Deutschland auf Rang zwei im Nationenpreis / Christoph Wahler gewinnt die Vier-Sterne-Prüfung
Die Entscheidung über die WM-Shortlist rückt näher: Beim Nationenpreisturnier im schweizerischen Avenches absolvierten die deutschen Vielseitigkeitsreiter ihre letzte Sichtungsprüfung vor den Weltmeisterschaften in Aachen. Deutschland belegte im Nationenpreis Rang zwei hinter Gastgeber Schweiz, Christoph Wahler sorgte mit dem Sieg in der CCIO4*-S für das beste deutsche Einzelergebnis.
Die deutsche Mannschaft mit Christoph Wahler und D'Accord FRH, Arne Bergendahl und Bronco NRW, Libussa Lübbeke und Caramia FRH sowie Antonia Baumgart mit Ris de Talm kam im Nationenpreis auf 112,4 Punkte. Der Sieg ging an die Schweiz mit 105,9 Punkten vor Deutschland, Dritter wurden die Niederlande mit 121,3 Punkten. Insgesamt gingen acht Mannschaften an den Start.
Letzte Sichtung vor der WM-Nominierung
Die Longlist für die Weltmeisterschaften steht bereits fest. Mit Blick auf die anstehende Benennung der Shortlist lieferte das Turnier in Avenches dem Trainerteam unter Leitung von Rudolphe Scherer wichtige Erkenntnisse über die WM-Kandidaten.
Seit dem Reitunfall von Bundestrainer Peter Thomsen Mitte Juni werden die deutschen Vielseitigkeitsreiter von einem Trainerteam betreut. Die Verantwortung liegt dabei bei Gelände-Disziplintrainer Rudolphe Scherer, der gemeinsam mit Dressurtrainerin Anne-Kathrin Pohlmeier, Springtrainerin Lara Weber und Geländespezialist Andreas Dibowski die Betreuung der Kaderathleten übernommen hat.
Scherers Fazit fiel positiv aus: „Für die letzte Sichtung vor der WM waren die Bedingungen hier ideal: ein anspruchsvoller, aber fairer Kurs, sehr gute Bodenverhältnisse und ein Gelände, das die Pferde wirklich testet. Das war für uns ein sehr guter letzter Wettkampf vor der Weltmeisterschaft.“
Avenches hatte für viele Paare bewusst den Charakter einer Generalprobe. Im Vordergrund standen die Überprüfung von Form und Fitness sowie die weitere Vorbereitung auf Aachen. Entsprechend ging es nicht in erster Linie um das bestmögliche Ergebnis, sondern darum, die Pferde noch einmal unter Wettkampfbedingungen zu präsentieren und wichtige Erkenntnisse für die letzten Wochen vor dem Saisonhöhepunkt zu gewinnen.
Insbesondere die Zeit erwies sich im Gelände als entscheidender Faktor. Die 3.420 Meter lange Strecke mit 20 Hindernissen und 35 Sprüngen war auf eine Idealzeit von sechs Minuten ausgelegt. Lediglich die Schweizerin Melody Johner mit Erin blieb innerhalb der vorgegebenen Zeit. Alle übrigen Teilnehmer mussten Zeitstrafpunkte hinnehmen.
„Für mich war wichtig zu sehen, dass die Paare sicher, kontrolliert und mit einem guten Gefühl durch den Kurs gekommen sind. Gleichzeitig wollte ich einige Reiter noch einmal unter Druck setzen und sehen, wie sie in dieser Situation reagieren“, sagte Scherer.
Dabei ordnete der Disziplintrainer auch einzelne Fehler ein: „Manchmal ist es sogar gut, wenn nicht alles perfekt läuft. Dann bleiben Reiter und Pferde konzentriert und denken nicht, dass schon alles gelaufen ist.“
Nach der Dressur hatten die deutschen Spitzenpaare das Feld angeführt. Olympiasiegerin Julia Krajewski lag mit ihrem zwölfjährigen Holsteiner Uelzener's Nickel vor Olympiasieger Michael Jung mit dem 18-jährigen Hannoveraner fischerChipmunk FRH in Führung. Im Gelände kamen jedoch – wie bei nahezu allen Startern – Zeitfehler hinzu, die das Klassement noch einmal veränderten.
Wahler empfiehlt sich für Aachen
Für das stärkste deutsche Ergebnis sorgte Christoph Wahler. Der Reiter vom Klosterhof Medingen gewann die CCIO4*-S mit dem 14-jährigen Hannoveraner D'Accord FRH und 30,3 Minuspunkten. Zweiter wurde der neue Schweizer Meister Felix Vogg mit Colero (33,8), ehe Wahler mit seinem zweiten Pferd, dem zehnjährigen französisch gezogenen Wallach Gainsbourg de Bedon, auch noch Rang drei belegte (34,9).
Scherers sagte dazu: „Christoph hat alle überrascht. Nach der Verletzung von D'Accord wussten wir nicht genau, wo das Paar steht. Deshalb mussten wir Christoph und sein Pferd noch einmal im Wettkampf sehen.“ Besonders lobte der Disziplintrainer den Auftritt des Paares im Gelände.
Als zweitbester Deutscher beendete Arne Bergendahl mit dem zehnjährigen Westfalen Bronco NRW die Prüfung auf Rang sechs mit 36,5 Minuspunkten.
Michael Jung und der 18-jährige Hannoveraner fischerChipmunk FRH wurden nach zwei Abwürfen im Springen Elfte (39,8). Einzelreiterin Vanessa Bölting belegte mit dem 14-jährigen westfälischen Wallach Ready To Go NRW Platz zwölf (40,0).
Julia Krajewski und ihr zwölfjähriger Holsteiner Uelzener's Nickel wurden 14. (41,3), Libussa Lübbeke und die 16-jährige Hannoveraner-Stute Caramia FRH belegten Rang 20 (45,6). Antonia Baumgart und Ris de Talm schlossen die Prüfung nach zwei Abwürfen im Springen auf Rang 27 ab.
Für Julia Krajewski verlief der Start mit ihrem zweiten Longlist-Pferd Tullabeg Platinum wechselhaft. Nach einem guten siebten Platz in der Dressur kosteten eine Verweigerung im Gelände und weitere Zeitstrafpunkte wertvolle Plätze. Ein fehlerfreier Springparcours sorgte jedoch für einen gelungenen Abschluss des Wochenendes.
Titelverteidiger blickt nach Aachen
Mit Avenches ist die Sichtungsphase der deutschen Vielseitigkeitsreiter abgeschlossen. Nun richtet sich der Blick auf die Benennung der Shortlist für die Weltmeisterschaften in Aachen. Deutschland geht als Titelverteidiger in das Heim-Championat, nachdem die deutsche Mannschaft 2022 in Pratoni del Vivaro Mannschaftsgold gewonnen hatte.
Die Weltmeisterschaften finden vom 11. bis 23. August 2026 in Aachen statt. Die Vielseitigkeit gehört dabei zum Programm der ersten WM-Woche. Pferdesport Deutschland / Bo





























