WM Aachen: Deutschland führt vor dem Team-Finale

Zwischenranking: Sophie Hinners auf Silberkurs, Daniel Deußer aktuell auf Bronzerang

Besser hätte es für das deutsche Team im ersten Umlauf des Nationenpreises nicht laufen können: Vier Nullfehlerritte sorgten für strahlende Gesichter in der deutschen Mannschaft. 

 

„Ich bin heilfroh, dass alle Paare sich hier so gut präsentiert haben. Das Ergebnis von heute spricht für die Vorbereitung unserer Reiter, doch zugleich wissen wir, dass wir uns davon noch nichts kaufen können", erklärte Bundestrainer Otto Becker nach dem vierten Nullfehlerritt für Deutschland. Marcus Ehning und Coolio hatten als erstes Paar für Deutschland abgeliefert, Sophie Hinners und Iron Dames Singclair brachte die Startposition zwei wieder Glück. Daniel Deußer und Otello de Guldenboom behielten als drittes Starterpaar die Nerven und blieben fehlerfrei, so dass das Mannschaftsergebnis mit drei fehlerfreien Runden schon feststand. Richard Vogel und United Touch S zeigten als Schlusspaar in dem 137 umfassenden Starterfeld einmal mehr, was in ihnen steckt und blieben ebenfalls fehlerfrei. 

 

„Morgen werden wir einen schwereren Parcours sehen", prognostizierte Otto Becker. Im Finale um die Teammedaillen gehen die besten zehn Mannschaften und die insgesamt 60 besten Einzelreiter an den Start. „Wir werden uns auf uns konzentrieren und möchten wieder das bestmögliche Ergebnis erzielen. Im besten Fall mindestens drei Nullrunden", erklärte Becker. Dann dürften sie Teamgold feiern. Die deutsche Equipe hat es also in der Hand, doch die anderen Nationen lauern dicht dahinter. Das deutsche Team hat ein Zwischenergebnis von 3,48 Punkten. Die USA liegt mit 4,85 dicht dahinter, die italienische Equipe und das belgische Team rangieren gemeinsam mit einem Ergebnis von 7,69 auf dem dritten Platz.

 

Drei deutsche Paare unter den Top Ten in der Einzelwertung

 

Die sehr guten Ergebnisse der deutschen Paare in den ersten beiden Springen spiegeln sich auch in der Einzelwertung wieder: Sophie Hinners und ihr elfjähriger Singclair belegen im Zwischenranking den Silberplatz hinter dem Briten Scott Brash mit Hello Mango. Daniel Deußer und Otello de Guldenboom teilen sich aktuell den Bronzerang mit Steve Guerdat und Dynamix de Belheme, beide hatten im Zeitspringen exakt die gleiche Zeit. Auf dem zehnten Platz liegt im Zwischenergebnis Marcus Ehning mit seinem Holsteiner Coolio. Für Richard Vogel und United Touch S bedeutete die Nullrunde im ersten Umlauf des Nationenpreises einen gewaltigen Sprung nach vorne: von Platz 46 auf Rang 23. Zur Einordnung: Zwischen dem Spitzenreiter und Platz 28 liegt aktuell nur ein Springfehler. Entschieden ist demnach noch lange nichts. Für die Einzelwertung zählen auch das Ergebnis im zweiten Umlauf des Nationenpreises am Freitagabend sowie das Einzelfinale über zwei Umläufe am Sonntag. 

 

Marcus Ehning bewährt sich als erster Reiter fürs Team

 

Der erfahrenste in der Springequipe machte wieder den Anfang für Deutschland: „Die Runde fühlte sich mega an. Am letzten Sprung haben wir es noch einmal spannend gemacht, aber ohne Glück kann man nichts abbekommen", sagte ein zufriedener Marcus Ehning.  „Wir waren sehr gut im Flow. Der Parcours lässt sich sehr gut reiten und doch gibt es ein paar Stellen, an denen schnell ein Fehler passiert ist. Die Steilsprünge sind hoch, passend zur Ausschreibung. Am letzten Hindernis ist schon häufiger die Stange gefallen und der Druck auf die letzten Reiter je Team steigt", zog Ehning ein Fazit zum Parcours. 

