Foto: Titelseite Reiterjournal 11/2026
Es gibt Entwicklungen im Pferdesport, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. Da ist eine Gemeinde, die über eine Pferdesteuer nachdenkt. Und da sind Turniere, bei denen die Starterfelder kleiner werden – selbst dort, wo viel Aufwand betrieben wird, um attraktive Angebote zu schaffen.
Die Diskussion um eine Pferdesteuer zeigt, wie schnell Pferdehaltung zum Kostenfaktor erklärt werden kann, während ihre Bedeutung für Vereine, Betriebe, Jugendliche und das gesellschaftliche Leben in der Region aus dem Blick gerät. Wer Pferde hält, weiß ohnehin, dass Leidenschaft allein keine Rechnungen bezahlt. Doch auch innerhalb der Szene lohnt sich ein genauer Blick. Rückläufige Starterzahlen in Dressurprüfungen, eine überschaubare Beteiligung beim Finale Süd der Derby Stars von Morgen und nun auch ein ernüchterndes Fazit beim neu geschaffenen Vielseitigkeitscup Altensteig/Nußdorf: Trotz eines attraktiven Gewinntopfs nutzten nur wenige Reiter die Chance. Initiator Rüdiger Rau zeigte sich enttäuscht – verständlicherweise. Wenn eine Idee, die gezielt VL-Reiter ansprechen sollte, nach ihrer Premiere bereits vor dem Aus steht, wirft das grundsätzliche Fragen auf. Veranstalter investieren Zeit, Geld und Herzblut, Sponsoren unterstützen den Sport und schaffen Perspektiven. Die Süddeutschen Meisterschaften der Junioren und Jungen Reiter im Dressurviereck konnten dank der großzügigen Unterstützung von Nicole Porsch neu ins Leben gerufen werden. Auch Unternehmen wie Derby engagieren sich für den Nachwuchs und die Zukunft des Pferdesports. Doch dieses Engagement braucht eine sportliche Plattform, die angenommen und mit Leben gefüllt wird. Natürlich gibt es Gründe für rückläufige Starterzahlen: Kosten, Zeitaufwand und die Frage, ob Prüfungsformate noch zu den Bedürfnissen der Reiter passen. Vielleicht fehlen mancherorts tatsächlich Pferde und Reiter. Veranstalter und Verbände müssen hinterfragen, welche Formate gebraucht werden und unter welchen Bedingungen sie sich realisieren lassen. Gleichzeitig sind auch die Reiter gefragt: Wer sich attraktive Prüfungen, engagierte Veranstalter und verlässliche Sponsoren wünscht, sollte die vorhandenen Möglichkeiten nutzen und mithelfen, sie weiterzuentwickeln. Sponsoring lässt sich nicht verordnen, volle Starterfelder lassen sich nicht herbeireden und Wertschätzung lässt sich nicht einfach einfordern. Vielleicht ist deshalb nicht nur entscheidend, was der Pferdesport für seine Reiter tun kann. Sondern auch, was seine Reiter bereit sind, für ihren Sport zu tun.
Herzlich, Ihre
Mona-Sophie Wieland
Redaktionsleitung Reiterjournal
Freuen Sie sich außerdem auf die folgenden Themen:
- Große Vorschau auf die Jubiläumsausgabe der Stuttgart German Masters
- Menschen im Ländle: Familie Schill
- Blickpunkt: Alles rund um Versicherungen
- Ausbildung: Konditionstraining für Pferd und Reiter
- Porträt des Monats: Leonie Moll
- … und vieles mehr!






























