Foto: Cookie ist das neue Schulpferd beim ZRFV Rietberg-Druffel. Ihr Kauf wurde über die Initiative „100 Schulpferde plus“ gefördert. - Fotograf: Sabine Heüveldop
Mit Cookie im Glück
Mit Cool Spirit B, genannt Cookie, hat der ZRFV Rietberg-Druffel ein verlässliches Schulpferd gefunden. Die Schimmelstute schenkt Kindern Vertrauen – im Reitunterricht ebenso wie beim Voltigieren. In den Verein gekommen ist sie über „100 Schulpferde plus“, die gemeinsame Initiative von Pferdesport Deutschland und der Reit-WM in Aachen.
Cookie steht ruhig, während die Kinder um sie herum wuseln. Kleine Hände streichen über ihr helles Fell, Hufe werden ausgekratzt, jemand richtet den Voltigiergurt. Leoni Henrichs, im Verein für die Schulpferde zuständig, beobachtet die Szene. Die Schimmelstute wirkt, als hätte sie nie etwas anderes getan. Dabei gehört sie erst seit Kurzem zum ZRFV Rietberg-Druffel. Cookie ist ein Glücksfall. Sie bringt alles mit, was Vereine und Reitschulen oft lange suchen: eine solide Grundausbildung, ein ausgeglichenes Wesen und die Ruhe, die Kindern Sicherheit gibt.
Kleine Gruppen, großes Vertrauen
Der ZRFV Rietberg-Druffel, ein ländlicher Verein im Kreis Gütersloh, hält den Schulbetrieb bewusst klein. Vier Schulpferde stehen zur Verfügung. Montags, dienstags und donnerstags ist Reitunterricht. Zwei Unterrichtsstunden à 45 Minuten sind die Pferde im Einsatz. Die Kinder steigen nicht einfach nur aufs Pferd. Sie putzen, kratzen Hufe aus und satteln. „Die Kinder sollen bei uns eine Bindung zu den Pferden aufbauen – und auch lernen, selbstständig zu werden und Verantwortung zu übernehmen“, sagt Leoni Henrichs.
Doch als zwei Schulpferde alters- und krankheitsbedingt ausfielen, wurde es eng. „Mit nur vier Schulpferden war das kaum aufzufangen“, sagt Henrichs. „Wir wollten die Kinder nicht enttäuschen oder verlieren.“ Gleichzeitig sind gute Schulpferde rar – und teuer. Als das Projekt „100 Schulpferde plus“ von Pferdesport Deutschland gemeinsam mit der Reit-WM in Aachen ausgeschrieben wurde, bewarb sich Leoni Henrichs.
Losglück bei der fünften Ziehung
Am 8. Dezember vergangenen Jahres wurde der Verein in der fünften Ziehung ausgelost und erhielt 5.000 Euro Zuschuss, um ein Schulpferd zu kaufen –gesponsort vom Pferdesport Deutschland Club. Die Nachricht erreichte Leoni Henrichs im Skiurlaub. Im Verein war die Freude groß. Vor allem aber nahm der finanzielle Zuschuss Druck aus der Suche. Der Verein konnte nach einem Pferd schauen, das bereits eine gute Grundausbildung hatte und direkt im Schulbetrieb einsetzbar war. Ein junges oder rohes Pferd über Jahre aufzubauen, wäre kaum möglich gewesen. Darin waren sich Leoni Henrichs und Voltigiertrainerin Michelle Rausch einig. Schließlich läuft auch in Rietberg-Druffel vieles ehrenamtlich.
Gesucht: die Nadel im Heuhaufen
Der Zuschuss war sicher. Nun suchte Leoni Henrichs intensiv. Zuerst im Internet. Sie las Anzeigen, schaute Videos und schrieb Anbieter an. Bei Cool Spirit B blieb sie hängen. Die zehnjährige Stute war gut bemuskelt, solide ausgebildet und auf den Videos ruhig und korrekt geritten. Ein Video zeigte sie mit ihrer Reiterin im Wattenmeer. „Wenn ein Pferd das so cool mitmacht“, sagt Henrichs, „guckt man noch mal genauer hin.“
Sie schrieb der Besitzerin und erhielt kurz darauf eine Antwort. Die Familie hatte beschlossen, sich von der Stute zu trennen, weil die Tochter sportlich neue Ziele verfolgen wollte. Ihre Besitzer sahen aber auch, was die Stute auszeichnet: ihr ausgeglichenes Wesen, ihre solide Ausbildung und ihre Vielseitigkeit. Deshalb konnten sie sich gut vorstellen, dass sie im Nachwuchsbereich eine Aufgabe findet, die zu ihr passt. Genau dafür suchte der Verein: ein Pferd für Kinder, für Reitunterricht auf E-Niveau, für Reitbeteiligungen, vielleicht auch für das Voltigieren, denn das spielt im Verein ebenfalls eine große Rolle. Leoni Henrichs und Michelle Rausch waren sich sicher: Diese Stute wollten sie kennenlernen.
