes Plus, sondern auch für die Veranstalter und für uns Reiter. Diese Dichte an Sport, Emotion und Publikum findet man weltweit nur ganz selten.

 

Wie hast du die Weltreiterspiele 2006 in Aachen erlebt?

 

Daniel Deußer: Die Weltreiterspiele 2006 habe ich leider nur im Fernsehen verfolgen können, ich war damals nicht selbst am Start. Das Format war zu der Zeit noch ein bisschen anders, aber ich erinnere mich noch sehr genau daran, wie ich das legendäre Pferdewechsel-Springen vor dem Fernseher verfolgt habe. Die Stimmung, die Bilder vom vollen Stadion, die Begeisterung – all das ist auch über den Bildschirm rübergekommen. Wenn wir es 2026 schaffen, in Aachen wieder eine ähnlich besondere Atmosphäre zu erzeugen, dann wird das eine Weltmeisterschaft, an die sich der Reitsport noch lange erinnern wird.

 

Das Interview ist vom Presse-Team der Reit-WM Aachen geführt worden. 

 

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