Alice Layher weiterhin vorn, Thomas Brüsewitz auf dem Vormarsch
Das deutsche Voltigierteam geht mit guten Medaillenchancen in die WM-Entscheidungen am Samstag. Im Technikprogramm der Einzelvoltigiererinnen holte Kathrin Meyer die Bestnote, Alice Layher verteidigte ihre Führung im Gesamtklassement. Bei den Herren machte Thomas Brüsewitz einen großen Sprung nach vorn, Bela Lehnen geht auf Rang drei in die abschließende Kür.
Kathrin Meyer gewinnt die Technik, Alice Layher bleibt vornDen Auftakt machten die Damen. Die beiden Favoritinnen – die amtierende Europameisterin Kathrin Meyer und die aktuelle Siegerin des Weltcupfinales Alice Layher – lieferten sich erneut ein knappes Rennen. Das beste Ergebnis im Technikprogramm erzielte Kathrin Meyer mit einer blitzsauberen Vorstellung. Mit Capitain Claus OLD und Longenführerin Gesa Bührig zeigte sie eine elegante und präzise Runde, die mit 8,669 Punkten belohnt wurde.
Im Gesamtklassement liegt weiterhin Alice Layher vorn. Ihr Pferd FBW Candy zeigte sich heute etwas beeindruckt von der Kulisse im Stadion, sodass die 24-Jährige an einigen Stellen improvisieren musste. „Für das Pferd war es eine große Atmosphäre hier, laut, relativ viele Zuschauer schon, viele Fahnen, aber sie hat das gut gemacht“, erklärte Longenführer Daniel Zembrot. Auch Layher meisterte die Herausforderung mit Bravour. „Also, wir sind an sich ganz gut durch das Programm gekommen“, sagte sie. „Es gibt immer noch ein paar Punkte, mit denen ich nicht ganz so zufrieden bin oder die ich eigentlich besser kann. Und wenn man das weiß, dann ist man am Anfang natürlich erstmal ein bisschen enttäuscht. Aber trotzdem können wir uns über die Runde freuen. An sich haben wir es gut gemeistert.“
Das sieht auch Bundestrainer Kai Vorberg so: „Alice ist sehr ehrgeizig und fordert von sich selbst immer die perfekte Runde ein. Daher kann es vorkommen, dass sie mit sich selbst nicht ganz zufrieden ist, auch wenn es von außen immer noch gut aussieht oder wenn sie in einer schwierigen Situation trotzdem eine super Lösung für eine Übung gefunden hat. Da muss man sie aufbauen, aber ihr auch eine andere Perspektive aufzeigen. Das kriegt sie aber mit etwas Abstand auch immer wieder gut hin.“ Mit 8,663 Punkten musste sich Layher in der Technik nur hauchdünn ihrer Teamkollegin Kathrin Meyer geschlagen geben. In der Gesamtwertung führt sie weiterhin mit gut einem Zehntel Vorsprung.
Auch die dritte deutsche Voltigiererin, Annemie Szemes, liegt weiterhin dicht an den Medaillenrängen. Mit 7,917 Punkten im Technikprogramm und 8,198 Punkten aus der Pflicht rangiert die 24-Jährige mit Rubinio und Longenführerin Nina Vorberg auf Rang fünf – nur ein Zehntelpunkt trennt sie von der aktuell auf Rang drei liegenden Kimberly Palmer (USA).
Thomas Brüsewitz und Bela Lehnen auf MedaillenkursVoller Überraschungen war das Technikprogramm der Herren und wurde zur Aufholjagd für die deutschen Teilnehmer. Beginnend mit Jannik Heiland, der nach dem enttäuschenden Pflichtprogramm am Tag zuvor wieder zurück in die gewohnte Spur fand und damit fünf Plätze gutmachen konnte. Vor der abschließenden Kür rangiert der 33-Jährige mit Rey Rubino und Longenführer Lars Hansen auf Platz 13.
Chancen auf einen Podiumsplatz kann sich Thomas Brüsewitz ausrechnen. Auch er war am ersten Tag etwas unter seinen Möglichkeiten geblieben. Die Erleichterung nach dem gelungenen Technikprogramm stand ihm daher ins Gesicht geschrieben. „Ich bin durch die Technik von vorne bis hinten eigentlich gut durchgekommen. Es gab ein, zwei Unsicherheiten, die haben wir aber, glaube ich, ganz gut überspielt. Belistano HF hat einen Bombenjob gemacht, Alex [Knauf] hat mal wieder geliefert und dem Pferd Sicherheit gegeben. Ja, ich bin mega stolz auf mein Team, mein Pferd, meine Longenführerin und mein ganzes Trainerteam, wie wir das so zusammen dieses Jahr gemeistert haben. Deswegen freue ich mich auch so über die Runde“, sagte er. Dank des mit 8,457 Zählern drittbesten Ergebnisses im Technikprogramm konnte auch er fünf Plätze gutmachen und reiht sich damit direkt hinter dem Spitzentrio auf Platz vier ein.
