„Die erste WM-Woche war eine Werbung für den Pferdesport“

Foto: Dr. Dennis Peiler, Vorstandsvorsitzender Pferdesport Deutschland, zieht ein positives Fazit nach der ersten WM-Woche in Aachen. - Fotograf: Monika Kaup

Foto: Dr. Dennis Peiler, Vorstandsvorsitzender Pferdesport Deutschland, zieht ein positives Fazit nach der ersten WM-Woche in Aachen. - Fotograf: Monika Kaup

Dr. Dennis Peiler zum Zwischenstand bei den Weltmeisterschaften in Aachen

 

Halbzeit bei den Weltmeisterschaften in Aachen: Mit starken sportlichen Leistungen, vollen Tribünen und großer internationaler Aufmerksamkeit hat die erste Woche ein eindrucksvolles Bild des Pferdesports gezeichnet. Im Interview zieht Dr. Dennis Peiler, Vorstandsvorsitzender von Pferdesport Deutschland, Bilanz und ordnet die bisherigen deutschen Erfolge ein. Dabei richtet er den Blick nicht nur auf die Medaillen, sondern vor allem auf die Vielfalt des Pferdesports, die Bedeutung von Vereinen, Schulpferden und Pferdewohl sowie die Chancen der bevorstehenden Wettbewerbe in Springreiten, Paradressur und Fahrsport.

 

Dr. Peiler, die erste Woche der Weltmeisterschaften in Aachen liegt hinter uns. Wie fällt Ihr Fazit aus?

 

Dennis Peiler: Mein Fazit ist eindeutig: Die erste Woche dieser Weltmeisterschaften war schlichtweg beeindruckend. Sportlich erleben wir aus deutscher Sicht bisher nahezu ideale Titelkämpfe. Mit insgesamt zwölf Medaillen, darunter fünf Gold-, zwei Silber- und fünf Bronzemedaillen, führt Deutschland den Medaillenspiegel zur Halbzeit klar an. Großbritannien folgt mit sechs Medaillen, Frankreich mit vier. Das zeigt die enorme Breite und Stärke unseres Sports.

 

Bereits die Eröffnungsfeier vor einem sehr gut besuchten Stadion war eine großartige Werbung für den Pferdesport in Deutschland. Sie war emotional, inspirierend und hat die Zuschauer perfekt auf eine außergewöhnliche Woche eingestimmt.

 

Besonders erfolgreich verlief die Dressur. Was hat Sie dort beeindruckt?

 

Dennis Peiler: Die Dressur war für Deutschland ein sehr erfolgreicher Auftakt. Mit Mannschaftsgold und zwei Bronzemedaillen in den Einzelwertungen haben unsere Reiterinnen und Reiter ihre Klasse unter Beweis gestellt. Ein besonderer Moment war die Kür am Samstagabend vor 40.000 Zuschauern im ausverkauften Hauptstadion. Dort wurde sichtbar, was Dressur ausmacht: die Harmonie zwischen Mensch und Pferd, Präzision und Vertrauen. Solche Bilder erreichen auch Menschen weit über den Pferdesport hinaus.

 

Auch das Voltigieren war wieder eine Medaillenbank.

 

Dennis Peiler: Absolut. Mit drei Goldmedaillen sowie weiteren Silber- und Bronzemedaillen haben unsere Voltigiererinnen und Voltigierer erneut ihre internationale Klasse gezeigt. Das Team Norka aus Köln zeigte eine nahezu perfekte Kür und sicherte Deutschland die Goldmedaille

 

Besonders erfreulich war auch die Resonanz des Publikums. Das vollständig ausverkaufte Stadion am Finalsamstag und das spannende Nationenpreis-Finale zwischen Deutschland und Frankreich haben gezeigt, welches Potenzial in den nichtolympischen Disziplinen steckt. Genau dafür bietet eine Multi-Weltmeisterschaft die ideale Bühne.

 

Sie sprechen die nichtolympischen Disziplinen an. Welche Bedeutung haben sie bei einer Multi-Weltmeisterschaft?

