Berlin. Ganz aktuell hat sich jetzt auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit Sitz in Berlin kritisch mit der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) auseinandergesetzt. In einem Positionspapier kommt er zu dem Ergebnis, dass der einfache Gebührensatz als wirtschaftlich auskömmliche Vergütungseinheit konzipiert sei. Trotzdem würden bei der Leistungsregulierung in der Praxis regelmäßig höhere Gebührensätze zur Anwendung kommen. Zentrale Regelungen der GOT seien nicht hinreichend bestimmt, so der GDV. Hierdurch würde die Transparenz und Akzeptanz der Gebührenordnung beeinträchtigt. Dabei handelt es sich nicht um subjektive Wahrnehmungen, sondern um die Auswertung einer fundierten Datengrundlage, die der GDV aus mehr als zwei Millionen Leistungsfällen pro Jahr gewonnen hat. Damit greift der GDV Kritikpunkte auf, die die Vereinigung Deutscher Tierhalter (VDTH) schon seit 2023 vorgebracht hat.
Nach den 2022 angekündigten Gebührensteigerungen schlossen immer mehr Tierhalter Versicherungen ab, um sich vor hohen Tierarztrechnungen zu schützen. Die Versicherungen unterschätzten aber offensichtlich das tatsächliche Ausmaß der Gebührenerhöhungen und die Folgen einer zunehmend offensiven Ausschöpfung der Spielräume der GOT durch verschiedene Tierärzte und Tierkliniken. Selbst die Bundestierärztekammer (BTK) bestätigt, dass es zu versicherungsoptimierten Abrechnungen komme, die zwar berufsethisch verwerflich, aber dennoch mit den Bestimmungen der GOT vereinbar seien. Als Konsequenz wurden von den Versicherungen Tarife angepasst, Prämien teilweise drastisch erhöht oder Versicherungsverträge gekündigt.
Warum die Versicherungen seit über drei Jahren auch offensichtlich überhöhte Rechnungen generös zu Lasten der Versichertengemeinschaft reguliert und keinen Versuch einer gerichtlichen Klärung von Auslegungsfragen unternommen haben, erschließt sich nicht. Schließlich verfügen die Versicherungen über die finanziellen Möglichkeiten und das notwendige Know How, um den Rechtsweg zu beschreiten
„Dieses lange Zögern der Versicherungen hat im Ergebnis auch zu den steigenden Tierarztkosten beigetragen", so Sabine Reimers-Mortensen, erste Vorsitzende des VDTH. „Umso mehr begrüßen wir, dass sich jetzt auch die Versicherungswirtschaft kritisch mit der GOT auseinandergesetzt hat. Unsere Forderung nach fairen und transparenten Tierarztgebühren für die Versorgung der etwa 35 Mio. Heimtiere bekommt damit weiteren Rückenwind."
PM






























