Reutlingen. Wieder einmal ging das Gespenst „Pferdesteuer“ im Lande um! Die Stadt Reutlingen befasste sich am Donnerstag, 26. März 2026, damit. Der Gemeinderat - bzw. eine „Koalition williger Fraktionen“, insgesamt sollen sich sieben Parteien dazu abgestimmt haben, beriet die Verabschiedung des Haushalts für 2026/2027 und einigte sich dafür schon im Dezember „geheim“ auf eine gemeinsame Liste der „Grausamkeiten“. Hintergrund der ganzen Aktion war wohl die Tatsache, dass der Haushalt der Stadt nicht genehmigungsfähig war und man nun quasi hinter verschlossenen Türen zur Tat schritt, um der Blockade durch die übergeordnete Behörde zu entgehen. Die Tagesordnung dazu sah demnach vor, auch über eine Pferdesteuer zu beschließen. Angesetzt waren laut Reutlinger General-Anzeiger 50.000 Euro an Einnahmen. Das verlief dann freilich doch nicht ohne die Aufmerksamkeit der Pferdefreunde aus dem Land im Allgemeinen und im Besonderen aus dem Pferdesportverband Baden-Württemberg. Rolf Berndt aus Dornstadt, beim Verband in Sachen Pferdesteuer führend aktiv, hatte noch vor der Abstimmung Informationen an Stadt und Gemeinderat verschickt, um die Haltung des Verbandes zu verdeutlichen und darzulegen, warum es eine Pferdesteuer nicht geben dürfe bzw. keinen Sinn habe. Die meisten Pferdefreunde hatten von den Plänen der Stadt erst knapp fünf Tage vor der Sitzung des Gemeinderats aus dem Reutlinger General-Anzeiger erfahren, was an sich ein schlechtes Licht auf die Kommunikationswilligkeit der Stadt und der Räte wirft. Die Geheimhaltung hatte also weitgehend geklappt – am Bürger vorbei, den sie eigentlich betrifft. Ob das gutes demokratisches Verhalten ist, muss man sich schon fragen. Gerade in den Kommunen wird doch immer betont, die Bürgerschaft ernst zu nehmen.
Die Beschlussfassung wurde von den Pferdefreunden beobachtet
So war es denn klar, dass die öffentliche Sitzung von Pferdefreunden besucht wurde, die auch ihre Ansichten zur Pferdesteuer kundtaten. Sie befürchteten jedoch, dass „die Pferdesteuer knallhart kommt“, sagte eine Pferdebesitzerin gegenüber dem PRESSEDIENST. Und so war es dann wohl auch. Was dazu eine weitere Beobachterin bei der Gemeinderatssitzung vermerkte, sei hier zitiert (ihr Name ist der Redaktion bekannt): „Krass! Der ganze Haushaltsplan wurde geheim schon seit Dezember in den Fraktionen beraten und abgestimmt und der gesamte Haushalt incl. Pferdesteuer wurde mit Ausnahme der AfD einstimmig verabschiedet.“ Es gäbe ein bisschen Hoffnung, dass die Pferdesteuer noch abgewendet werden kann, erklärt die Beobachterin und sagte dem PRESSEDIENST: „Zumindest muss zuerst die Stadtverwaltung einen Vorschlag für die Steuer ausarbeiten, über den der Gemeinderat nochmal abstimmen muss.“ Da werde sich dann der Widerstand der Pferdefreunde erneut zeigen: „Da müssen wir vorher Überzeugungsarbeit leisten. Vielleicht kommt die Verwaltung sogar zu dem Schluss, dass sich die Steuer nicht lohnt. Oder im Gegenteil, dass sie sehr hoch sein muss, damit sie sich lohnt.“ Und das Innenministerium muss dann wohl noch das letzte Wort haben.
Dem Reiterjournal machte Timo Diebold, Besitzer und Juniorchef der Reitanlage Erlenhof in Reutlingen und Zweiter Vorsitzender des Pferdesportkreises Reutlingen deutlich, dass ihn die Pläne geschockt hätten. Er hat die Sitzung verfolgt. „Wir wurden überrumpelt“, ärgert sich auch Heiko Müller, der Vorsitzende des Reutlinger Reitervereins gegenüber dem Reiterjournal. Die Zeit war für ihn und seine Mitstreiter knapp, um zu reagieren. Dennoch: In wenigen Tagen sammelten sie Material mit vielen Argumenten gegen die Pferdesteuer, die vom Pferdesport Deutschland (FN) den Vereinen zur Verfügung gestellt wurden. Aber es war wohl zu spät, die Finanznot in Reutlingen zu groß, als dass die Schriftstücke noch Gehör gefunden hätten, meinte Müller im Reiterjournal. Die Reutlinger Pferdefreunde wollen allerdings nicht klein beigeben: „Jetzt haben die Reutlinger das Ziel, die Kommune und ihre Akteure auf dem Weg zur Umsetzung von der Ineffizienz einer Pferdesteuer zu überzeugen. Timo Diebold lässt gegenüber dem PRESSEDIENST durchblicken, dass man auch juristisch gegen die Einführung der Steuer vorgehen will. Timo Diebold sagte dem PRESSEDIENST, es sei unmöglich, dass man fünf Tage vor der Entscheidung von den Plänen der Stadt aus der Zeitung erfahren habe. „Gesprochen hat man mit den Reitvereinen und dem Pferdesportkreis nicht!“, kritisierte der PSK-Vertreter, der immerhin 27 Vereine in der Region um Reutlingen vertritt.
