Großer Bahnhof für Jungzüchter im Niedersächsischen Landgestüt Celle
Vier Tage lang stand das Niedersächsische Landgestüt Celle im Mittelpunkt des internationalen Züchternachwuchses. Jungzüchter aus 19 Zuchtverbänden und zehn Nationen gingen bei den 12. WBFSH-Weltmeisterschaften an den Start. Das Team vom ZV Sachsen-Thüringen sicherte sich dabei nicht nur Gold in der Altersklasse 21 bis 26 Jahre, sondern siegte auch in der altersübergreifenden Gesamtwertung vor den Mannschaften vom Irish Sport Horse-Verband und vom Holsteiner Verband.
Fünf Teildisziplinen galt es auf dem Weg zur Medaille zu bewältigen, beginnend mit einer Theorieprüfung. Hierbei galt es, innerhalb von 60 Minuten 50 Multiple-Choice-Fragen richtig zu beantworten. Die nächste Herausforderung war das Herausbringen eines Pferdes. Dazu gehörte auch das Einflechten der Mähne, wobei jedes Team seinen eigenen Stil hatte, aber immer darauf bedacht, das jeweilige Pferd vorteilhaft in Szene zu setzen. Weitere Aufgaben waren die Exterieurbeurteilung, das Bewerten eines Pferdes im Freispringen sowie das Vormustern eines Pferdes auf der Dreiecksbahn: vom korrekten Aufstellen und dem Führen in Schritt und Trab. „Im Grunde ist es wie bei einer Dressurprüfung, die ganze Präsentation soll schön im Fluss sein. Wir möchten sehen, dass das Pferd ganz korrekte, gerade Linien geht, dass es um die Ecke noch im Schritt geht und dann erst gerade antrabt. Und wir beobachten, wie der Teilnehmer mit seinem Peitschenführer kommuniziert, denn beide müssen als Team gut zusammenarbeiten“, erklärte Richter Walter Wadenspanner, worauf die Jury bei diesem Wettbewerb achtet. „Wichtig ist, dass man ein Pferd optimal präsentiert, also nicht nur vorsichtig und brav. Dass man ruhig auch etwas riskiert, ohne den Harmoniefluss zu stören.“
Am Ende waren es die Teams vom Pferdezuchtverband Sachsen-Anhalt die in der Gesamtwertung die meisten Punkte sammelten. Zu diesem Sieg trugen das Senior-Team mit Julienne Freund, Lena Opitz, Mirjam Münch und Adrian Kromer bei, aber auch die vier Junioren: Laura-Sophie Popp, Rebekka Tschirpig, Anna Rabe und Lilly Springer.
Toporganisation durch Jungzüchter-Community in historischen Ambiente Die Idee, die diesjährigen Weltmeisterschaften im Landgestüt Celle auszurichten, entstand aus einer Laune heraus bei den Bundeschampionaten. „Es ging darum, dass die Verbandsanlagen ja irgendwo in der ganzen Welt ein bisschen ähnlich sind. Da habe ich gesagt, wenn Ihr Jungzüchter aus aller Welt zusammenholen wollt, dann wäre doch auch einmal so ein historischer Ort wie Celle schön“, berichtete Landstallmeister Dr. Axel Brockmann, wie es zu der WM kam und ergänzte. „Und nun sind sie hier. Ich bin begeistert, wie toll die Jungzüchter das organisieren. Mit welcher Freude, mit welcher Einsatzbereitschaft sie vor Ort dabei sind, aber auch wie super sie alles in den anderthalb Jahren vorab durchorganisiert haben. Diese Veranstaltung ist nicht nur eine Weltmeisterschaft, sondern es ist auch Weltklasse, wie unsere Jungzüchter arbeiten.“
Alle Pferde für WM wurden zur Verfügung gestelltAnders als bei den allermeisten Pferdesportdisziplinen brauchten die Jungzüchter für ihre WM keine eigenen Pferde mitzubringen. Diese werden vom Veranstalter gestellt. „Die Freispringpferde kommen komplett vom Gestüt. Wir können einfach standardisierte Rahmenbedingungen schaffen, weil wir unsere Pferde kennen. Das hat komplett das Team mit Heiko Tietze und Wolfhard Witte aus Adelheidsdorf geleistet. Ansonsten dürfen hier natürlich keine Hengste bei den Vorführwettbewerben mitgehen. Diese Pferde kommen aus dem Celler Umland. 35 Fremdpferde sind im Laufe der Woche angeliefert worden, wurden hier aufgestellt und von den Jungzüchtern versorgt, geputzt, und gepflegt. Auch das läuft super“, sagte Dr. Brockmann.
