Zwischen Erfolgsserie und Gelassenheit: Der Dressurreiter Dressurreiter über ein außergewöhnliches Jahr
Die vergangenen Monate hätten für Moritz Treffinger kaum erfolgreicher verlaufen können: Gold bei der Deutschen U25-Meisterschaft und Gold bei der U25-Europameisterschaft mit Cadeau Noir, Teilnahme am Weltcup-Finale mit Fiderdance. Doch statt sich von den Erfolgen treiben zu lassen, setzt der Dressurreiter auf Ruhe, Dankbarkeit und Vertrauen in seine Pferde. Im Interview erzählt der 22-Jährige, wie er mit Verantwortung wächst, warum Leichtigkeit für ihn der Schlüssel ist – und was er sich vom WM-Jahr in Aachen erhofft.
Moritz, wenn du auf das Jahr 2026 blickst – wie fühlt sich das für dich an?
Moritz Treffinger: Verrückt. Es geht alles unfassbar schnell. Wenn ich zurückblicke, auch auf die letzten anderthalb Jahre, fühlt es sich an wie ein Traum, der sich Stück für Stück erfüllt. Ich muss mich manchmal wirklich kneifen, ob das alles gerade real ist. Deshalb versuche ich vor allem, es bewusst zu genießen.
Die Liste deiner Erfolge ist lang – Sieg bei der Deutschen U25-Meisterschaft, Gold bei den U25-Europameisterschaften, Teilnahme am Weltcup-Finale. Wie realisierst du, was im vergangenen Jahr passiert ist?
Treffinger: Ehrlich gesagt: gar nicht direkt. Es kommt oft erst Wochen später bei mir an, was da eigentlich passiert ist. Ich glaube, was mir hilft, ist meine Einstellung: Ich bin gerade in einer Position, in der ich keinen Druck habe. Ich muss mich nicht unbedingt für ein Team empfehlen – ich darf dabei sein, lernen, Erfahrung sammeln. Das ist ein großes Privileg.
Mit welchem Wort kannst du beschreiben, wie du dich gerade fühlst?
Treffinger: Riesenglück – und vor allem Dankbarkeit. Ich weiß, wie viele gern an meiner Stelle wären. Gerade meine Position auf Gestüt Bonhomme bedeutet mir extrem viel. Dass ich diese Chance bekommen habe, ist nicht selbstverständlich. Ich versuche, ihr jeden Tag gerecht zu werden.
Du warst erst 19, als du dort angefangen hast. Wie viel Mut hat dich das gekostet?
Treffinger: Ich war eher mutig als zögerlich. Ich habe mir gesagt: Ich kann nur gewinnen. Aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, mich zu bewerben, wenn nicht klar gewesen wäre, dass man auch einen jungen Reiter fördern möchte. Ich hatte damals weder die Erfahrung noch die breite Ausbildung. Dass es dann von der ersten Mail bis zum Umzug nur zwei Wochen gedauert hat, war schon rasant.
Wie sehr bist du in diesen drei Jahren gewachsen – als Reiter und als Mensch?
Treffinger: Komplett. Ich habe nicht nur sportlich viel gelernt, sondern auch im Alltag. Auf einmal trägt man Verantwortung – für Pferde, für Abläufe, für ein ganzes Team. Ich plane den Tag jedes einzelnen Pferdes, entscheide über Training, Paddock, Tierarzt, Physio. Das ist eine riesige Verantwortung und ich musste lernen, Aufgaben abzugeben. Ich liebe es, meine Pferde zu versorgen, ja zu umtüddeln. Dafür nehme ich mir bewusst Zeit, weiß aber auch, dass andere das genauso gut können.
Und gleichzeitig bin ich einfach angekommen. Am Anfang wird man natürlich erst einmal beobachtet. Heute habe ich das Gefühl, Teil eines echten Teams zu sein – mit den Menschen und den Pferden.
Du sprichst von Verantwortung – aber auch von Ehrfurcht gegenüber den Pferden. Wie wichtig ist diese Haltung für dich?
Treffinger: Extrem wichtig. Gerade bei Hengsten merkt man schnell: Da kann man nichts erzwingen. Das ist ein Zusammenspiel aus Respekt und Vertrauen – und das muss man sich erarbeiten. Für mich bedeutet das, sehr genau hinzuhören und jeden Tag individuell zu entscheiden, was das Pferd braucht.
Wie gelingt dir das im Alltag?
Treffinger: Mit Abwechslung und dem Anspruch, die Pferde zu motivieren. Ich definiere mich ein bisschen wie einen Lehrer: Ich will derjenige sein, bei dem die „Schüler“ Lust haben mitzuarbeiten. Wenn ein Pferd an einem Tag nicht in Form ist, muss ich das akzeptieren und den Plan anpassen. Das gehört dazu. Dann frage ich mich, wie ich am nächsten Tag meinen Schüler noch besser abholen kann und was er braucht, um motiviert mitzuarbeiten.
Überträgt sich dein Mindset auch auf deine Pferde?
Treffinger: Ich glaube schon. Gerade meine Hengste sind sehr ausgeglichen, sowohl zu Hause als auch auf Turnieren. Sie spüren, wenn ich ruhig bin – und ich glaube, das gibt ihnen Sicherheit. Dieses Vertrauen zahlt sich dann auch im Viereck aus.
Du hast ein ungewöhnliches Ziel für diese Saison: nämlich gar keins.
Treffinger: (lacht) Ja, das stimmt. Nach dem Weltcup-Finale habe ich mir gesagt: Für dieses Jahr geht es nicht um Ergebnisse, sondern um Entwicklung. Mit jüngeren Pferden wie Florida Keys oder Morricone möchte ich Erfahrung sammeln. Wenn dann etwas Großes daraus entsteht, ist das schön – aber ich will nichts erzwingen. Zudem werde ich auch mit Cadeau Noir und Fiderdance weiter Erfahrungen sammeln. Ich lerne in dieser Zeit sehr viel – von und mit den Pferden. Ich darf auf traumhaften Turnieren reiten und die Pferde ermöglichen mir dies. Dafür bin ich sehr dankbar.
Ein Blick nach vorn: Was wünschst du dir vom WM-Jahr in Aachen?
Treffinger: Vor allem, dass die Leidenschaft für den Sport wieder stärker in den Vordergrund rückt. Ich wünsche mir, dass man sieht, wie sehr wir den Sport mit den Pferden lieben und wie sehr wir die Pferde als unsere Partner schätzen. Pferde sind keine Maschinen – man kann nichts erzwingen. Wenn ein Pferd wirklich losgelassen ist, dann zeigt es das auch.
Ich habe beim Weltcup-Finale in den USA erlebt, wie positiv die Stimmung sein kann – das war fast wie eine Party. Ich wünsche mir für Aachen,dass die Freude am Sport spürbar wird und die Begeisterung überschwappt. Ich werde auf jeden Fall nach Aachen fahren, um vor Ort mitzufiebern. Wenn man ein solches Event vor Ort hat, darf man sich das nicht entgehen lassen. Ich möchte das deutsche Team anfeuern und Aachen wird Gänsehautmomente liefern. Da bin ich mir sicher. Pferdesport Deutschland/sag
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