WM Aachen: Interview mit der Para-Dressur-Bundestrainerin

Silke Fütterer-Sommer: „Aachen wird sehr spannend für uns“

Sie sind sonst im Pferdesport häufig noch eher im Hintergrund zu finden, bekommen nicht ganz die Wahrnehmung, die sie verdienen. Doch bei der WM in Aachen gehört auch ihnen die ganz große Bühne: den Reiterinnen und Reitern der Para- Dressur. Für sie beginnt morgen mit dem Vetcheck der Pferde das Programm in Aachen. Im Interview ordnet Para-Dressur-Bundestrainerin Silke Fütterer-Sommer ein, was die WM für ihre Schützlinge, den Sport und die Inklusion allgemein bedeutet.

 

Wie besonders ist eine WM gemeinsam mit den anderen Disziplinen für Sie und Ihr Team?

 

Silke Fütterer-Sommer: "Es bedeutet uns wahnsinnig viel, mit der Para-Dressur bei der WM dabei und ein Teil der großen WM-Familie zu sein – gemeinsam mit den Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitsreitern, mit den Fahrern und Voltigierern. Es ist eine tolle Chance, unseren Sport einem großen Publikum zu präsentieren. Aachen ist immer ein ganz besonderes Turnier und wir durften schon ein paar Mal dort reiten, allerdings in deutlich kleinerem Rahmen. Und dann ist es ja nicht nur, dass wir gemeinsam mit dem Regelsport ein so großes Event erleben dürfen, sondern auch noch, dass das in Aachen eine Heim-WM ist. Das bedeutet, dass wir ganz viel Unterstützung von Familie und Freunden bekommen können, was bei einem Championat im Ausland sonst eher schwieriger ist. Das ist für uns moralisch und emotional eine zusätzliche große Stütze."

 

Ist die Kulisse in Aachen eine Herausforderung?

 

Silke Fütterer-Sommer: "Aachen wird sehr spannend für uns. Das Stadion hat ohnehin schon eine Wahnsinns-Atmosphäre, die wir im Para-Sport eher selten erleben. Die DM und das Stadion in Balve waren schon für einige Para-Pferde sehr beeindruckend, wir reiten sonst nicht so häufig in so einer Kulisse, das müssen die Pferde auch erstmal wegstecken und im Viereck die Übersicht behalten. Daher war es sehr gut, dass wir das internationale Turnier in Mannheim oder auch Balve als Sichtungs- und Vorbereitungsturniere hatten. Auch diese haben gemeinsam mit dem Regelsport stattgefunden und hatten schon einiges an Kulisse zu bieten. Aachen wird dennoch eine ganz andere Hausnummer mit neuer Atmosphäre: Denn für die WM ist das Stadion überdacht worden. Es ist also nochmal alles neu und anders und nicht mehr so, wie wir es kennen. Doch unsere Pferde sind sehr besonders, sie kennen ihre Reiter und die Reiter kennen sie in- und auswendig. Da herrscht ein großes Vertrauen, daher wird das hoffentlich kein Problem sein."

 

Was bedeutet die WM in Aachen für das Thema Inklusion?

 

Silke Fütterer-Sommer: "Wir sind mit so einer Weltmeisterschaft gemeinsam mit dem Regelsport schon ein ganzes Stück weitergekommen in Sachen Inklusion, aber natürlich noch nicht weit genug. Anfang Juni hatten wir die Deutschen Meisterschaften der Para-Dressur zum dritten Mal in Balve gemeinsam mit den DM in Dressur und Springen. Das ist für uns immer noch ein besonderes Highlight und ein weiterer Schritt in Richtung Inklusion. Wir sind dort mittendrin im Geschehen, alles ist perfekt organisiert und wie unsere Reiterin Melanie Wienand so schön sagte: Wir können uns dort wie Stars fühlen. Außerdem dürfen Reiterinnen und Reiter mit Einschränkungen auch am nationalen Turniersport, dem Regelsport, teilnehmen und wenn es notwendig ist, auch mit kompensatorischen Hilfsmitteln. Da sind wir tatsächlich schon einen Schritt weiter als viele andere Sportarten. Auch international hat sich in Sachen Inklusion einiges entwickelt. So vergibt die FEI, also der Weltreiterverband, seit einigen Jahren die Dressur-Europameisterschaft oder auch die Dressur- Weltmeisterschaft nur an einen Veranstalter, der dann die Titelkämpfe in Dressur und Para- Dressur gemeinsam ausrichtet.

 

Im vergangenen Jahr in Ermelo war das leider nicht so, doch in den Jahren zuvor schon häufiger und auch jetzt in Aachen sind wir wieder gemeinsam präsent.Das alles hilft dabei, den Para-Sport sichtbarer zu machen."

 

Und nach der WM? Wird der Para-Sport ein Teil der großen CHIO-Familie?

 

Silke Fütterer-Sommer: "Ja, das ist ein weiterer großartiger Aspekt – wir haben jetzt nicht nur die WM als einmaliges Erlebnis, sondern wir werden in den nächsten Jahren auch eine weitere Disziplin neben Dressur, Springen, Vielseitigkeit, Fahren und Voltigieren beim CHIO in Aachen sein. Die Bedingungen sind jetzt geschaffen, alles ist barrierefrei und einfach gut durchdacht für unsere Anforderungen. Unser Sport kann sich damit nicht nur bei der WM einem großen Publikum präsentieren, sondern auch in Zukunft weiterhin jedes Jahr beim CHIO. Das ist einfach toll!"

 

Das Interview führte Eva Borg.

 

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