 

Sophie Hinners und Iron Dames Singclair mit unglaublichem Parcoursinstinkt

 

Auf ihrer Lieblingsposition – Platz zwei in der Mannschaftsreihenfolge – ging es für Sophie Hinners und Iron Dames Singclair in den heutigen Wettbewerb. Sie blieben abermals fehlerfrei. „Iron Dames Singclair sprang großartig. Wir hatten ein wenig Glück zwischendurch und da hat das Publikum auch raunen müssen, am Geräusch habe ich erkannt, dass die Stange liegen geblieben ist. Umso fantastischer ist es hier fehlerfrei über die Ziellinie zu reiten", freute sich die 28-Jährige. Besonders stolz ist sie auf ihr Pferd, der Wallach wächst in diesen Tagen abermals über sich hinaus. Er ist kleiner als andere Pferde, kürzer als andere Pferde und hat auch teils seinen eigenen Stil am Sprung, doch gemeinsam mit Sophie Hinners möchte er keinen Fehler machen. „Bei ihnen passt die Chemie perfekt. Sie haben beide einen unglaublichen Parcoursinstinkt, ergänzen sich perfekt und Sophie ist eine herausragende Reiterin", lobte Richard Vogel seine Teamkollegin Sophie Hinners für ihre Leistung.

 

Daniel Deußer und Otello de Guldenboom können mit Druck umgehen

 

Auf den Schultern von Daniel Deußer und Otello de Guldenboom lastete Druck. „Mir war es wichtig, eine Nullrunde zu zeigen. Ich habe den Druck gespürt, da die anderen Teams auch Nullrunden geliefert haben", meinte Daniel Deußer nach seinem Ritt. Als es am ersten Sprung einmal klapperte, schreckte ihn das nicht. „Das hat er ab und zu, er hat seine eigene Technik und ich hatte die ganze Zeit im Parcours ein gutes Gefühl", bilanzierte Deußer. Der gebürtige Wiesbadener braucht vor dem Wettbewerb genügend Ruhe, um sich fokussieren zu können. „Wenn das Publikum nach dem Ritt jubelt, genieße ich die Atmosphäre hier sehr, doch vorher brauche ich die Zeit, um den Fokus richtig setzen zu können", führte er weiter aus. Er freut sich darauf, dass das Starterfeld am Freitagabend nicht mehr so groß ist. Dann ist die Pause zwischen den einzelnen Mannschaftsreitern pro Nation nämlich auch nicht mehr so lang. 

 

Richard Vogel über United Touch S: „Abnormal“

 

Zu Blasmusikklängen ritt ein glücklicher Richard Vogel wieder aus dem Hauptstadion, Deutschlandfähnchen wedelten und unzählige Smartphonekameras liefen. Die vierte Nullrunde für Deutschland und nachdem die deutsche Equipe von ihrer Playlist erzählt hat, wissen es alle: Richard Vogel kann Zugposaune spielen und hat die Playlist der Springmannschaft um das Stück „Die Sonne geht auf" bereichert. 

 

Bereichernd ist der gebürtige Schwabe auch für das deutsche Team. Die amtierenden Einzeleuropameister steuerten die vierte Nullrunde bei und Richard Vogel freute sich vor allem darüber, wie sein Westfale United Touch S sich präsentiert hat. „Er ist abnormal gesprungen", sagte der 29-Jährige, der in Pfungstadt gemeinsam mit David Will und Sophie Hinners einen Turnier- und Ausbildungsstall betreibt. „United ist heute noch gleichmäßiger und fokussierter gesprungen. Er hätte nichts besser machen können. Ich bin sehr glücklich", erklärte Richard Vogel, der nach seinem Fehler im Zeitspringen hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben war.  

 

„Der Druck für morgen ist riesengroß. Wir haben ein sehr gutes Team, unsere Pferde springen sehr gut. Es ist immer schöner, das Team zu sein, das gejagt wird, als zu jagen. Wir haben es in der Hand und wenn wir unsere Leistung abrufen können, gibt es kein Vorbeikommen an uns", schaut Vogel auf die Entscheidung. Im vergangenen Jahr durfte das deutsche Team bei den Europameisterschaften Mannschaftsbronze feiern. 

 

Die Entscheidung in der Mannschaftswertung fällt am Freitagabend unter Flutlicht. Die Startreihenfolge wird sich in der deutschen Mannschaft nicht ändern. Never change a running system. Pferdesport Deutschland/sag

 

Alle Infos zur WM in Aachen, den deutschen Teams, TV-Zeiten, Fotos und mehr unter www.pferdesport-deutschland.de/wmaachen2026

 

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