Pferdesteuer – teuer, hoch bürokratisch, effizienzlos, schädlich
Der Vorsitzende des Reitervereins Reutlingen, Heiko Müller, sorgt sich indes um die Zukunft seines Vereins und sagte dem Reiterjournal: „Wir machen Reitturniere und Jugendarbeit, das alles mit überwiegend ehrenamtlichem Einsatz, das alles steht auf dem Spiel.“ Auch er trifft auf das unsinnige Neidargument, Pferdebesitzer seien reiche Leute. „Bei uns sind Leute, die einer ganz normalen Arbeit nachgehen, um sich ein Pferd leisten zu können.“ Ob der Reiterverein Reutlingen überleben werde? „Ich kann das nicht garantieren“, sagte er im Reiterjournal. Timo Diebold ergänzte: „80 Prozent unserer Pferdebesitzer sind gar keine Reutlinger Bürger.“ Deshalb ist wohl die Pferdesteuer in Reutlingen juristisch fragwürdig – und ein Einspruchsgrund. Wie der Reiterverein, so fürchtet auch der Stall Erlengrund, der von der Familie Diebold geführt wird, um seine Existenz. Wird eine Pferdesteuer Realität, würden viele Pferdebesitzer in die Region ausweichen, also in Kommunen, die keine Pferdesteuer erheben. Ställe gibt es im weiteren Umkreis von Reutlingen bis hinauf auf die Alb viele. Abwanderung schwächt also die einheimischen Ställe und Vereine bis hin zur Existenznot. Und die Pferdesteuer kann so zu einem Rohrkrepierer werden – teuer, hoch bürokratisch, effizienzlos, schädlich. Schlechte Beispiele hatte man schon vor Jahren in Bad Soden-Allendorf und anderen Orten kennengelernt. Überall ist die „PS“ gescheitert unter Zurücklassung größerer Schäden. Man müsste sich halt nur ein wenig kundig machen, bevor man klammheimlich an der Steuererfindungsschraube dreht.
Man muss sich eigentlich wundern
Es verwundert immer wieder, dass es Räte gibt, die mit der Pferdesteuer liebäugeln und mit dem Vorurteil, dass Pferdebesitzer per se reiche Leute sind, denen man Geld abnehmen kann. Dabei vergessen diese Damen und Herren immer mehrere Dinge: Wer den Pferdebesitzern eine Steuer aufdrückt, schädigt im gleichen Atemzug die Jugendarbeit der Reitvereine und Reitschulen, die ohnehin finanziell an Grenzen kommen, weil sonst der Reitschulunterricht uferlos teuer wird und für viele Kinder und Jugendliche bzw. deren Eltern nicht mehr erschwinglich ist. Damit erschlägt man dann wertvolle Jugendarbeit und würgt gleichzeitig die Ehrenamtlichen ab, die gerade für die Jugend da sind. Der Pferdesportverband Baden-Württemberg, die FN im Allgemeinen, bemühen
sich schon länger darum, die Voraussetzungen für Reitunterricht zu fördern und stützen Vereine und Reitschulen mit finanziellen Angeboten. Das würde dort ins Leere laufen, wo man eine Pferdesteuer einführt. Andererseits ist es so, dass Städte wie Reutlingen die Vereinsarbeit fördern, je nach Finanzlage, und auf der anderen Seite ziehen sie den Reitvereinen und Pferdeleuten das Geld wieder aus der Tasche mit einer Pferdesteuer? Wie absurd ist das denn?
