Sophie Scott: Zurück in Riesenbeck – auf dem Weg zur Weltmeisterschaft

Foto: Sophie Scott und Normandy GHP - Fotograf: Anna Theilen

Foto: Sophie Scott und Normandy GHP - Fotograf: Anna Theilen

Vor acht Jahren kam Sophie Scott als ambitionierte Nachwuchsreiterin nach Riesenbeck, um von einigen der besten Pferdeleute der Welt zu lernen. An diesem Wochenende kehrt sie zurück – als Mitglied der neuseeländischen Mannschaft für die FEI World Championships in Aachen.

 

Für die heute 25-Jährige ist die Rückkehr nach Riesenbeck International etwas ganz Besonderes. „Wow, hier hat sich unglaublich viel verändert. Alles ist viel größer geworden. Es gibt so viele neue Reitplätze und Stallgebäude. Das ist jetzt schon eines unserer absoluten Lieblingsturniere. Die gesamte Anlage sieht einfach fantastisch aus.“

 

2018 reiste Scott aus Neuseeland an, um am Summer Camp der Longines World Equestrian Academy teilzunehmen. Jedes Jahr kommen Nachwuchsreiter zwischen 14 und 25 Jahren aus aller Welt nach Riesenbeck, um mit renommierten Trainern zu arbeiten und gleichzeitig umfassendes Wissen über Pferdemanagement und den Spitzensport zu erwerben. Obwohl das Programm insbesondere junge Reiter aus Asien fördert, erfreut es sich auch in Neuseeland großer Beliebtheit – nicht zuletzt, weil den Teilnehmern nach Bedarf sorgfältig ausgewählte Lehrpferde zur Verfügung gestellt werden können.

 

„Ein Bekannter aus Neuseeland war schon einmal hier und hat regelrecht davon geschwärmt“, erinnert sich Scott. „Er hat uns gesagt, wir müssten uns unbedingt bewerben, weil man sich so eine Chance einfach nicht entgehen lassen darf.“

 

Damals begann Scott gerade erst, Prüfungen über 1,40 Meter zu reiten, nachdem sie zuvor vor allem in Pony Grand Prix erfolgreich gewesen war. Die Woche in Riesenbeck bedeutete für sie weit mehr als nur besseres Reiten.

 

„Es ging nicht nur ums Springen. Wir haben gelernt, wie man Pferde richtig managt und was alles dazugehört, um sie erfolgreich auszubilden. Am Ende der Woche konnten wir das Gelernte direkt im Parcours umsetzen, und Ludger Beerbaum hat uns anschließend persönliches Feedback gegeben. Für eine junge Reiterin aus Neuseeland war das etwas ganz Besonderes.“

 

Pferde gehörten schon immer zu Scotts Leben. Ihre Mutter Tania war selbst erfolgreich im Vielseitigkeitssport und gab ihre Begeisterung für Pferde an ihre Tochter weiter. Heute zählt Sophie Scott mit gerade einmal 25 Jahren zu den größten Nachwuchshoffnungen des neuseeländischen Springsports.

 

In den vergangenen beiden Jahren hat sich ihre Erfolgsliste eindrucksvoll entwickelt. 2024 gewann sie mit Waitangi Skynet den prestigeträchtigen Olympic Cup bei der Horse of the Year Show in Neuseeland und belegte mit Benrose Stellar zusätzlich Rang zwei. Auch im FEI Jumping World Cup™ 2025 sammelte sie zahlreiche Spitzenplatzierungen, ehe die Nominierung für die neuseeländische Mannschaft bei den FEI World Championships folgte.

 

Ein Pferd für die Zukunft

 

Eine Schlüsselrolle spielt dabei Normandy GHP, ein zehnjähriger Wallach von Nabab de Rêve aus einer Stolzenberg-Mutter. Gezogen wurde der Fuchs im australischen Glen Haven Park in Queensland. Vor etwas mehr als zwei Jahren wechselte er in Scotts Stall und entwickelte sich seitdem zu ihrem Championatspferd.

 

„Er hat unglaublich viel Charakter“, sagt Scott mit einem Lächeln. „Ich glaube sogar, genau das macht ihn so besonders. Er liebt seinen Job, ist aber gleichzeitig ein richtiger Showman.“

 

Obwohl das Paar inzwischen auf immer anspruchsvollerem Niveau unterwegs ist, sieht Scott das größte Potenzial ihres Pferdes noch vor sich. „Er wird mit jeder Runde besser. Er ist noch jung und vergleichsweise unerfahren, aber er gibt im Parcours immer alles. Ich glaube, wir erleben gerade erst den Anfang dessen, was wirklich in ihm steckt.“

 

Scott trainiert bei dem australischen Olympiareiter Jeff McVean, dessen Tochter Katie Laurie gemeinsam mit Luke Dee und Uma O'Neill ebenfalls für Neuseeland bei den Weltmeisterschaften an den Start gehen wird. Innerhalb des vierköpfigen Teams gelten Scott und Normandy GHP als die am wenigsten erfahrene Kombination. Erst in diesem Jahr verließen sie ihre Heimatbasis in Palmerston North, um den Schritt nach Europa zu wagen.

 

Die Umstellung verlief nahezu reibungslos. Top-Ten-Platzierungen in Springen über 1,50 und 1,55 Meter in Frankreich, Belgien und den Niederlanden zeigen, wie schnell sich Pferd und Reiterin auf internationalem Spitzenniveau zurechtgefunden haben.

 

Die Starts in der CSI3*-Tour von Riesenbeck International bilden einen weiteren wichtigen Baustein auf dem Weg nach Aachen, wo Scott ihr Debüt auf Fünf-Sterne-Niveau geben wird. Nervös macht sie das allerdings nicht

 

„Ich war eigentlich noch nie ein nervöser Mensch“, sagt sie. „Ich vertraue dem Prozess und dem Training, das wir zu Hause absolviert haben. Und dann lasse ich die Dinge einfach auf mich zukommen. Was am Turniertag passiert, das passiert.“

 

Mit Blick auf ihren bisherigen Weg ist Scott überzeugt, dass ihre Zeit an der Longines World Equestrian Academy entscheidend dazu beigetragen hat, dorthin zu gelangen, wo sie heute steht. Sie würde die Academy jedem ambitionierten Nachwuchsreiter empfehlen, insbesondere jungen Menschen aus weit entfernten Regionen wie Asien oder Ozeanien.

 

Was würde sie heute der 17-jährigen Sophie sagen, die vor acht Jahren zum ersten Mal nach Riesenbeck kam?

 

Sie lächelt. „Für Neuseeland zu reiten, war damals immer mein großer Traum. Wahrscheinlich wäre ich überrascht, wie schnell alles gegangen ist, denn normalerweise dauert der Weg an die Spitze unseres Sports sehr lange.“

 

Vor allem aber habe sie eine Erkenntnis gewonnen: „Ich hatte unglaublich viel Glück mit meinen Pferden und den Menschen an meiner Seite. Wenn ich jungen Reitern einen Rat geben könnte, dann diesen: Umgebt euch mit einem großartigen Team. Die richtigen Menschen und die richtigen Pferde machen den entscheidenden Unterschied.“

 

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PM

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