Foto: Julia Krajewski und Uelzener's Nickel auf dem Weg zu ihrem fünften Deutschen Meistertitel - Fotograf: © Stefan Lafrentz
(Osnabrück) Einen Monat vor den FEI World Championships Aachen wird auf dem Hof Kasselmann nicht nur im Dressurviereck auf höchstem Niveau trainiert. Auch Olympiasiegerin Julia Krajewski nutzt die Bedingungen im Osnabrücker Land für den letzten Feinschliff ihrer Vorbereitung. Gemeinsam mit weiteren deutschen Vielseitigkeitsreitern absolviert sie regelmäßig intensive Galoppeinheiten auf einer eigens präparierten Trainingsstrecke am Hof Spiegelburg zwischen Hagen a.T.W. und Osnabrück.
Für Vielseitigkeitspferde gehört das Galopptraining zu den wichtigsten Bausteinen der Saisonvorbereitung. Gerade auf Championatsniveau entscheidet eine optimale Fitness häufig über Erfolg oder Misserfolg im Gelände. „Je anspruchsvoller die Prüfungen sind, die die Pferde am Ende absolvieren, desto besser müssen sie trainiert werden“, sagt Krajewski.
Während der Turniersaison steht für die Pferde etwa alle sechs Tage eine Galoppeinheit auf dem Programm. Über Monate hinweg wird die Kondition systematisch aufgebaut und erhalten. Für Profireiter wie Julia Krajewski bestimmt dieser Rhythmus sogar den Alltag.
„Grundsätzlich würde ich sagen, wir planen unser Leben eigentlich nach unserem Galopptraining. Im Sommer fahre ich auch nicht länger als fünf Tage in Urlaub, weil sonst das Galoppieren nicht mehr passt“, sagt sie lachend.
Jede Trainingseinheit folgt einem klaren Ablauf. Nach mindestens zehn Minuten Schritt und rund zwanzig Minuten lösender Gymnastikarbeit beginnt das eigentliche Intervalltraining. Je nach Alter, Ausbildungsstand und Trainingsziel absolvieren die Pferde mehrere Galoppintervalle unterschiedlicher Länge. Dabei führt die Strecke bewusst sowohl bergauf als auch bergab.
„Das tatsächliche Galopptraining kommt immer ein bisschen aufs Pferd an. Manche absolvieren zwei, andere drei Intervalle. Wir reiten dabei auch den Berg hinunter. Das hilft vor allem den jüngeren Pferden zu lernen, bergab im Gleichgewicht zu bleiben.“
Neben dem Training selbst spielt der Untergrund eine entscheidende Rolle. Die Galoppstrecke auf dem Hof Spiegelburg wird in enger Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR) und dem Team des Hof Kasselmann präpariert und instand gehalten. Kurz vor den Weltmeisterschaften wird der Boden nochmals gezielt vorbereitet.
„Gerade wurde noch einmal Wasser gefahren, damit die Pferde optimal auf Aachen vorbereitet werden. In der kommenden Woche wollen wir die Strecke noch einmal aerifizieren und leicht sanden. Je besser die Bodenverhältnisse sind, desto intensiver und gleichzeitig schonender können die Pferde trainieren.“
Für Krajewski ist diese Zusammenarbeit ein wesentlicher Bestandteil der WM-Vorbereitung: „Gerade was den Boden angeht, ist die Zusammenarbeit mit dem Hof Kasselmann wirklich sehr unkompliziert. Ulli Kasselmann und sein Team um Marten Zurhorst sagen immer: Sagt uns einfach, was ihr braucht. Alles, was wir umsetzen können, wird möglich gemacht. Das ist für uns natürlich ein großer Vorteil.“
Die Vorbereitung beschränkt sich dabei längst nicht mehr allein auf das Reiten. Gemeinsam mit Experten der Leistungsdiagnostik und Tierärzten werden zum Beispiel auch Herzfrequenz und Laktatwerte der Pferde ausgewertet. Die Daten geben Aufschluss darüber, wie der Organismus auf die Belastung reagiert, wie schnell sich das Pferd erholt und ob die Trainingsintensität optimal gewählt wurde. Ziel ist nicht nur die bestmögliche Vorbereitung auf die Anforderungen eines Championats, sondern auch die langfristige Gesunderhaltung der Pferde.
Mit Uelzener's Nickel und Tullabeg Platinum zählt Julia Krajewski nach ihrem erneuten Deutschen Meistertitel zu den aussichtsreichsten deutschen Kandidatinnen für die FEI World Championships Aachen. Ob sie zum deutschen Aufgebot gehört, entscheidet sich nach der letzten Sichtung beim internationalen Vielseitigkeitsturnier in Avenches (SUI) vom 16. bis 19. Juli. Bis dahin bleibt das Galopptraining auf Hof Spiegelburg ein fester Bestandteil der Vorbereitung – und ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Weltmeisterschaft.
PM






