Pferde hält man nur sehr selten in einem Wohnzimmer
Außerdem darf man nicht mit der Hundesteuer argumentieren und auch nicht damit, es sei ungerecht, ein Haustier zu besteuern und Pferde nicht. Das geht nämlich am Sinn des Hundesteuergesetzes glatt vorbei: Die Hundesteuer ist gesetzlich vorgeschrieben als „Lenkungssteuer“, um in den Städten und Gemeinden die Zahl der Hunde zu begrenzen. Das ist der tiefere Sinn der Hundesteuer. Pferde hält man dagegen nur in ganz seltenen Fällen in einem Wohnzimmer im dritten Stock eines Wohnhauses, um ein wenig Ironie in die Sache zu bringen. Der Schaden, den eine Pferdesteuer anrichtet, ist ungleich höher als die Einnahmen je einspielen können: Reitbetriebe, Reitvereine mit Schulpferden werden über kurz oder lang Schaden nehmen, Pferdebesitzer, die ihre Pferde auf der Gemarkung von Reutlingen untergebracht haben, suchen sich außerhalb neue Unterkünfte ohne Pferdesteuer und wandern ab, was wiederum die Pensionsbetriebe schädigt, die ihrerseits als Unternehmen Gewerbesteuer bezahlen… Die Pferdesteuer schädigt insgesamt grundsätzlich die Jugendarbeit der Vereine und Reitbetriebe.
Pferdesteuer heißt Bürokratieaufbau
Vergessen wird dabei meist ein weiterer wichtiger Aspekt: Die Gemeinde oder Stadt, die eine Pferdesteuer einführen will, muss zunächst Bürokratie aufbauen: Das heißt, es muss eine Pferdesteuersatzung erstellt werden mit all ihren juristischen Facetten der Ermittlung der Zahl der Pferde und ihrer Besitzer sowie die Beschreibung von Ausnahmen für Therapiepferde, Zuchtpferde, Fohlen, Rentnerpferde, die nicht geritten werden usw. Der Besitzerwechsel von Pferden, der Wegzug, der Zuzug – alles muss kontrolliert und überwacht werden. Das ist nur mit massiver Bürokratie und Personalkosten zu leisten! Dazu kommen Klagen vor Gericht, die die Einführung einer Satzung zunächst einmal bremsen. Bis das Ganze also steht, ist der ersonnene Einnahmebetrag zunächst einmal schon aufgezehrt. Wer also glaubt, eine Pferdesteuer ist eine gute Idee, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten.
Die „PS“-Idee ist einfach schlecht!
Warum also kommt immer mal wieder jemand auf die Idee, eine „PS“ einzuführen? Offenbar, weil die „Neiddebatte“ nicht auszurotten ist. Noch einmal: Pferdebesitzer sind nicht grundsätzlich „reiche“ Leute und eine Pferdesteuer bringt mehr Schaden als Nutzen! Es gibt in Deutschland genug Beispiele für das Scheitern einer Pferdesteuer und damit verbundene schwere Schäden für die Jugendarbeit und die Betriebe. Man müsste sich nur mal vorher schlau machen oder fragen - z.B. bei den Pferdesportverbänden. Die kennen sich aus.
Die Reiter werden sich vorbereiten
Dieser Umgang mit den engagierten Bürgern und Ehrenamtlichen kostet Vertrauen. Dass die AfD gegen den Entwurf gestimmt hat, tut wenig zur Sache, denn sie war wohl nicht in die „geheimen Vorbereitungen“ der anderen Fraktionen eingebunden und hatte sich dem Vernehmen nach auch nicht weiter beteiligt. Eines ist allerdings klar: Die Pferdefreunde in Reutlingen, die Pferdsportkreise, der Regionalverband Württemberg, der Pferdesportverband Baden-Württemberg, die Vereinsvorstände, Pferdesport Deutschland (FN) und andere Verbände wie die Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland e. V. (VFD) bilden eine starke Wand gegen die Pferdesteuer. Die Reiterfamilie in ganz Deutschland blickt gespannt und empört zugleich auf die Stadt Reutlingen. Diese Einheit hatte bisher schon deutschlandweit die Kraft, Pferdesteuern in der Fläche zu verhindern. Sie werden ihre „Reiterattacken“ sicher gut vorbereiten.
Petition im Netz: Reutlingen darf keine Pferdesteuer erheben!
Inzwischen wurde im Internet eine Petition freigeschaltet, zu deren Unterzeichnung die Reutlinger Pferdebesitzerin Dr. Annika Esch aufgerufen hat. Sie bezeichnete die Entscheidung im Stadtrat Reutlingens als „unüberlegten politischen Schnellschuss“.