Maßgeblich an der Pferdebeschaffung beteiligt war Lisa Kurtz, eine ehemalige Auszubildende am Landgestüt, die dem Team des Hannoveraner Verbandes das mit Abstand größte Kontingent an Freiwilligen im großen Organisationsteam aus Jungzüchtern, ehemaligen Jungzüchtern und Ehrenamtlichen stellte.
Mehr als nur Medaillen„Wir sind eine große Jungzüchter-Community“, sagte Ines Rathke, Vorsitzende des Vereins Deutsche Jungzüchter. Dies war auch an allen Ecken und Enden zu spüren und macht den besonderen Reiz des Events aus. So ging es einerseits um Leistung an Medaillen, aber auch um Begeisterung ums Pferd und den Austausch mit Gleichgesinnten, das Bilden von Netzwerken – die zum Teil weit über die Zeit als Jungzüchter hinaus Bestand haben.
Von den deutschen Zuchtverbänden stellten neben dem Hannoveraner Verband und dem Pferdezuchtverband Sachsen-Thüringen auch der Landesverband Bayerischen Pferdezüchter, der Verband der Pferdezüchter Mecklenburg-Vorpommern, Pferdezuchtverband Rheinland-Pfalz-Saar, der Verband der Züchter des Oldenburger Pferdes, der Verband der Züchter des Holsteiner Pferdes sowie der Trakehner Verband ein oder zwei Teams. Die internationalen Teilnehmer kamen aus Belgien, Dänemark, Frankreich, Lettland, den Niederlanden und Österreich. Die weitaus weiteste Anreise hatte allerdings das kanadische Team. „Wir sind 2017 auch zu den WM in Spruce Meadows mit einem ganzen Flieger mit allen deutschen Zuchtverbänden rüber geflogen“, erinnerte sich Ines Rathke. „Jetzt kommen sie nach Europa und verbinden das noch mit einem kleinen Europatrip.“ Und schon in Celle ging es mit dem Sightseeing los. Sie bekamen dort in einer Führung nicht nur das Landgestüt zu sehen, sondern besichtigten zusammen mit den anderen auch noch das Gestüt Famos sowie den Hof Schulze Brüning. Pferdesport Deutschland/Hb
Und das sind die Weltmeister und Medaillengewinner:
Gesamtwertung Teams Gold: Sachsen-Thüringen (1.813,5 Punkte) Silber: Irish Sport Horse (1.811,5 Punkte) Bronze: Holstein (1.796,5 Punkte)
Junior Teams (U21) Gold: Selle Francais (927,5 Punkte) Silber: Holstein (921,5 Punkte) Bronze: Brandenburg-Anhalt (914,5 Punkte)
Senior Teams (21 bis 26 Jahre)Gold: Sachsen-Thüringen (910,5 Punkte) Silber: Irish Sport Horse (902 Punkte) Bronze: Swedish Warmblood (897 Punkte)
Junior Einzelwertung: Gold: Hilma Alden, Swedish Warmblood (319 Punkte) Silber: Henni Edler, Brandenburg-Anhalt (315 Punkte) Bronze: Ambre Bouvier, Selle Francais (312 Punkte)
Senior Einzelwertung: Gold: Julienne Freund, Sachsen-Thüringen (307 Punkte) Silber: Ellen McWey, Irish Sport Horse (305,5 Punkte) Bronze: Thea Karlsson, Swedish Wamblood (305 Punkte)
Informationen unter www.deutsche-jungzuechter.de





























