Holsteiner Verband Hengsthaltungs GmbH - Felix Flinzer und Olaf Rörden im Interview: „Mit Sporterfolgen die Zukunft ...

Foto: Zuccero HV von Zirocco Blue unter Maximilian Weishaupt - Fotograf: Stefan Lafrentz

Foto: Zuccero HV von Zirocco Blue unter Maximilian Weishaupt - Fotograf: Stefan Lafrentz

Wie lässt sich die Holsteiner Zucht langfristig stärken und gleichzeitig die sportliche Karriere ihrer Hengste gezielt fördern? Mit einer neuen strategischen Ausrichtung will die Holsteiner Verband Hengsthaltungs GmbH Sport und Zucht künftig noch enger miteinander verknüpfen. Olaf Rörden, Vorsitzender des Holsteiner Verbandes, und Felix Flinzer, Geschäftsführer der Holsteiner Verband Hengsthaltungs GmbH, erläutern im Interview die Hintergründe des Konzepts, die wirtschaftlichen Chancen und ihre Vision für die Zukunft der Hengsthaltung des Holsteiner Verbandes.

 

Herr Flinzer, Herr Rörden, Sie wollen Sport und Zucht künftig noch enger miteinander verknüpfen. Was hat den Ausschlag dafür gegeben, diesen strategischen Weg einzuschlagen – und was soll sich dadurch für die Holsteiner Verband Hengsthaltungs GmbH konkret verändern?

 

Felix Flinzer: Wir müssen die wirtschaftlichen und züchterischen Rahmenbedingungen realistisch betrachten. Rückläufige Bedeckungszahlen stellen die gesamte Pferdezucht vor Herausforderungen. Gleichzeitig wissen wir, welche Bedeutung sportliche Erfolge für die Wahrnehmung und Vermarktung von Hengsten haben. Deshalb wollen wir diese beiden Bereiche künftig noch konsequenter miteinander verbinden. Unser Anspruch ist es, die sportliche Karriere unserer Hengste gezielt zu nutzen, um die Leistungsfähigkeit der Holsteiner Zucht international sichtbar zu machen.

 

Olaf Rörden: Entscheidend ist, dass wir Sport nicht isoliert betrachten, sondern als Teil einer langfristigen Strategie. Wir möchten ausgewählte Hengste unter bestmöglichen Bedingungen im internationalen Spitzensport entwickeln, ihre Bekanntheit steigern und die daraus entstehenden wirtschaftlichen Möglichkeiten wieder in unsere Zucht investieren. Damit schaffen wir eine Verbindung zwischen sportlichem Erfolg, wirtschaftlicher Handlungsfähigkeit und der langfristigen Sicherung unserer Genetik.

 

Ausgewählte Hengste sollen gezielt in den internationalen Spitzensport gebracht und ihre Sportrechte vermarktet werden. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, welche Hengste für dieses Modell infrage kommen?

 

Felix Flinzer: Im Mittelpunkt stehen zunächst die genetischen Voraussetzungen, das sportliche Potenzial und die züchterische Perspektive eines Hengstes. Wir müssen einschätzen können, ob er die Qualität besitzt, sich langfristig im anspruchsvollen Sport zu behaupten. Gleichzeitig spielt seine Bedeutung für die Zucht eine wichtige Rolle. Denn wir wollen nicht einfach Hengste abgeben, sondern gezielt solche entwickeln, deren sportliche Karriere auch einen nachhaltigen Mehrwert für unsere Züchter schaffen kann.

 

Olaf Rörden: Ebenso wichtig sind die individuellen Entwicklungsmöglichkeiten und die Bedingungen, unter denen ein Hengst sportlich gefördert werden kann. Wir setzen deshalb auf Kooperationen mit international erfolgreichen Reitern, die das Potenzial eines Pferdes optimal entwickeln können. Unser Ziel ist es, die Hengste möglichst weit nach oben zu bringen – im Idealfall bis zu Championaten und in die Global Champions Tour. Dafür braucht es eine langfristige Perspektive und eine sorgfältige Auswahl.

 

Ein zentraler Punkt ist die Trennung von Sport- und Zuchtrechten. Welche wirtschaftlichen Möglichkeiten eröffnet dieses Modell dem Verband – und welchen konkreten Vorteil hat es für die Holsteiner Züchter?

 

Felix Flinzer: Die Trennung von Sport- und Zuchtrechten eröffnet uns die Möglichkeit, die sportliche Entwicklung eines Hengstes wirtschaftlich zu nutzen, ohne ihn dauerhaft für die Zucht zu verlieren. Durch die Vermarktung der Sportrechte können finanzielle Mittel generiert werden, während wir an der züchterischen Nutzung beteiligt bleiben. Das schafft zusätzliche Handlungsspielräume und hilft uns, die wirtschaftliche Basis der Hengsthaltungs GmbH langfristig zu stärken.

 

Olaf Rörden: Für unsere Züchter ist entscheidend, dass diese Strategie nicht zulasten der züchterischen Verfügbarkeit geht. Im Gegenteil: Wir wollen attraktive Hengste langfristig für die Zucht sichern und gleichzeitig die Voraussetzungen für wirtschaftlich tragfähige Konditionen schaffen. Die Erlöse aus den Sportrechten sollen dazu beitragen, die Hengsthaltung weiterzuentwickeln, neue Genetik zu erschließen und unseren Züchtern auch künftig ein leistungsstarkes Hengstangebot zur Verfügung zu stellen.

