Foto: Michael Jung und Chipmunk gelang ein fehlerfreier Ritt im Gelände - Fotograf: ALRV/Arnd Bronkhorst
Im DHL-Preis stand für die Vielseitigkeitsreiter heute die Geländeprüfung auf dem Programm. Dabei lieferten die Favoriten ab.
„Das war Freude pur“, sprudelte es aus einem sichtlich gelösten Michael Jung, nachdem er im Sattel seines bewährten Sportpartners fischerChipmunk FRH den technisch anspruchsvollen Kurs der Geländestrecke in der Soers fehlerfrei und innerhalb der Zeit absolviert hatte. Gründe für seine Zufriedenheit gab es viele. An erster Stelle stand die Leistung seines inzwischen 18-jährigen Hannoveraner Wallachs, der die an ihn gestellten Aufgaben entlang der Strecke mit Energie, Konzentration und beinahe spielerischer Leichtigkeit meisterte. „Mein Pferd hat es mir heute sehr einfach gemacht. Mit ihm ist es ein bisschen so wie mit einem guten Wein – er wird immer noch besser“, schwärmte Jung über die ungebrochene Leistungsbereitschaft seines vierbeinigen Partners, der in Aachen bereits das achte Championat seiner Karriere bestreitet. Hinzu kam die außergewöhnliche Kulisse: 35.000 Zuschauer säumten die Geländestrecke und sorgten für eine Atmosphäre, die selbst einen Routinier wie Jung beeindruckte. „Es war unglaublich viel los. Das war wirklich außergewöhnlich und hat uns richtig Rückenwind gegeben.“ Und auch der Kurs selbst trug seinen Teil zu einem rundum gelungenen Tag bei. Als 82. Starter war der 44-Jährige auf die Strecke gegangen – und fand Bedingungen vor, wie sie besser kaum hätten sein können: „Wir hatten ideale Voraussetzungen, der Boden war perfekt präpariert.“
Nach dieser tadellosen Vorstellung im Gelände bleibt es für das deutsche Duo bei 23,0 Punkten – ein Ergebnis, das Michael Jung und fischerChipmunk FRH vor dem abschließenden Springen an die Spitze des Klassements katapultierte. Doch die hochkarätige Konkurrenz lauert dicht dahinter: Mit den Briten Rosalind Canter und Lordships Graffalo (23,4), Laura Collett und London (23,6) sowie Tom McEwen und JL Dublin (26,6) folgen genau jene Paare, die bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 Mannschaftsgold für ihr Land gewonnen haben. Damit liegt Großbritannien auch in der Teamwertung klar in Führung und geht mit einem komfortablen Polster von mehr als drei Abwürfen in das Finale. Dahinter rangieren die deutsche Equipe mit 90,4 Punkten sowie die Mannschaft aus der Schweiz mit 106,5 Zählern.
Die Entscheidungen in der Einzel- wie in der Teamwertung fallen morgen ab 13 Uhr im Hauptstadion. Dafür hat sich Michael Jung vor allem eines vorgenommen: „Nicht den gleichen Fehler machen wie 2022.“ Damals verlor er bei den Weltmeisterschaften in Pratoni die Einzel-Goldmedaille mit einem Abwurf am letzten Hindernis. „Das spielt natürlich immer noch im Kopf mit“, gibt Jung ehrlich zu. „Aber wir hatten ja gestern schon Patzer in der Dressur. Ich hoffe, das bleiben die einzigen für dieses Wochenende.“
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