Pferdesport Deutschland schließt sich breitem Verbändebündnis an
Die Weidetierhaltung steht an einem entscheidenden Punkt – ökologisch, ökonomisch und gesellschaftlich. Mehr als 80 Bundes‑, Landes‑ und Regionalverbände haben sich nun in einem bislang einmaligen Schulterschluss zusammengeschlossen und ein gemeinsames 10‑Punkte‑Papier zur Zukunft der Weidetierhaltung unterzeichnet. Auch Pferdesport Deutschland ist Teil dieses Bündnisses. Die zentrale Botschaft ist unmissverständlich: Ohne eine tragfähige Perspektive für die Weidetierhaltung sind Arten‑, Biotop‑ und Klimaschutz in weiten Teilen Deutschlands nicht zu leisten.
Beweidung ist Natur‑ und Gemeinwohlschutz
Extensive Weidehaltung mit Schafen, Ziegen, Rindern – und ausdrücklich auch mit Pferden – ist eines der effizientesten Instrumente des landwirtschaftlichen Arten‑ und Biotopschutzes. Sie leistet einen entscheidenden Beitrag zur Umsetzung nationaler und europäischer Verpflichtungen, etwa im Rahmen von Natura 2000 sowie der EU‑Natur‑Wiederherstellungsverordnung.
Weidetiere und ihre Halterinnen und Halter sind damit mehr als landwirtschaftliche Akteure: Sie sind Gemeinwohl‑ und Ökosystemdienstleister. Gerade Pferde spielen dabei eine besondere Rolle. Sie erhalten offene Landschaften, strukturreiche Wiesen und Weiden – Flächen, die für den Artenschutz von hoher Bedeutung sind und nur durch sinnvolle, extensive Nutzung dauerhaft erhalten bleiben können.
Hoher Druck auf Betriebe, Vereine und Flächen
Gleichzeitig steht die Weidetierhaltung seit Jahren unter massivem Druck. Ursachen sind unter anderem:
- unzureichende Wirtschaftlichkeit und fehlende Planungssicherheit,
- wachsende Nachweis‑ und Dokumentationspflichten,
- hohe Sanktionsrisiken,
- zunehmende Nutzungskonkurrenzen um Flächen
- sowie die regionale Ausbreitung von Beutegreifern.
Die Folgen sind bereits sichtbar: Sinkende Tierbestände führen dazu, dass ökologisch besonders wertvolle Grünlandflächen vielerorts nicht mehr fachgerecht gepflegt werden können. Ein weiterer Rückgang hätte gravierende Auswirkungen auf Biodiversität und Kulturlandschaften.
Nationale Weidestrategie dringend erforderlich
Das Bündnis von über 80 Organisationen fordert daher die Entwicklung einer ressortübergreifenden Nationalen Weidestrategie. Diese soll Weidetierhaltung als zentrale Bewirtschaftungsform fest in der Agrar‑, Natur‑ und Klimaschutzpolitik verankern.
Eine Schlüsselrolle wird dabei die Ausgestaltung der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 spielen. Angesichts sinkender EU‑Mittel steht der Bund vor der Herausforderung, knappe Ressourcen gezielt einzusetzen. Die Forderung des Bündnisses ist klar: Weidetierhalter müssen als Schlüsselakteure des Natur‑ und Landschaftsschutzes gezielt und einkommenswirksam unterstützt werden.
Pferdesport besonders betroffen
Für pferdehaltende Vereine und Betriebe spitzt sich die Lage aktuell weiter zu. Im Zuge der Umsetzung der EU‑Natur‑Wiederherstellungsverordnung ist die Bundesregierung verpflichtet, bis September 2026 einen nationalen Maßnahmenkatalog vorzulegen. In den laufenden Diskussionen stehen auch Vorschläge im Raum, die einer ökologisch sinnvollen Nutzung von Flächen durch Beweidung entgegenlaufen – etwa Nutzungsverbote auf Naturschutzflächen.
Der Druck auf verfügbare Weideflächen nimmt zu. Flächen werden knapper, teurer oder ganz entzogen. Für viele Pferdebetriebe wird es dadurch zunehmend schwer – bis hin zur Unmöglichkeit –, geeignete Weideflächen zu sichern.
Klares Signal an Politik, Verwaltung und Gesellschaft
Pferdesport Deutschland unterstützt deshalb ausdrücklich die Forderungen der Plattform GRÜNLAND:
- ein klares politisches und gesellschaftliches Bekenntnis zur Weidetierhaltung,
- eine einfache, praxistaugliche Förderbürokratie,
- einkommenswirksame Programme für Natur‑, Umwelt‑ und Klimaschutz,
- sowie eine gezielte Förderung von Nachwuchs und Ausbildung.
Ohne ausreichende, verlässliche Finanzierung der nicht am Markt vergüteten Gemeinwohlleistungen und ohne ausreichend qualifizierte Nachwuchskräfte fehlt der Weidetierhaltung jede Perspektive – und damit die Grundlage für das, was Politik und Gesellschaft zu Recht erwarten: nachhaltigen Natur‑, Umwelt‑ und Klimaschutz in der Fläche.
Das Positionspapier wurde an die zuständigen Bundes‑ und Landesministerien für Landwirtschaft und Umwelt übermittelt. Weitere Verbände sind ausdrücklich eingeladen, sich dem Bündnis anzuschließen. Pferdesport Deutschland wird diesen Prozess weiterhin aktiv begleiten – im Interesse des Pferdes, der Betriebe, der Vereine und der Kulturlandschaft.
PM Pferdesport Deutschland/sag




