Der Link dazu lautet: https://innn.it/reutlingen-darf-keine-pferdest
Widerspruch der Pferdesportverbände
Klaus Dieterich, Präsident des Pferdesportverbandes Baden-Württemberg, sagte dem PRESSEDIENST: Er und die Pferdefreunde seien völlig überrascht gewesen von den Plänen der Stadt: „Ohne die Betroffenen zu hören, ohne die Chance einer Stellungnahme der Reiterverbände und Vereine sind wir da vor vollendete Tatsachen gestellt worden.“ Dieterich fragt: „Warum hat sich deutschlandweit die Pferdesteuer nicht durchgesetzt? Weil sie keinen Sinn hat! Hätte man die gewichtigen Gründe, die die Reiter angeführt haben, in Betracht gezogen, wäre die Entscheidung wahrscheinlich anders ausgefallen.“ Den Pferdebesitzern in Reutlingen empfiehlt er, ihre Netzwerke zu nutzen und sich auch direkt an die Stadtverwaltung und die Gemeinderäte zu wenden. Bis die Steuer in Kraft treten soll, also ab 2027, müssten die Pferdefreunde die Zeit nutzen. „Wichtig ist, dass sich alle engagieren!“
Frank Reutter, Präsident des Württembergischen Pferdesportverbandes, findet im Reiterjournal ebenfalls klare Worte, gehören die betroffenen Pferdefreunde doch zu seinem Regionalverband Württemberg. Er hat kein Verständnis dafür, dass im Reutlinger Stadtrat die Argumente der Pferdefreunde überhaupt nicht aufgegriffen worden sind: „Wir haben die Gemeinderatsmitglieder vorher angeschrieben und Argumente geliefert, aber ich glaube, sie haben es gar nicht gelesen. Wenn jetzt die Satzung erarbeitet wird, wird man auch im Reutlinger Rathaus merken, dass eine Pferdesteuer praktisch gar nicht umsetzbar ist und zu viele juristische Fragen aufwirft. Ich denke, auch im Reutlinger Rathaus gibt es vernünftige Leute, die wir überzeugen können.“
Heiner Eppinger, Vorsitzender der Fachgruppe Pferde haltende landwirtschaftliche Betriebe im Landesbauernverband kritisiert die geplante Steuer scharf in einer ausführlichen Stellungnahme, die dem PRESSEDIENST vorliegt. Eine Pferdesteuer gefährde u.a. die landwirtschaftlichen Betriebe und würde auch den Naturschutz belasten, den die Pferde haltenden Betriebe durch ihre Weidehaltung gewährleisten. Falle der weg, müsste vieles von der öffentlichen Hand finanziert werden; „Die Entscheidung der Stadt Reutlingen, eine Pferdesteuer einzuführen, trifft die Landwirtschaft im
Kern, und ist ein falsches Signal für den ländlichen Raum!“
Fazit
Die Pferdefreunde rund um den Stadtbezirk Reutlingen werden ihre Lehren aus den Beratungen des Gemeinderats ziehen und sich wappnen, um die Pferdesteuer zu verhindern. Die Kräfte werden gerade gebündelt. Das wird kein leichter Gang, aber er lohnt sich und bekommt öffentlich mehr Unterstützung als sich die Freien Wähler vorstellen. Sie richten sich wohl auch auf Widerspruch ein, wie sie laut Besuchern der Sitzung zugegeben haben. Die Freien Wähler sind nämlich offenbar die Erfinder des Vorschlags, eine Pferdesteuer einzuführen. Und die anderen sechs Fraktionen haben in der Sache auch nicht weiter nachgedacht, ist zu vermuten. Dass die sieben Fraktionen den Haushaltsentwurf vorbereitet und en block ohne Detaildiskussion abgenickt haben, die Vereine, den Pferdesportkreis uninformiert ließen, wird als völlig unmöglich wahrgenommen. Der Reutlinger General-Anzeiger berichtete am 28. März 2026 sehr ausführlich über die Entscheidung. Der Beitrag erweckt den Eindruck, als habe die Stadt einfach mal eine Hausnummer von 50.000 Euro in die Welt gesetzt, aber: „Es war noch keine Zeit, sich vertiefter mit den Modalitäten auseinanderzusetzen“, zitiert das Blatt die städtische Pressestelle. Bezeichnend für den Umgang mit den Bürgern und steuerbetroffenen Pferdehaltern ist auch folgende Bemerkung im GEA: Fraktionsvorsitzender Georg Leitenberger habe auf Nachfrage erklärt: „Zunächst ‚flapsig dahergeredet‘ habe man die Idee in Zusammenhang mit der Erhöhung der Hundesteuer“ angesprochen. Die Zeitung stellt abschließend fest: „Der Aufruhr in der Szene reicht weit über die Stadtgrenzen hinaus.“ Und das wird auch so sein, denn die Pferdefreunde und Landwirte sind argumentativ und personell gut aufgestellt, um den Pferdesteuerplänen von Reutlingen Paroli zu bieten.
Quelle: Pressedienst des Pferdesportverbands Baden-Württemberg vom 30.03.2026 Auto: -stb-





























