Monica Theodorescu, Bundestrainerin Dressur über Saisonstart, Entwicklung im Dressursport und den Weg nach Aachen
Die grüne Saison läuft, die Weltmeisterschaften in Aachen rücken näher. Im Gespräch spricht Monica Theodorescu über den Auftakt der Saison, die Entwicklung im deutschen Team und darüber, worauf es im Sport künftig ankommt.
Monica Theodorescu, wie bewerten Sie den Saisonstart – auch mit Blick auf Fontainebleau und Hagen?
Der Saionstart ist uns insgesamt sehr gut gelungen. Für mich hat er bereits in Fontainebleau begonnen, direkt im Anschluss an das Weltcup-Finale. Das war ein wichtiger erster Gradmesser mit einem sehr starken Teilnehmerfeld. Wir haben bewusst Reiter unterstützt, die früh in die Saison starten wollten – und das hat sich ausgezahlt. Die Bedingungen waren hervorragend, genauso wie in Hagen. Und wenn Pferde sich wohlfühlen, sieht man das unmittelbar an den Leistungen. Der Nationenpreissieg und viele gute Ritte – auch von Paaren, die noch nicht im absoluten Fokus stehen – stimmen mich sehr positiv für den weiteren Verlauf der Saison.
Was nehmen Sie aus diesen ersten Turnieren für die weitere Entwicklung mit?
Eine ganz klare Erkenntnis: Harmonisches, losgelassenes Reiten wird belohnt. Das sehen wir in den Ergebnissen – und das ist auch die Richtung, in die wir weiter arbeiten müssen. Pferde, die zufrieden wirken, die locker gehen und dadurch Ausstrahlung entwickeln, überzeugen. Das ist nicht nur für Fachleute erkennbar. Auch Zuschauer ohne tiefes Hintergrundwissen sehen sofort, ob ein Ritt harmonisch ist oder nicht. Harmonie wird in Zukunft noch wichtiger werden.
Wie wird Dressur ihres Erachtens in der Öffentlichkeit wahrgenommen?
Dressur fasziniert Menschen, nicht nur jene, die selbst reiten. Um Dressur gut zu finden, ist das Gesamtbild des Pferd-Reiter-Paares entscheidend. Wenn ein Pferd sich wohlfühlt und gerne arbeitet, dann spricht das auch Menschen außerhalb des Sports an. Umgekehrt gilt genauso: Bilder, die nicht überzeugen, werden kritisch hinterfragt. Dieses Bewusstsein hat deutlich zugenommen. Dessen sind wir uns bewusst. Unsere Arbeit als Bundestrainer und Ausbilder orientiert sich an klaren Werten: der Skala der Ausbildung, dem Ausdrucksverhalten und der Gesundheit des Pferdes. Wir möchten Sport mit motivierten, losgelassenen und ausdrucksstarken Pferden zeigen.
Welche Rolle spielt das mit Blick auf Aachen 2026?
Eine zentrale. In Aachen wird die internationale Aufmerksamkeit enorm sein – sportlich, aber auch gesellschaftlich. Wir müssen zeigen, dass unser Sport verantwortungsvoll betrieben wird und das Pferd dabei im Mittelpunkt steht. Das heißt nicht, dass es auch im Spitzensport nicht mal einzelne Fehler oder auch einmal einen angespannten Moment geben kann. Entscheidend ist das Gesamtbild in der Prüfung und auch schon auf dem Vorbereitungsplatz. Wenn wir den Pferdesport langfristig sichern wollen – auch im olympischen Kontext –, müssen wir überzeugen.
Viele fragen sich bereits, wer in Aachen im Team starten wird. Wie früh legen Sie sich fest?
Noch gar nicht. Wir haben in Balve bei den Deutschen Meisterschaften und im Sommer in Hagen a.T.W. unsere offiziellen Sichtungen. Danach entscheiden wir. Das deutsche Team ist keine geschlossene Gesellschaft. Auch neue Paare sollen ihre Chance bekommen, sich zu empfehlen. Zudem wissen wir: Im Pferdesport kann jederzeit etwas passieren. Deshalb ist es wichtig, in der Breite gut aufgestellt zu sein – und das sind wir.
Ein Blick auf einzelne Paare: Welche Entwicklungen stimmen Sie besonders zuversichtlich?
Wir sehen in mehreren Bereichen sehr positive Entwicklungen. Bei Isabell Werth und Wendy de Fontainebleau ging es vor allem darum, Routine aufzubauen – insbesondere im Grand Prix Special. Das Pferd entwickelt sich weiter, und die zusätzliche Turniererfahrung hilft dabei sehr. Frederic Wandres und Bluetooth zeigen sich in sehr guter Form. Das Pferd wirkt gereift, motiviert und konstant – das ist aufgefallen und ein wichtiger Schritt nach vorn.
Bei Katharina Hemmer sieht man sehr deutlich, wie gut sie ihr Pferd inzwischen kennt. Sie geht sehr sensibel auf die Bedürfnisse von Denoix ein. Das führt zu der positiven Entwicklung, die wir aktuell sehen. Und auch bei Ingrid Klimke und Vayron gab es entscheidende Anpassungen. Veränderungen im Training und beim Gebiss haben dazu geführt, dass das Pferd deutlich zufriedener und entspannter wirkt. Das war in Hagen klar erkennbar und könnte ein wichtiger Schlüssel für die Zukunft sein.
Was wünschen Sie sich persönlich für Aachen 2026?
Ich wünsche mir, dass wir Sport zeigen, hinter dem wir alle stehen können. Natürlich wollen wir erfolgreich sein – das gehört dazu. Aber genauso wichtig ist für mich, dass wir harmonische Bilder zeigen und eine positive Atmosphäre schaffen. Wenn uns das gelingt, wird Aachen nicht nur sportlich erfolgreich, sondern auch ein starkes Signal für den Pferdesport insgesamt. Das ist mir besonders wichtig.
Was macht Aachen für Sie persönlich besonders?
Die Atmosphäre. Gerade die Momente im großen Stadion – das Publikum, die Stimmung – das ist einzigartig. Das sind Eindrücke, die bleiben.
Ihr Fazit zum Saisonstart?
Wir sind auf einem guten Weg. Entscheidend ist jetzt, diesen Weg konsequent weiterzugehen – mit dem richtigen Fokus auf harmonisches Reiten.
Vielen Dank für das Gespräch.




