 

Dennis Peiler: Sie machen die besondere Stärke dieser Veranstaltung aus. Disziplinen wie Voltigieren erhalten hier eine Aufmerksamkeit, die sie bei eigenständigen Weltmeisterschaften oft nicht erreichen.

 

Für uns als Gastgebernation ist das besonders wertvoll. Aachen zeigt, wie vielfältig Pferdesport in Deutschland aufgestellt ist. Die Weltmeisterschaften bieten die Chance, olympische und nichtolympische Disziplinen gemeinsam zu präsentieren und damit neue Zielgruppen für unseren Sport zu begeistern.

 

Auch die Vielseitigkeit sorgte für große Emotionen.

 

Dennis Peiler: Der Geländetag war einer der Höhepunkte der bisherigen Weltmeisterschaften. Rund 35.000 Menschen säumten die Strecke und verfolgten hochklassigen Sport.

 

Unsere deutschen Paare präsentierten sich hervorragend vorbereitet und legten die Grundlage für die Mannschaftssilbermedaille hinter Großbritannien. Besonders beeindruckend war einmal mehr Michael Jung. Wie er den Druck gemeistert und seinen knappen Vorsprung ins Ziel gebracht hat, war außergewöhnlich.

 

Außerdem war hoher sportpolitischer Besuch in Aachen.

 

Dennis Peiler: Ja, wir haben uns sehr über den Besuch der IOC-Präsidentin Kirsty Coventry gefreut. Sie konnte sich unmittelbar ein Bild davon machen, auf welchem Niveau Deutschland internationale Sportgroßveranstaltungen organisiert.

 

Gerade im Hinblick auf die deutsche Bewerbung um Olympische und Paralymische Spiele hat Aachen gezeigt, welche Kompetenz, Erfahrung und Begeisterungsfähigkeit hier vorhanden sind. Solche Veranstaltungen schaffen Sichtbarkeit für den Sport und hinterlassen nachhaltige Eindrücke bei Gästen aus aller Welt.

 

Die Weltmeisterschaften bieten aber nicht nur Spitzensport.

 

Dennis Peiler: Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Die Weltmeisterschaften sollen den gesamten Pferdesport sichtbar machen. Hinter jedem internationalen Erfolg stehen engagierte Vereine, qualifizierte Ausbilder und oft viele Jahre auf Schulpferden.

 

Deshalb nutzen wir Aachen auch, um Themen wie Reitenlernen, Nachwuchsförderung und die Bedeutung der Vereine in den Mittelpunkt zu rücken. Sie bilden das Fundament unseres Sports.

 

Gleichzeitig zeigen die Weltmeisterschaften, dass Spitzenleistungen und verantwortungsvoller Umgang mit dem Pferd untrennbar zusammengehören. Das Wohl der Pferde ist die Grundlage unseres Handelns. Nur wenn Pferde gesund, motiviert und partnerschaftlich ausgebildet werden, sind Leistungen auf diesem Niveau überhaupt möglich. Diese Verbindung von Pferdewohl, Breitensport und Spitzensport sichtbar zu machen, ist eine der großen Stärken dieser Weltmeisterschaften.

 

Was wünschen Sie sich für die zweite Woche?

 

Dennis Peiler: Ich hoffe, dass die Begeisterung der ersten Woche anhält und wir unser Pferdesport-Sommermärchen fortschreiben. Mit dem Springreiten, der Paradressur und dem Fahrsport stehen weitere Höhepunkte bevor, die erneut die Vielfalt unseres Sports zeigen werden. Natürlich hoffen wir auf weitere deutsche Medaillen und erfolgreiche Qualifikationen für die Olympischen und Paralymischen Spiele 2028 in Los Angeles. Unabhängig von den Ergebnissen steht aber schon jetzt fest: Aachen hat erneut bewiesen, dass es zu den herausragenden Sportstätten der Welt gehört. Für Teilnehmer, Besucher und Pferdesportfans sind diese Weltmeisterschaften weit mehr als ein sportliches Ereignis. Sie sind ein Erlebnis, das noch viele Jahre in Erinnerung bleiben wird.

 

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