Foto: Vom ersten Bundeschampionat 1976 zum Olympiasieg : Vize-Bundeschampion Ahlerich und sein Reiter Dr. Reiner Klimke. - Fotograf: Archiv Pferdesport Deutschland (c) Hugo Czerny
Reitpferde machen den Anfang
Wer heute die Al Shira’aa Bundeschampionate in Warendorf besucht, erlebt Pferdesport und -zucht in ihrer ganzen olympischen Breite in einem mehrtägigen Event. Zu sehen gibt es vierbeinige Nachwuchstalente – Großpferde und Ponys – in den Disziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit. Das war aber nicht immer so. Angefangen hat alles ganz klein. Vor genau 50 Jahren wurde in Münster das erste Bundeschampionat für junge Pferde ausgetragen.
Der Anfang war unspektakulär und der überregionalen Fachpresse noch keine Silbe wert. 1976 wurde das bereits bekannte westfälische Landeschampionat „Westfalen-Optimum“ im Rahmen des Turniers der Sieger in Münster für junge Pferde anderer Rassen geöffnet und als Bundeschampionat bezeichnet. Zugelassen waren Deutsche Reitpferde, die im Vorjahr oder laufenden Jahr in einem Landeschampionat an erster bis dritter Stelle platziert waren oder mindestens dreimal eine Reitpferdeprüfung gewonnen hatten. Als Sieger dieses ersten „Bundeschampionats“ ging der Hannoveraner Calypso hervor. Der Sohn des Cardinal xx – Gouverneur aus der Zucht von Dr. Albert Schmidt – Gestüt Schmidt-Ankum – schrieb mit seiner Reiterin Ingeborg Müller als erster Bundeschampion überhaupt Zuchtgeschichte. Später wurde er von Johann Hinnemann bis zur Klasse S gefördert.
Ahlerich: Vom Vize-Bundeschampion zum Doppelolympiasieger
Die gastgebenden Westfalen haderten allerdings etwas mit der Entscheidung. Sie hatten eigentlich die Nummer zwei – den Westfalen Ahlerich – vorne gesehen und lagen damit im wahrsten Sinne des Wortes goldrichtig: Der Angelo xx-Sohn sollte mit Dressur-Ikone Dr. Reiner Klimke acht Jahre später Doppelolympiasieger in Los Angeles werden. Als junges Pferd gewann der braune Wallach aus der erfolgreichen Zucht von Herbert de Baey zunächst mit dem Klimke-Schüler Hans-Jürgen Meyer im Sattel das „Westfalenwappen“, 1976 wurde er dann mit Ruth Klimke der erste Vize-Bundeschampion.
„Das liegt alles ziemlich weit zurück und hatte auch noch nicht die Bedeutung wie heute“, erinnert sich Ruth Klimke nur noch vage an die Bundeschampionats-Premiere. Dass zu dieser Zeit nicht ihr Ehemann, sondern sie im Sattel von Ahlerich saß, weiß sie dagegen noch sehr genau. „Reiner und ich haben die Pferde immer so aufgeteilt, wie es gerade zu ihnen und zu uns passte. Ahlerich habe ich auch noch bis zu den Klassen L und M geritten. Damals haben wir noch nicht daran gedacht, dass er einmal bei Olympischen Spielen gehen würde.“ Lachend ergänzt sie: „Wir haben nur ganz schnell gemerkt, dass er nichts fürs Springen übrig hat.“ Sie seien damals auch nicht nur S-Prüfungen und Grand Prix geritten, erzählt Klimke weiter, sondern auch viele Jungpferdeprüfungen: „Reitpferdeprüfungen, Eignungs- und Jagdeignungsprüfungen, die gibt es heute gar nicht mehr. Ebenso wie die Mindestleistung, die damals von den jungen Pferden noch verlangt wurde.“ Im Rahmen der Reitpferdeprüfungen, die damals noch „Materialprüfungen“ hießen, mussten die jungen Pferde nämlich jeweils eine bestimmte Strecke im Schritt, Trab und Galopp in einer vorgegebenen Zeit bewältigen. „Dafür haben wir immer auf bestimmten Waldwegen geübt, das war ja auch ein gutes Konditionstraining“, blickt Klimke zurück. Pferdesport Deutschland/Hb
Teil 2 folgt: Vom Einzel-Championat zum Großereignis






