Direkt vor ihm belegt Bela Lehnen mit Max an der Longe von Sarah Krauß Rang drei im Zwischenstand. Zwar ordnete er sich mit seiner Technikvorstellung hinter Brüsewitz ein, konnte sich wegen seiner guten Pflicht aber ganz knapp vor ihm behaupten. Allerdings sind es nur Hundertstel, die die beiden deutschen Einzelvoltigierer voneinander trennen. Der Ausgang der Weltmeisterschaften ist vor der Kür damit komplett offen.
Das gilt auch mit Blick auf die beiden Spitzenpositionen. Dank eines Technikprogramms, in dem sich Höchstschwierigkeit an Höchstschwierigkeit nahtlos aneinanderreihte, zog das niederländische Ausnahmetalent Sam dos Santos an dem nach der Pflicht führenden Franzosen Quentin Jabet vorbei und übernahm mit insgesamt 8,568 Zählern nach Pflicht und Technikprogramm die Führung. Der amtierende Vizeweltmeister hatte stark begonnen, allerdings war sein Pferd Estado IFCE einmal in Trab gefallen und es brauchte eine halbe Runde, bis er wieder im Galopprhythmus war: Zeit, die Jabet für die Ausführung aller seiner Übungen fehlte. Im Zwischenstand fiel er dadurch auf Platz zwei zurück: 8,467.
Unfreiwillige Abgänge im Pas de DeuxEnttäuschte Gesichter gab es beim ersten Auftritt der Doppelvoltigierer. Beide deutschen Pas de Deux mussten einen unfreiwilligen Abgang hinnehmen. Für Jannik Heiland und Kimberly Hyks, die in Aachen ihren ersten gemeinsamen Championatsstart absolvierten, kam ein Stolperer ihres Pferdes Crashkurs (Longenführerin Andrea Harwardt) in einem so ungünstigen Moment, dass die 27-Jährige keine Chance hatte, das Gleichgewicht zu halten, und neben dem Pferd landete. Trotz der Abzüge erhielten die beiden noch 7,873 Punkte für ihre ansonsten gelungene, sehr ausdrucksstarke und anspruchsvolle Kür – Platz sieben im laufenden Ranking. Bei den Newcomern Philine Lindhorst und Cjell Aaron Richert mussten gleich beide Athleten vom Pferd. „Bei ihnen hat sich so ein kleiner Rhythmusfehler eingeschlichen, sodass die beiden kurz gegeneinander gearbeitet haben und das nicht mehr anders ausbügeln konnten, als vom Pferd runterzugehen“, erklärte Bundestrainer Kai Vorberg das Geschehen. Zwar war für das Duo, sein Pferd Chagall und Longenführerin Andrea Lindhorst schon allein die Nominierung ein Highlight ihrer noch jungen Karriere, dennoch war die Enttäuschung groß. Bei ihrer WM-Premiere gab es für sie nur 7,087 Punkte.
„Beide Pas de Deux haben in verschiedenen Settings schon sehr viel Potenzial bewiesen und das hier im Laufe des Programms auch gezeigt. In einer Situation ist es eben einmal nicht gelungen“, sagte Vorberg. „Das ist teuer und tut richtig weh, ist aber trotzdem etwas, das sie mitnehmen und verarbeiten müssen. Es ist natürlich auch nicht gerade einfach, wenn man sein erstes Championat ausgerechnet in Aachen hat. Das sind Erfahrungen, die manchmal dazugehören. Das ist im Spitzensport so. Was sie hier leisten, gehört ja nicht in die leichte Kategorie. Es ist wie im Springreiten: Da kann es auch einmal passieren, dass ein Olympiasieger im nächsten Parcours aus Versehen vorbeireitet.“ Pferdesport Deutschland/Hb/mly
Alle Infos zum Voltigieren bei der WM in Aachen, das Team im Überblick, Zeitplan und Wettkampfmodus gibt es hier: WM Voltigieren Aachen 2026




