Im Schneesturm nach Dortmund
Der Besichtigungstermin fiel auf einen ungemütlichen Wintertag im Januar mit Schneesturm und Minusgraden. Auf der Autobahn ging es nur langsam voran. Leoni und Michelle erinnern sich noch gut – auch an die eisigen Füße beim Probereiten. Zuerst stieg Leoni auf, dann saß Michelle im Sattel, um zu sehen, wie die Stute auf unterschiedliche Reiterinnen reagiert. Cool Spirit B blieb ruhig. So ruhig, dass die beiden noch etwas wagten: Der Sattel kam herunter, der Voltigiergurt drauf. Für die Stute war das neu. Sie machte aber mit, als kenne sie das seit Jahren. „Sie war trotz der knackigen Kälte tiefenentspannt“, erinnert sich Leoni Henrichs. Und sie ließ sich sehr präzise longieren – ein Vorteil fürs Voltigieren. Nach dem Probereiten und dem ersten Versuch mit dem Voltigiergurt war klar: Diese Stute ist es.
Neues Zuhause, neuer Name
Im neuen Zuhause bekam Cool Spirit B schon bald einen Kosenamen: Cookie. Der Name kam von „cool“, erzählen die Kinder, weil die Stute so gelassen ist. „Und Cookie ist eben auch sehr süß“, ergänzt Feline. Cookie gibt den Kindern etwas, das im Reit- und Voltigierunterricht unbezahlbar ist: Vertrauen. Emilia erzählt, dass sie mal von einem Pferd gefallen sei und danach Angst hatte. „Bei Cookie habe ich keine Angst. Sie ist so lieb.“ Greta mag ihre weichen Gänge, und Emilia findet, Cookie sei gar nicht typisch Stute: „Stuten sind ja manchmal zickig, aber Cookie ist überhaupt nicht so.“
Was die Kinder begeistert, ist auch fachlich entscheidend. Beim Voltigieren muss ein Pferd ruhig bleiben, gleichmäßig gehen und aushalten können, dass sich Kinder auf seinem Rücken bewegen, hochziehen, umsetzen und den Gurt loslassen. Cookie gibt ihnen Sicherheit. „Ich kann gleich auch eine Rolle machen, wenn ich darf“, sagt Feline. Andere Pferde brauchten oft länger, um sich zum Beispiel an die Aufgänge der Voltigierer zu gewöhnen, erklärt Michelle Rausch. Cookie bleibt ruhig, selbst wenn sie mal unsicher wird. Liebevoll nennt die Trainerin Cookie eine „kleine Streberin“. Dank Cookie konnte eine neue Mannschaft gebildet werden – seit Juni trainieren sieben Mannschaften regelmäßig. Die Kleinsten fangen im Schritt an. Zusätzlich können die Voltis im Trainingsraum auf „Willi“, einem elektronischen Übungspferd, üben.