 

Mit „TG wie frisch“ gibt es bereits ein Modell, um Sporthengste auch während ihrer aktiven Karriere für die Zucht nutzbar zu machen. Wie soll dieses Angebot künftig ausgebaut werden, und wo sehen Sie dabei noch Herausforderungen?

 

Felix Flinzer: Mit „TG wie frisch“ haben wir bereits positive Erfahrungen gesammelt. Das Modell ermöglicht es, Sporthengste auch während ihrer aktiven Karriere für die Zucht nutzbar zu machen. Diesen Ansatz wollen wir weiter ausbauen, damit sportlicher Erfolg und züchterische Verfügbarkeit künftig noch besser miteinander vereinbar sind.

 

Olaf Rörden: Die Herausforderung besteht darin, die sportlichen Anforderungen und die Bedürfnisse unserer Züchter sinnvoll miteinander zu verbinden. Eine internationale Sportkarriere erfordert eine professionelle Betreuung und eine durchdachte Planung. Gleichzeitig erwarten die Züchter eine zuverlässige Verfügbarkeit und eine gute Qualität des Samens. Hier müssen wir organisatorische, veterinärmedizinische und logistische Voraussetzungen schaffen, die beiden Seiten gerecht werden. Unser Ziel ist es, die Möglichkeiten über TG hinaus weiterzuentwickeln und die Nutzung unserer Hengste möglichst praktikabel zu gestalten.

 

Die Erlöse aus dem Verkauf von Sportrechten sollen unter anderem in den Ankauf von Fohlen und jungen Hengsten sowie in die Rückführung wertvoller Holsteiner Genetik investiert werden. Das ist ja eigentlich nicht neu?

 

Felix Flinzer: Nein, der Gedanke, gezielt interessante Fohlen und junge Hengste anzukaufen und wertvolle Genetik für Holstein zu sichern, ist grundsätzlich nicht neu. Neu ist vor allem die konsequente Verknüpfung mit der Vermarktung von Sportrechten. Wir schaffen damit eine zusätzliche wirtschaftliche Grundlage, um solche Investitionen gezielt und nachhaltig umzusetzen. Es geht also nicht darum, Bewährtes zu ersetzen, sondern unsere bisherigen Möglichkeiten sinnvoll zu erweitern.

 

Olaf Rörden: Genau darin liegt der entscheidende Unterschied. Wir wollen einen Kreislauf schaffen, in dem sportlicher Erfolg wirtschaftlichen Spielraum erzeugt, der anschließend wieder der Zucht zugutekommt. Wenn wir durch die internationale Entwicklung unserer Hengste zusätzliche Mittel erwirtschaften, können wir diese in vielversprechende Fohlen, junge Hengste und die Rückführung wertvoller Holsteiner Genetik investieren. Damit stärken wir die Population und erweitern unsere züchterischen Möglichkeiten. Entscheidend ist, dass diese Investitionen nicht isoliert betrachtet werden, sondern Teil einer langfristigen Strategie für die Zukunft der Holsteiner Zucht sind.

 

Crack HV und Zuccero HV stehen beispielhaft für die neue Strategie. Wie sähe aus Ihrer Sicht der Idealfall aus – von der Auswahl eines jungen Hengstes über seine sportliche Entwicklung bis zu seiner späteren Rückkehr in die Holsteiner Zucht?

 

Felix Flinzer: Der Idealfall beginnt mit einem jungen Hengst, der sowohl genetisch als auch sportlich außergewöhnliche Voraussetzungen mitbringt und für die Holsteiner Zucht interessant ist. Wir erwerben oder sichern ihn frühzeitig, entwickeln ihn gezielt weiter und bringen ihn in die Hände eines international erfolgreichen Reiters. Dort erhält er die Möglichkeit, sein Potenzial unter professionellen Bedingungen auszuschöpfen und sich auf höchstem Niveau zu präsentieren. Wenn er internationale Erfolge erzielt, steigert das nicht nur seinen eigenen Wert, sondern auch die Sichtbarkeit der Holsteiner Zucht insgesamt.

 

Olaf Rörden: Im nächsten Schritt nutzen wir diese sportliche Entwicklung wirtschaftlich, indem wir die Sportrechte vermarkten und gleichzeitig die züchterischen Rechte sichern. Idealerweise bleibt der Hengst durch ein Modell wie „TG wie frisch“ auch während seiner aktiven Sportkarriere für unsere Züchter verfügbar. Nach einer erfolgreichen Laufbahn kehrt er dann nach Elmshorn zurück und steht der Holsteiner Zucht erneut umfassend zur Verfügung. Crack HV und Zuccero HV zeigen, welche Chancen in diesem Ansatz liegen. Unser Ziel ist es, solche Erfolgsgeschichten langfristig zu ermöglichen und daraus einen nachhaltigen Kreislauf zu entwickeln: von der gezielten Auswahl über internationale Sporterfolge bis hin zur Rückführung wertvoller Genetik in unsere Population.

 

Quelle: www.holsteiner-verband.de

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