„Akzeptanz entsteht nicht durch Lautstärke, sondern durch Transparenz“

Foto: Dr. Dennis Peiler ist seit einem Jahr Vorstandsvorsitzender - Fotograf: M. Kaup

Foto: Dr. Dennis Peiler ist seit einem Jahr Vorstandsvorsitzender - Fotograf: M. Kaup

Seit einem Jahr Vorstandsvorsitzender: Dr. Dennis Peiler im Interview

Die Verschmelzung von FN und DOKR, die wirtschaftliche Stabilisierung des Verbandes, der Start von Pferdesport Deutschland, die Weltmeisterschaften in Aachen und die Olympiabewerbung: Hinter Dr. Dennis Peiler liegt ein bewegtes erstes Jahr als Vorstandsvorsitzender. Im Interview spricht er über Erfolge, Herausforderungen und die Zukunft des Pferdesports.

 

Vor einem Jahr haben Sie den Vorstandsvorsitz von Pferdesport Deutschland übernommen. Wenn Sie heute zurückblicken: War dieses Jahr eher Sprint oder Marathon?

 

Dennis Peiler: Beides. Wir haben in kurzer Zeit sehr viel bewegt. Gleichzeitig ging es nicht darum, möglichst schnell Veränderungen umzusetzen, sondern die richtigen Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Die neue Marke Pferdesport Deutschland, die Zusammenführung von FN und DOKR, erfolgreiche Weltmeisterschaften in Aachen oder die wirtschaftliche Stabilisierung des Verbandes. Manches ist uns im Sprint gelungen, bei anderen Dingen befinden wir uns noch auf der Marathonstrecke. Zum Glück mag ich persönlich sowohl Kraft- als auch Ausdauersport.

 

Wenn Sie eine Bilanz ziehen müssten: Was war der wichtigste Schritt des vergangenen Jahres?

 

Nach zwei turbulenten Jahren galt es erst einmal, wieder Ruhe in den Verband zu bekommen. Wir haben unser Profil geschärft und begonnen, den Pferdesport stärker aus einer gemeinsamen Perspektive zu denken.

 

Viele verbinden mit Pferdesport Deutschland zunächst ein neues Logo. Was steckt tatsächlich dahinter?

 

Wir wollen den Pferdesport verständlicher machen. Nach innen und nach außen. Für uns stehen Pferdewohl, Fairness und Wissen im Mittelpunkt. Gleichzeitig wollen wir mehr Menschen erreichen und ihnen den Zugang zum Pferd ermöglichen. Unser Ziel ist es, aus Pferdebegeisterung noch mehr Verantwortung für das Tier entstehen zu lassen. Am 24. November findet zum Beispiel unser Tierschutztag statt. Renommierte Experten erklären dort, wie pferdegerechte Ausbildung gelingt. Das sind die Themen, die uns bewegen.

 

Die Zusammenführung von FN und DOKR war nicht unumstritten. Warum war dieser Schritt notwendig?

 

Weil wir Kräfte bündeln müssen. Die wirtschaftlichen Herausforderungen für den Pferdesport werden nicht kleiner. Deshalb brauchen wir schlanke Strukturen und klare Verantwortlichkeiten. Die Verschmelzung dient keinem Selbstzweck. Sie macht uns stärker, schneller und effizienter. Weniger Verwaltungsaufwand bedeutet mehr Ressourcen für den Pferdesport und die -zucht.

 

Trotz aller Veränderungen gab es auch Herausforderungen. Pferdesport Deutschland ist seit einem Jahr ohne Hauptsponsor. Wie sehr beschäftigt Sie das?

 

Natürlich wünschen wir uns einen starken Partner an unserer Seite. Aber wir haben gleichzeitig gezeigt, dass wir wirtschaftlich handlungsfähig sind. Das war in diesem Jahr ein wichtiges Signal. Und wir führen sehr gute Gespräche mit möglichen weiteren Sponsoren. Der Blick geht nach vorn, nicht zurück und wir suchen eine langfristige Partnerschaft, die zueinander passt.

 

Auch die Al Shira'aa Bundeschampionate standen zuletzt im Fokus. Wie bewerten Sie deren Entwicklung?

 

Die Al Shira'aa Bundeschampionate sind eines der Aushängeschilder des deutschen Pferdesports. Umso wichtiger ist es, dass sie wirtschaftlich stabil aufgestellt sind. Das ist uns 2025 und 2026 gelungen. Gleichzeitig müssen wir uns immer wieder fragen, wie wir die Veranstaltung für die Zukunft weiterentwickeln können. Daran arbeiten wir. Tradition bewahrt man nicht, indem man stehen bleibt.

