Foto: Deutschland wird Zweiter im Nationenpreisfinale der Vielseitigkeitsreiter in Boekelo, der Einzelsieg geht an Julia Krajewski und Ero de Cantraie - Fotograf: (c) Lutz Kaiser
Julia Krajewski gelingt ein dritter Sieg in Boekelo
Beim Nationenpreisfinale der Vielseitigkeitsreiter in den Niederlanden hat das deutsche Team ganz knapp den Mannschaftssieg verpasst und wurde Zweiter hinter Großbritannien. In der Einzelwertung war jedoch Julia Krajewski nicht zu schlagen. Im Sattel von Ero de Cantraie sicherte sich die Olympiasiegerin von Tokio ihren dritten Sieg und schrieb damit ein Stück Boekelo-Geschichte.
Auch im Nationenpreis selbst wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. Erstmals war die niederländische Traditionsveranstaltung in Boekelo nicht nur letzte Station der seit 2012 ausgetragenen Nationenpreisserie, sondern ein „echtes“ Finale. Das heißt, es wurden für den Sieg keine Serienpunkte addiert, vielmehr ging es für alle qualifizierten Nationen wieder bei Null los.
Von Beginn an lief das Turnier auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Boekelo-Vorjahressieger Großbritannien und Vorjahres-Seriensieger Deutschland hinaus. Mit gerade einmal 0,9 Minuspunkten Vorsprung aus Dressur und Geländeritt startete das deutsche Team ins abschließende Springen. Als erste Deutsche musste Pauline Knorr mit ihrer Hannoveraner Stute Aevolet M-A-F (v. Abke) in den Parcours, blieb fehlerfrei, war jedoch drei Sekunden zu langsam. Arne Bergendahl lieferte anschließend mit Bronco NRW eine Nullrunde fürs deutsche Team. Danach verschaffte allerdings Christoph Wahler mit Gainsbourg de Bedon den Briten mit zwei Abwürfen einen Puffer, den diese zu nutzen verstanden. Zwar unterlief auch deren letzter Reiterin, Ex-Weltmeisterin Yasmin Ingham mit Kinda Corvette, ein Fehler, doch der Sieg war dem britischen Team nicht mehr zu nehmen – auch wenn Julia Krajewski als allerletzter Starterin noch eine Nullrunde für Deutschland gelang. 84,4 lautete das Ergebnis der Briten, die Deutschen kamen auf 87,0 Minuspunkte.
Das Duell zwischen Irland und den USA um Bronze endete mit 97,5 Minuspunkten zugunsten der Iren, die Amerikaner wurden mit 105,4 Minuspunkten Vierte von insgesamt neun teilnehmenden Teams.
Positives Fazit von Andreas Dibowski
„Es war wieder ein interner Battle zwischen England und Deutschland. Die Briten waren reiterlich stark, mit guten Pferden am Start und lagen nach der Dressur knapp vorne. Umso stolzer bin ich, dass wir uns im Gelände zunächst die Führung holen konnten – aus eigener Kraft, das war ganz große Klasse. Die Mannschaftsaufstellung hat gut gepasst und unsere Reiter haben die Erwartungen voll erfüllt. Die zwei Abwürfe im Springen waren so nicht zu erwarten und wahrscheinlich ärgert sich Christoph selbst am meisten darüber. Auch die Einzelreiter haben gut abgeliefert. Es gab nur einen Run-out im Gelände, das war wirklich Pech und der einzige Wermutstropfen an diesem Tag“, zog Bundestrainer Andreas Dibowski, der selbst zweimal Boekelo gewinnen konnte, ein positives Fazit. „Das Turnier ist immer ein wahnsinniges Highlight. Was der Veranstalter hier aufzieht, ist einmalig. So tolle Bedingungen vom Wetter und Boden her hatten wir aber noch nie. Ich kann mich nicht erinnern, hier früher mal im T-Shirt herumgelaufen zu sein.“
Bisher einmaliger Hattrick für Julia Krajewski
Dass es am Ende noch ein echtes Happy End für Deutschland wurde, dafür sorgte die bereits erwähnte Nullrunde im Parcours von Julia Krajewski und ihrem zwölfjährigen französischen Wallach Ero de Cantraie. Damit gelang den beiden ein unangefochtener Start-Ziel-Sieg. Krajewski startete von Platz eins in der Dressur, kam fast auf den Punkt ins Ziel der Geländestrecke und stellte im Springen einmal mehr ihre Nervenstärke unter Beweis. Lediglich ein Zeitfehler (0,4 Minuspunkte im Gelände) verhinderte, dass das Paar das CCI4*-L auch mit seinem Dressurergebnis beendete. Endstand: 24,3 Minuspunkte. Für Krajewski war dies bereits der dritte Sieg in Boekelo nach 2018 mit Samourai du Thot und 2024 mit Uelzeners Nickel. Sie ist bisher die Einzige, der dieser Hattrick in der 55-jährigen Geschichte dieses Events gelang.
Mit seinem Dressurergebnis von 27,7 Minuspunkten konnten Arne Bergendahl und der selbst gezogene Westfale Bronco NRW die Prüfung beenden und sich damit gegenüber dem Vorjahr um einen Rang verbessern: Platz vier. Nur 3,2 Zeitstrafpunkte im Gelände und 1,2 im Parcours bedeuteten für Pauline Knorr ein Endergebnis von 35,0 Minuspunkten (Platz 22). Ihr Ergebnis wurde damit zum Zählergebnis, während Christoph Wahler, der dank einer fehlerfreien Geländerunde zunächst auf Platz fünf gelegen hatte, im Springen auf 35,5 Minuspunkte kam und auf Platz 24 zurückfiel.
Insgesamt waren zehn deutsche Paare in Boekelo am Start, von denen neun die Geländestrecke ohne Hindernisfehler beendeten. "Es war eine wirklich tolle, geschlossene Mannschaftsleistung, die unsere Reiter hier gezeigt haben. Auch unsere jüngeren Reiter haben bewiesen, dass sie sich in so einem renommierten Starterfeld nicht verstecken müssen", sagte Equipechefin Dr. Annette Wyrwoll.
Neben den vier deutschen Teamreitern konnte sich noch Brandon Schäfer-Gehrau mit Very Special einen Platz in den Top 25 sichern, genauer gesagt sogar in den Top Ten. Mit einem Endstand von 31,0 Minuspunkten belegte er Platz neun.
U25-Wertung: Platz vier für Ann-Catrin Bierlein
Wie immer durfte sich Boekelo über eine große Starterzahl freuen, insgesamt 93 Paare. 14 Reiter waren unter 25 Jahre alt. Für sie gab es eine eigene Sonderwertung, die der US-Amerikaner Jack Curtis mit Luska Candy Clover für sich entscheiden konnte. Ann-Catrin Bierlein, Teamsilbermedaillengewinnerin und Neunte der in diesem Jahr erstmals ausgetragenen U25-Weltmeisterschaften, gehörte zu den drei Reitern, die das Gelände völlig fehlerfrei beendeten. Mit dem 18-jährigen Sir Scotty war sie zudem die Schnellste unter ihnen. Insgesamt belegte sie in ihrer Altersklasse Platz vier, in der Gesamtwertung bedeutete das Platz 33.
Pferdesport Deutschland/Hb
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