Mehr als nur brav
Auch im Reitunterricht zeigt sich, warum Cookie für den Verein so wertvoll ist. „Sie reagiert fein, will aber präzise Hilfen haben. Das lernt man auf ihr“, sagt Reitlehrerin Sabrina. Fortgeschrittene Reiter können auf Cookie neue Erfahrungen sammeln. Cool Spirit B war im Turniersport erfolgreich, vor allem in Springen bis Klasse A. Aus dieser Ausbildung bringt sie auch fliegende Galoppwechsel mit. Sie zum ersten Mal zu reiten, kann für fortgeschrittene Reiterinnen ein Aha-Erlebnis sein. Cookie lauft nicht abgestumpft Runde um Runde, sondern verlangt von ihren jungen Reitern, dass sie korrekt sitzen, sauber einwirken und sich konzentrieren. Wer auf ihr reitet, bekommt eine ehrliche Rückmeldung. Zugleich lasst Cookie sich auf unterschiedliche Charaktere ein: auf Kinder, die noch Sicherheit suchen, ebenso wie auf Reitschüler, die schon fortgeschritten sind. Josefina, Cookies neue Reitbeteiligung, gehört zu Letzteren. Als Sabrina fragt: „Traust du dich, einen kleinen Sprung zu machen?“, antwortet sie ohne Zögern: „Mit Cookie schon.“ Kurz darauf ist auch diese Premiere gegluckt – und Josefina strahlt. Genau diesen Spagat müssen gute Schulpferde schaffen: Sie sollen verlässlich genug sein, um unsicheren Kindern Sicherheit zu geben, gut genug ausgebildet, um sie weiterzubringen, körperlich geeignet für wechselnde Aufgaben und mental stark genug, um diese Wechsel auszuhalten. Cookie scheint all das mitzubringen. „Eigentlich haben wir die Nadel im Heuhaufen gefunden“, sagt Michelle Rausch.
Fürsorge gehört zum Konzept
Gerade weil Cookie so viel mitmacht, achten die Ausbilderinnen darauf, sie nicht zu überfordern. „Manchmal zeigen gerade solche Pferde nicht so deutlich, dass sie vielleicht doch gestresst sind“, sagt Leoni Henrichs. Es sind zwar perspektivisch Voltigierturniere denkbar, Cookie müsse den Weg aber mitbestimmen dürfen. Das Ziel sei nicht, die Stute möglichst schnell möglichst oft einzusetzen, sondern sie systematisch an ihre Aufgaben heranzufuhren. Cookie soll lange gesund und motiviert bleiben. Im Vereinsalltag bedeutet das: Neben Reitunterricht und Voltigieren haben die Schulpferde täglich Weidegang mit Artgenossen. Ein Tag in der Woche ist rückenfrei – ohne Reiter oder Voltigierer, dafür mit Spaziergängen, Bodenarbeit und Pflege. Leoni Henrichs spricht für den gesamten Verein, wenn sie das Ziel beschreibt: „Cookie soll Kinder glücklich machen – aber nicht um den Preis, dass sie selbst irgendwann die Freude an ihren Aufgaben verliert.“
Cookie bleibt ein Herzenspferd
Dass Cookie Lehrpferd wurde, war keine Selbstverständlichkeit. Viele Privatleute zögern, ein Pferd an einen Schulbetrieb zu verkaufen. Zu groß ist die Sorge, dass es dort nur noch mitläuft, zu viel leisten muss oder abstumpft. Leoni Henrichs kennt Anzeigen, in denen ausdrücklich steht: kein Verkauf an Schulbetriebe, nicht fürs Voltigieren geeignet, nicht für schwächere Reiter.
Bei Cookie war es anders. Cookies Vorbesitzer vertrauten dem Konzept des Vereins: kleine Gruppen, persönliche Betreuung, pferdegerechter Einsatz. Der Abschied fiel trotzdem schwer. Cookie war für ihre frühere Reiterin ein Herzenspferd. Nun führt sie in Rietberg-Druffel Kinder an den Reitsport heran – als Lehrpferd, das Vertrauen schenkt und gutes Reiten fordert. So wurde aus dem Herzenspferd einer Reiterin ein Pferd für viele Herzen. Pferdesport Deutschland/ Sabine Heüveldop
Hintergrund: Initiative 100 Schulpferde plus
Die Initiative „100 Schulpferde plus“ unterstützt Vereine mit Reitschulen in Deutschland. Pferdesport Deutschland und die Reit-WM Aachen 2026 haben das über drei Jahre laufende Projekt gemeinsam ins Leben gerufen. Bis Ende 2027 bezuschussen sie gemeinsam mit weiteren Partnern und Sponsoren der Aktion den Kauf von 100 Schulpferden mit jeweils bis zu 5.000 Euro. Das „plus“ umfasst weitere Förderungen wie Einstreu, Futter, Ausrüstung, Beratungen, Seminare, Lern- und Lehrmaterialien, Turnierpferdeeintragungen und Zuschüsse für Trainer-C-Ausbildungen. Vereine, die noch nicht Teil der Initiative sind, können sich unter www.100schulpferdeplus.de für die nächsten Verlosungen bewerben.
PM





