 

Sportlich war das Jahr außergewöhnlich erfolgreich. Hat die Weltmeisterschaft in Aachen Ihre Erwartungen erfüllt?

 

Sie hat sie sogar übertroffen. Die Stimmung, die Zuschauerzahlen und die sportlichen Leistungen haben gezeigt, welches Potenzial unser Sport besitzt. Wir haben eine nie dagewesene Nähe zwischen Spitzensportlern und Zuschauern erlebt. Aachen hat Menschen weit über die Pferdesportfamilie hinaus begeistert, das belegen die Zahlen der Berichterstattung. Die Weltmeisterschaften waren ein Sommermärchen für den Pferdesport. Und ein wichtiger Fingerzeig: In Aachen kamen Top-Sportler mit jungen Menschen zusammen, die auf Schulpferden reiten lernen. Unser Projekt „100 Schulpferde plus“, das wir gemeinsam mit der Reit-WM umsetzen, hat sehr viel Aufmerksamkeit erfahren. Das freut mich persönlich. Jedes Kind profitiert vom Kontakt mit dem Pferd. Das ist meine feste Überzeugung.

 

Besonders bemerkenswert war 2026 die Breite der Erfolge. In der Dressur haben deutsche Teams aller Altersklassen Gold gewonnen. Wie erklären Sie sich diese Stärke?

 

Solche Erfolge entstehen nicht zufällig. Dahinter stehen Vereine, Ausbilder, Eltern, Besitzer, Ehrenamtliche und viele engagierte Menschen. Die Medaillen sieht man auf dem Podium. Die eigentliche Arbeit passiert jeden Tag zuhause auf den Reitplätzen und im Stall. Spitzensport wächst nicht auf dem Podium, sondern durch engagierte Menschen und gute Strukturen. Das gilt für alle Disziplinen, denn auch in der Vielseitigkeit, im Springen, im Parasport und in unseren nicht-olympischen Disziplinen haben wir herausragende Erfolge feiern können.

 

Gleichzeitig steht der Pferdesport immer wieder unter gesellschaftlicher Beobachtung. Muss die Branche lernen, besser zuzuhören?

 

Ja. Wir sollten Kritik weder reflexartig zurückweisen noch ignorieren. Unser Auftrag ist es, transparent zu erklären, wie wir arbeiten und welche Verantwortung wir für unsere Pferde übernehmen. Wir stehen für einen Pferdesport mit Herz und Haltung. Akzeptanz entsteht nicht durch Lautstärke, sondern durch Transparenz.

 

Sie haben sich in diesem Jahr für eine deutsche Olympiabewerbung ausgesprochen. Warum?

 

Weil große Sportereignisse Menschen begeistern und Nachwuchs fördern können. Das haben wir bei der Weltmeisterschaft in Aachen erlebt. Wir brauchen solche Leuchttürme. Große Sportveranstaltungen schaffen mehr als Medaillen. Sie schaffen Zukunft. Olympische Spiele im eigenen Land. Das würde einen Ruck durch Deutschland verursachen und unsere Gesellschaft stärken.

 

Zum Abschluss: Wo soll Pferdesport Deutschland in fünf Jahren stehen?

 

Ich wünsche mir, dass Deutschland sportlich und in der Zucht weiterhin die führende Pferdesportnation der Welt ist. Gleichzeitig möchte ich, dass unser Sport in der Mitte der Gesellschaft bleibt, weil die Menschen sehen, mit wie viel Verantwortung, Wissen und Leidenschaft wir uns für Pferde einsetzen.

 

Vor allem aber wünsche ich mir einen Pferdesport, der in der Breite stark verankert ist. Einen Pferdesport, zu dem Kinder, Jugendliche und Familien Zugang haben. Deshalb müssen wir uns dafür einsetzen, dass der Umgang mit Pferden und der Einstieg in den Pferdesport bezahlbar bleiben.

 

Nicht zuletzt ist das Pferd ein sehr wichtiger Wirtschafts- und Standortfaktor in Deutschland. Von Zucht und Landwirtschaft über Handel und Dienstleistungen bis hin zu Vereinen und Turnierveranstaltern hängen viele Arbeitsplätze und Existenzen am Pferd. Diese wirtschaftliche Stärke gilt es zu sichern und für die Zukunft weiterzuentwickeln.

 

Pferdesport Deutschland/sag

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