Foto: Andrew Hoy und sein Pferd Vassily auf der Geländestrecke in Aachen - Fotograf: ALRV/Arnd Bronkhorst
Die lebende Vielseitigkeitslegende Andrew Hoy reist mit vielen positiven Emotionen und seinem langjährigen Sportpartner Vassily in den Allianz Park. Der 67-Jährige ist mit sechs olympischen und zwei WM-Medaillen bereits hochdekoriert – ausruhen kommt für den Australier aber nicht infrage. Im Interview spricht Andrew Hoy darüber, welche Erwartungen er an die FEI World Championships hat, welche Rolle seine langjährige Erfahrung spielt und wie wichtig seine Familie für ihn ist.
Sie waren 2006 bei den Weltreiterspielen in Aachen dabei. Welche Erwartungen haben Sie nun, 20 Jahre später, an die Weltmeisterschaften?
Andrew Hoy: Es wird eine großartige Veranstaltung werden. Das ist das Erste, was mir in den Sinn kommt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie perfekt Aachen sich 2006 vorbereitet hat. Deshalb habe ich keinerlei Zweifel hinsichtlich der Qualität des Bodens, der Stallungen und der Durchführung der gesamten Veranstaltung.
Mit Dressur, Gelände und Springreiten vereinen Sie beim FEI Eventing World Championship – DHL-Preis drei gleichwertige Disziplinen. Worauf freuen Sie sich am meisten?
Andrew Hoy: Ich weiß, dass der Geländeparcours, der von Giuseppe Della Chiesa entworfen wurde, kein Spaziergang werden wird. Er wird echte Herausforderungen auf Weltmeisterschaftsniveau bieten. Vassily und ich müssen bestmöglich vorbereitet sein, um unsere beste Leistung zu zeigen. Aber worauf ich mich am meisten freue, ist das Publikum, das nach Aachen kommt – es gibt jedem das Gefühl, etwas ganz Besonderes zu sein. Das gibt es so nur in Aachen.
Sie sind bereits mit zahlreichen Medaillen dekoriert. Haben Sie trotzdem noch Ziele für die FEI World Championships?
Andrew Hoy: Als ich das letzte Mal bei einer Weltmeisterschaft in Aachen war, haben wir eine Bronzemedaille gewonnen. Es wäre natürlich toll, das zu übertreffen. Aber es ist eine WM, und es gibt so viele, die dort antreten und gut abschneiden könnten. Wir träumen immer davon, mit einer Medaille nach Hause zu kommen. Aber alles, was ich tun kann, ist, die bestmögliche Leistung zu zeigen – für das australische Team, für mich selbst und auch für das Team um mich herum.
Glauben Sie, dass Ihre Erfahrung dabei helfen wird? Oder kann es auch ein Vorteil sein, wenn man ein junger Athlet ohne Vorbehalte ist?
Andrew Hoy: Das ist eine sehr gute Frage, denn manchmal habe ich als junger, unerfahrener Athlet erstaunliche Leistungen gezeigt, aber ich habe auch absolute Katastrophen erlebt. Ich würde sagen, dass mir das Wissen, das ich jetzt habe, vor allem im mentalen Bereich hilft. Ich weiß, wann ich Druck auf mich selbst ausüben muss und wie ich diesen Druck annehmen kann.
Haben Sie einen Rat für Sportler, die jetzt zum ersten Mal in ihrer Karriere an einer WM teilnehmen?
Andrew Hoy: Was ich häufig bei Leuten beobachte, die ihre erste Weltmeisterschaft reiten, ist: Sie investieren so viel, sie widmen dem Training übermäßig viel Zeit und gehen dabei extrem ins Detail – doch genau diese Detailversessenheit führt dazu, dass sie das Pferd und sich selbst überfordern. Deshalb sage ich vielen Leuten, die zu ihrer ersten Weltmeisterschaft fahren: Es ist einfach ein weiteres Turnier, nur dass die ganze Welt zuschauen wird (lacht). Versucht also, mit der Einstellung hinzufahren, dass es nichts Anderes oder Großartiges ist, sondern bleibt ruhig und ändert nichts an eurer Routine.
Wie würden Sie Ihre Gefühle in drei Worten beschreiben, wenn Sie an die FEI World Championships Aachen 2026 denken?
Andrew Hoy: Darüber muss ich kurz nachdenken. Es sind viele Gefühle, aber die drei wichtigsten sind ganz sicher Stolz, Fokus und Aufregung.
Ihre Familie wird ebenfalls vor Ort sein. Was bedeutet Ihnen ihre Unterstützung?
Andrew Hoy: Meine Frau Steffi wird in Aachen in vielen verschiedenen Rollen dabei sein, aber die wichtigste Rolle für mich ist die meines persönlichen Gegenpols, der mich in jeder Situation ausgleicht. Wir haben schon so viele Turniere gemeinsam bestritten und verbringen viel Zeit mit der Familie, deshalb kennt sie mich wie niemand sonst. Als Sportler gibt es Momente, in denen man einfach Zeit für sich allein oder nur mit einer einzigen anderen Person braucht, der man sehr nahesteht, um den Kopf nicht mit so vielen anderen Aspekten zu überladen. Und dann sind da natürlich noch Philippa und Oscar, die kleine Fan-Gruppe. Sie sind sechs und acht Jahre alt und total aufgeregt. Vor ein paar Tagen haben sie ihre australischen Team-Trikots und ihre kleinen australischen Fähnchen gefunden und alles eingepackt. Sie sind also bereit für die Action – und ich auch.
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PM





























